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Eine weitere Folge im lustigen Reigen der erbaulichen Sendung „Papa gesucht!“ zermürbte meine Nerven endgültig zur Schrottreife verschönerte meinen Fernsehabend aufs Unermesslichste.
Herzerwärmende Romantik, sexy Tänze, knisternde Spannung, ein überraschendes Outing und ein Beziehungsdrama, was will man mehr?

Die liebevolle Hobbytänzerin Sabine war mit ihrem neuen Seelengefährten, dem Straßenwärter und Teetrinker Matthias unterwegs zu einer Westernranch.
Matthias, dessen Westernhemden mittlerweile alle an seinem Körper festgewachsen sind und sich chamäleonartig farblich an die Umgebung anpassen, freute sich wie ein Grottenmolch und genoss mit der verschmitzt lächelnden Vollblutschönheit Sabine eine Planwagenfahrt und den herrlichen Ausblick auf grüne Felder und umliegende Atomkraftwerke.
Im Westerndorf zeigte der starke Matthias Sabine zwar nicht, wo der Hammer hängt, aber wo der Pfeil im Köcher steckt. In einem neckischen Bogenschießen traf er ins Rote und fühlte sich selbst von Amor ebenfalls mitten ins Herz getroffen. Ein abendliches Squaredancen mit der drallen, mondgesichtigen Sabine in einem bauschigen Kleid mit mindestens 38 Unterröcken wurde zum tänzerischen Orgasmus Höhepunkt der beiden. Daran konnte weder die 0,2 Quadratmeter große Tanzfläche noch Matthias dröges Steinklotzlächeln Abbruch tun.

Derweil brachte der Romantiktripp der treuen Niedersächsin Carmen mit Privatchauffeur Heinrich und Rentenberater Rainer ungeahnte und nervenkitzelnde Spannung. Das muntere Trio fuhr zu einem Picknick in einen dunklen Wald und der Kofferraum von Heinrich wurde geöffnet. Die musikalische Untermalung mit den Klängen von „Akte X“ wiesen den gewitzten Zuschauer schon darauf hin, dass gleich etwas Furchtbares passieren würde! Und siehe da – der Kofferraum war voller Frauenleichen Koffer!! Verhörspezialistenmäßig stellte Carmen die entscheidende Frage: „Heinrich, bist du etwa ein Serienmörder? wohnst du etwa in deinem Auto?“ Die zusätzlich vernichtenden Blicke Rainers, der umgehend in die Rolle des bösen Cops schlüpfte, konnten Heinrichs serienmördergeübte beherrschte Gesichtsmuskeln aber nicht erschüttern. Er verneinte sonoren Blickes und beschrieb sehr detailliert – vielleicht zu detailliert? – seinen Wohnungsbrand, von RTL einfühlsam untermalt mit David Bowies „Ashes to Ashes“. Heinrich wurde zudem – vielleicht auch von Aktenzeichen XY? – in einem Untertitel geoutet als „54, hat eine Vergangenheit“, Tja, wer hat die nicht, mit 54? was weitere spannende Enthüllungen verspricht.

Die Reise der fröhlichen Hausfrau Gaby mit ihren beiden Gespielen, dem schicken Matthias und dem lustigen Jörg, nach St. Peter Ording sollte sich für letzteren zu einem wahren Waterloo entpuppen! Ein geschickt eingefädelter Gummistiefelkauf sollte Aufschluss über den wahren Charakter der Bewerber geben, enthüllte aber ein bisher sorgsam gehütetes Geheimnis des lustigen Jörg.
Im Schuhgeschäft konnte der schicke Matthias mit roten Pumps auftrumpfen, die er für die fröhliche Gaby auswählte. Der lustige Jörg konterte mit einem Paar schwarzer Pumps, aber in einem Anfall von Unkonzentriertheit und geistiger Verwirrung probierte er diese selbst an und führte sie auch stolz und nicht gänzlich ungeschickt vor – was für ein Totalausfall! Vielleicht zeige er auch seine wahren und bisher geheimgehaltenen Neigungen, stichelte der schicke Matthias kameradenschweinisch und deutete süffisant das Verheerende an: der lustige Jörg, ein Pumpsfetischist!!??
Gaby wandte sich mehr als entsetzt ab und suchte ihr Heil und Vergessen in einer rasenden Karussellfahrt. Bereits distanziert vom lustigen Jörg, dem Schuhfetischisten, kuschelte sie mit dem schicken Matthias, dessen Ausstrahlung nicht nur einem Staubsaugervertreter, sondern einem antiken Staubsaugerbeutel alle Ehre machte.

Im Schwarzwald spielte sich – unbemerkt von allen – ein herzzerreißendes Drama ab. Die dominante Elli, deren bronchial-enervierendes Lachen schalltechnisch und visuell enorm verstärkt wurde durch ihre 54 Zähne mit einer Gesamtfläche von fünf Quadratmetern, zwang Frührentner Guido und Schweinebauer Arnold zum Spargelschälen.
Arnold brachte in einer imponieren Rechnung alle seine Vorteile auf den Tisch:
„Tiere. Plus Landwirtschaft. Gleich Vorteile.“ Außerdem wies er eloquent darauf hin: „Ich kann nicht nur mit Schweinen umgehen, sondern auch mit Frauen.“
Ja, ist klar, dachte ich. Als gäbe es da auch große Unterschiede.

Arnold traf indes heimlich eine folgenschwere Entscheidung. Mit einer finalen Sms an seinen erklärten Liebling, das Wollschwein Angela: „It’s over, Schweinchen Babe!“ stieß er sie von seinem Thron als Erstfrau und ebnete den Weg für seine Herzensdame Elli, ließ aber damit irgendwo in Norddeutschland ein völlig gebrochenes Wollschwein zurück.

Die herz- und nervenzerreißende Folge endete in einer Kaskade von Cliffhangern und schürte im treuen Zuschauer ein emotionales Fragenchaos aus Weinen, Hilflosigkeit und Spannung, das nur in der nächste Folge aufgelöst werden kann:
- Ist der Schnurrbart von Matthias, dem Teetrinker vielleicht mit Kajalstift aufgemalt?
- Ist Heinrich eventuell ein Serienmörder?
- Steht Jörg auch auf Frauenkleider und wird vom schicken Matthias inflagranti in Gabys Bikini erwischt?
- Wie geht Angela damit um, dass Arnold mit ihr Schluss gemacht hat?
- Hat Elli vielleicht sogar Angelas Rache zu befürchten?

Leider ist nach der Sendung mein Fernseher in Flammen aufgegangen und die Geschäfte hier sind wegen Karneval alle geschlossen. Auf Monate. So dass ich leider, leider eine weitere Fortsetzung der Fernsehkritik nicht garantieren kann.
Außerdem wollte ich sowieso auswandern. Aber nur in ein Land, das nicht an RTL ausliefert.

Ihre Anna Nuehm

Erfreulicherweise wurde gestern abend die schöne Sendung „Papa gesucht“ fortgesetzt und da ich großmäulig im Dienste für den treuen Leser eine Fortsetzung angekündigt hatte, zog ich mir den Stuss bis zum bitteren Ende rein widmete ich mich erneut dieser liebevollen Sendung. Wegen plötzlicher und sehr dringender Termine meinerseits bleibt eine weitere Fortsetzung leider ungewiss.

Die „fröhliche Niedersächsin Carmen“ lud „Rentenberater Rainer“ und „Privatchauffeur Heinrich“ zu einem Frühstück in die zweite Runde ein. Offensichtlich war Heinrich von einem Modeteam hinsichtlich seiner Ausstattung beraten worden. Mit einem Lederwestchen in Mad Max-Optik vollzog er eine verblüffende stilistische Kehrtwende und brachte das Motiv des bösen, bösen Buben ins Spiel. Leider konnte er damit die ihn umwehende Aura eines kühlen Bestatters nicht gänzlich zerstören, sondern nur halb. „Rentenberater Rainer“, zudem „stolzer Spülmaschinenbesitzer“, setzte auf Hausfrauentugenden und spülte zwar widerwillig, aber insgesamt profihaft ab. „Heinrich, 54“, wurde indes mit einem Untertitel als „war noch nie verheiratet“ geoutet. Eine im Gesamtzusammenhang sehr traurige, wenngleich nicht sonderlich überraschende Tatsache.

Unter den Klängen von „The Last Uniquehorn“ wurde als Neuzugang das „fröhliche Schwarzwaldmädel Elli“ vorgestellt. Sie wählte aus zwei Millionen von Bewerbern den „nervösen Schweinebauer Arnold“ und „Guido aus Grevenbroich“ aus, den sie neckisch als „besonderes Leckerli“ bezeichnete. Zum ersten Date verkleidete sich Elli mit einer mittelalterlichen Schwarzwaldtracht und türmte sich die Haare meterhoch auf. Imponierend, wie man innerhalb weniger Sekunden um 50 Jahre altern und zudem Freunde von Grimms Märchen ansprechen kann: jedes Rotkäppchen hätte seine wahre Freude an ihr gehabt. Der „nervöse Schweinebauer Arnold“ zuckte – tapfer wie ein Schneiderlein – auch nur kurz zusammen und umarmte Elli in einem Anfall aus Nekrophilie, Todesmut und Verzweiflung. Galant wie tausend Russen hatte Arnold Elli nicht nur ein süßes Stoffschwein mitgebracht, sondern auch eine Patenschaftsurkunde für eines seiner Schweine, ein echtes Wollschwein mit Haaren, was zwar ein bisschen krank und wie eine Genmutation aussah, aber insgesamt doch einen recht sympathischen Eindruck machte. Elli war total begeistert, auch wenn sie dieses komische Flokatischwein nie kennen lernen, nie seine Pfote halten und auch nie an einem seiner zahlreichen Schnitzel knabbern würde. Denn die Geste zählt ja.
„Guido aus Grevenbroich“ kam fatalerweise zu spät und war sogleich entsetzt von der innigen Zweisamkeit zwischen dem „nervösen Schweinebauern Arnold“ und dem „Schwarzwaldmädel Elli“, zeigte sich aber umso begeisterter von ihrem Lachen, das ich persönlich als asthmatisch-bronchial mit Tendenz zur Hysterie eingeschätzt hatte, aber so sind die Geschmäcker eben verschieden.

Die „liebevolle Hobbytänzerin Sabine“, das kleine Schlimmchen, zeigte sich indes nicht untätig und hatte dem „Teetrinker Matthias“ eines ihrer Lieblingsgetränke gebraut. Aufmerksame Leser werden es vielleicht erraten: Es war ein Tee. Aber nicht irgendeiner, sondern ein „Grüntee mit Kornblumen und Sonnenblumenblüten“, ein in Insiderkreisen bekanntes hocherregendes Aphrodisiakum, gleichzeitig weltweit Nummer eins auf der Dopingliste und zudem das geheime Lieblingsgetränk von Lance Armstrong. Dementsprechend entgleisten dann auch die Protagonisten, stürzten sich von einer Spielplatzrutsche und hatten verbale Ausfälle wie „erst wenn mein Sohn den Matthias in sein Herz *schmacht* schließt, dann kann auch ich mein Herz *schmachtschmalz* öffnen *sabber* und dieser frischen Liebe *trief* eine Chance geben *hallelujah*.“

Derweil kam es verstörenderweise bei der „fröhlichen Hausfrau Gaby“ zu einem Eklat. Nicht nur, dass der „gutaussehende Matthias“ die Geschenke für Gabys Kinder vergessen und nur dem amöbengroßen Schoßhund Gabys Leckerli mitgebracht hatte, nein, er startete zu einem Großangriff auf seinen Rivalen, den „lustigen Jörg“.
Auf die Frage, welche Sportart sie betreiben würden, antwortete Matthias spießermäßig mit „ein bisschen Fahrrad, Spazieren und Bowling“, die Antwort des lustigen Jörgs „isch mach Fitnesscenter“ verlachte Matthias sogleich affektiert, aufreizend, provozierend und ziemlich schäbig. Prompt kam es bei Jörg zu einem Adrenalineinschuss erster Güte, vielleicht waren auch ein paar Steroide dabei, und er stellte klar: „Hey, wat soll denn dat? Willze damit sagen, dass Boddibülder doof sinn, oda wie? Hallo, wir hamm auch alle viel im Hirn. Also da könnt isch misch fast ärgern, ima diese Vorurteile. Oh nee, isch rast gleich aus! Boah. Boaaaaah!“
Die „fröhliche Hausfrau Gaby“, die mit einem selbstgekochten Leipziger Allerlei eindrucksvoll ihre Hausfrauenqualitäten demonstriert hatte, konnte die prekäre Situation mit liebevoll auf Tellern drapierten Schokoküssen retten, entschloss sich aber trotzdem mit beiden nach St. Peter Ording zu fahren, um unter verschärften Bedingungen die nächste Testrunde einzuläuten.

Man darf also gespannt sein, wie es weitergeht. Ich weiß allerdings nicht, ob ich mir diesen Schwachsinn noch ein weiteres Mal antun werde weitere Frontberichte Rezensionen senden kann, da ich gestern Abend aus ungeklärten Gründen einen schweren IQ-Abfall von 50 Punkten erlitt und somit nun endgültig im Minusbereich angelangt bin.

Ihre Anna Nuehm

Erfreulicherweise hat RTL seine Deppen- und „Hilfe, ich suche verzweifelt einen Partner, egal wie er aussieht, wie lang seine Zehennägel sind, dass er nur einmal im Jahr ne frische Unterbuxe anzieht und überhaupt“-Sendung „Bauer sucht Frau“ nun auf den Sektor alleinerziehende Singlefrauen ausgedehnt und diese ganz neckisch „Papa gesucht!“ genannt.
Eine schöne, eine erbauliche und auch eine sehr lustige Sendung, die ich jedem Leser nur ans Herz legen kann, da sie vor Wortwitz, Wortschalk und überströmender Wortfantasie nur so wimmelt.
Irgendein kleiner Schelm kam wohl auf die Idee, alle teilnehmenden Personen mit sich ständig wiederholenden, zudem durch Esprit und Wortspielerei nur so kreischenden Bezeichnungen zu versehen. Dabei schneiden gerade die männersuchenden Frauen überdurchschnittlich gut ab. So stehen im Mittelpunkt des männlichen Interesses „die treue Niedersächsin Carmen“, „die fröhliche Hausfrau Gaby“, und last but not least, kaum zu glauben, aber wahr: „die liebevolle Hobbytänzerin Sabine“.
Zuerst dachte ich ja, ich hätte mich verhört. Und allein, um festzustellen, dass „die liebevolle Hobbytänzerin Sabine“ ca. 50 Mal so genannt wurde, musste ich die Sendung bis zum Ende anschauen. Was als neue Foltermethode anerkannt werden sollte.
Ich fragte mich sogleich, wie bescheuert man sein muss, dass man sich so etwas ausdenkt, wie tanzt man liebevoll? Kann man auch lieblos tanzen? Oder gar verächtlich? Oder grausam? Ja, grausam, das geht. Das hab ich schon öfter gesehen. Aber liebevoll? Ob sie dabei den Boden nur ganz leicht berührt oder streichelt? Wie eine Elfe?
Gibt es auch brutale Hobbytänzerinnen? Oder gar gefühlskalte? Wie würden Männer z.B. auf die Bezeichnung „die lieblos-brutale Hobbytänzerin Sabine“ reagieren? So sinnierte ich tiefgründig vor mich hin.
In der Sendung wurden der „liebevollen Hobbytänzerin Sabine“ ein kleines verhuschtes Männchen aka „Kaffeetrinker Siegfried“, dössen leuscht söchsischer Diolökt mit schönen Underdiddeln vörsöhen worde, und der „ebenfalls tanzende Teetrinker Matthias“ als Gammelfleisch willige Bewerber zugeführt. Die gar nicht mehr so „liebevolle Hobbytänzerin Sabine“, eine strenge Teetrinkerin, nahm den armen „Kaffeetrinker Siegfried“ flugs in ein stasiähnliches Verhör: „Was??? Du trinkst Kaffee?????“
„Kaffeetrinker Siegfried“ zerbröselte angesichts der Aussichtslosigkeit dieser Situation zu Kaffeesatz, murmelte ein leises „Öh, öh, ösch broch halt nen Goffee in der Fröh“ und starrte von da an nur noch leblos und mumienhaft in seinen Kaffee, diesen verhängnisvollen Hexentrank.
Der „ebenfalls tanzende Teetrinker Matthias“ konnte da auftrumpfen und schüttete sich demonstrativ literweise Kamillentee in seinen bereits gelblich verfärbten Schlund, wohlgefällig betrachtet von der „liebevollen Hobbytänzerin Sabine“.
Der „Kaffeetrinker und Rosenkavalier Siegfried“ versuchte noch mit einer eigens mitgebrachten Marmorskulptur eines nackten Liebespärchens das Steuer herumzureißen, wurde aber von der „liebevollen Hobbytänzerin Sabine“ mit einem vernichtenden „Was hast du dir dabei bloß gedacht?“ abgestraft und auch sein gestottertes „Öh, öh, öh“ konnte ihn da nicht mehr retten. Zudem kredenzte der “Teetrinker Matthias“ eine selbsthergestellte Holzscheibe, in die er äußerst künstlerisch den Namen der „liebevollen Hobbytänzerin Sabine“ eingraviert hatte. Mittels derer versetzte er dann auch dem „Rosenkavalier und Kaffeetrinker Siegfried“ den finalen Todesstoß:
„Hah, ich hab mir ganz schön Mühe gegeben und“ – Kunstpause, untermalt mit verächtlichem Lippenschürzen – „etwas Selbstgemachtes ist ja schon etwas anderes als“ – Anlauf zum Todesstoß und etwas Tee hinunterschluckend „etwas Gekauftes“. Diese Meinung teilte dann auch „die liebevolle Hobbytänzerin Sabine“, die den „Kaffeetrinker Siegfried“ mit einem tiefgekühlten Händedruck nachhause, ölsö noch Söchsn, schickte.
Die „treue Niedersächsin Carmen“ verlegte ihr erstes Date auf eine Kegelbahn der 70er Jahre, wo ihre Bewerber um den Posten des neuen Papas, „Rentenberater Rainer“ und „Anzugträger Heinrich“, sehr aufgemotzt erschienen. Das sehr aufgestylte Aussehen Heinrichs beschied Carmen mit einem kritischen, wenn auch leicht ambivalenten „also ich finde ja, Heinrich ist ab-so-lut overdressed für ne Kegelbahn und das geht ja gar nicht, aber ich freue mich ja auch, dass er sich für mich schick gemacht hat“.
„Anzugträger und Privatchauffeur Heinrich“ konnte mit sonorer Stimme, Reikimassagen und vielen Zähnen punkten, während „Rentenberater Rainers“ Felle alsbald in der Kegelrinne dahinschwanden, wie seine – fast schon symbolhaft – stümperhaft hingeschleuderte Kugel. Sein flehendes und verzweifeltes „ich bin ja schon seit 14 Jahren Single!“ verhallte dann auch ungehört in den treuen Ohren der „treuen Niedersächsin Carmen“ und prallte am Astralkörper des „Anzugträgers und Privatchauffeurs Heinrich“ mehr als gleichgültig ab.
„Die fröhliche Hausfrau Gaby“, deren nappalederne Gesichtshaut im spätwinnetouischen Indianerbronzeton auf ihr Hobby „ausgedehnte Solariumsexzesse von 12 bis Mitternacht und wieder zurück“ schließen ließ, hatte ich ganz kurz mit ihrer ebenso verbrutzelten Mutter verwechselt. Anscheinend eine genetisch bedingte Solariumspräferenz. Das schicke Outfit der „fröhlichen Hausfrau“ – weiße Stiefelchen, kurze weiße Hose und eine meterhoch aufgetürmte Amy Winehouse-Gedächtnisfrisur in blond – ließ dann aber keine Zweifel mehr offen: jede halbwegs vernünftige 65 Jährige würde modetechnisch niemals so entgleisen, es konnte darum nur die Tochter und nicht die Mutter sein.
Die „fröhliche Hausfrau Gaby“ verbrachte einen lauschigen Abend mit dem „lustigen Jörg“, der sich in eine geschmackvolle Bundeswehrhose mit Tarnmuster gehüllt hatte und dem „gutaussehenden Matthias“, seines Zeichens gutaussehend, ansonsten ziemlich nutzlos. Der „gutaussehende Matthias“, nicht identisch mit dem „Teetrinker Matthias“, war ganz hin und weg von der „fröhlichen Hausfrau Gaby“ und auch sie fand, er wäre „der Hammer und wow“, und er wäre ja auch „so schön gebräunt“.
Als der „lustige Jörg“ mit triumphierender Miene, wie eine fehlende Trumpfkarte beim Pokern eine überdimensionale Diddlmaus aus seinem Ärmel zog – ich dachte, die wären schon lange ausgestorben? – und Gaby überreichte, entglitten dem „gutaussehenden Matthias“ sämtliche Gesichtszüge und er erbleichte. Die „fröhliche Hausfrau Gaby“ küsste den „lustigen Jörg“ fröhlich, zog aber ein sehr nachdenkliches Fazit:
„Hmmm, mit dem Jörg kann man bestimmt viel Spaß haben, aber der Matthias sieht einfach besser aus.“

Ein fast schon philosophisches Fazit, dessen tief darin verborgenes Dilemma weltweit wohl jede Frau schon mindestens einmal ins Grübeln gebracht hat.
Ich hoffe sehr, die Fortsetzung verläuft ähnlich schrottig anheimelnd wie der Beginn und werde dann natürlich über die weiteren Schicksale berichten.
Ihre Nuehm, liebevolle Hobbyfernsehreporterin

Liabs Tagebuch,

liaber Gott, hallo Welt, jo mei.
Heut’ ist amol wieder a ganz a wunderschöner Tag in meinem Schloss Palast äh, meinem bescheidenen Domizil.
Die Sonne ging früh am Morgen auf und schien so schön auf den Vorgarten Petersplatz, es war eine helle Froid, hallelujah. I hoab gerad meine Gümnastik gemocht und gefrühstückt hoab i auch schon. A bayrische Brotzeit mit Leberkäs und oa Brezeln, wie sich das g’hört. Bald werd i mol ins Internet gehen und ein bisschen mit den Kardinälen schätten.
Gestern gabs a bisserl eine Aufregung, weil i den Dingens, äh den Dingsda zum äh, glaub mal Bischof gemocht hab. Nur weil der mal erzählt hat, er wär sich net so sicher mit dem ganzen Verfolgungszeugs da von die, äh, weiss i gerad net.
Keine Ahnung, warum die sich alles so aufregn. I hoab den bloß gewählt, weil der mir so voll sümbaddisch ist und beim Golfen immer meine Schläger trägt. Da hab i sogar ein Brieferl von der Äntschi bekommen, jo mei. So a Stress.
Also wenn di mi alle weiter so nerven, dann loss i die all exkommunizieren! Und mit alle, mein i auch alle, Sakra! Da können sie dann gucken, wo sie dann ihre Sonntage verbringen. Und an Weihnachten kommt mir dann keiner mehr in die Messen rein. Alles Saupreißen!
I versteh das alles net. I mein das alles nur gut und da meckern sie alle nur rum, ja, Kruzifix noch mal! Die sind auch oalle so streng und sauertöpfisch, ja, haben die oalle sonst nix zu tun??
Und warum sind die oalle so blöd zu mir? Warum? I bin ja auch nur ein Mensch, Sakradi! Ach, nein. I bin ja gar kein Mensch. Stimmt. Dös hoab i gerade vergessen. Behalts das bloß für dich, liabs Tagebuch, sonst sind wir keine Freunde mehr!
Aber is doch wahr. Da soll man sich mal net aufregen. Der Johannes, der oalte Haudegen, der hat die letzten 20 Joahr net mehr gewusst, was er gemacht hat. Und bei mir regen sich alle auf, nur wenn i einmal ein bisserl Scheiß baue. Hallelujahsakradi!
I racker mi hier ab, fahr dauernd in der Weltgeschichten rum, hab nen Weihwasserverbrauch von 100 Liter pro Stunde und dös ist der Dank dafür. Undankbares Gesindel, sog i! Ja, servus!
I hoab letztens noch in nem schönen oalten Geschichtsbuch gelesen, dass es früher mal so was wie die Inquisition und so schöne volkstümliche Bräuche wie die Hexenverbrennung gab. Das waren mal Zeiten, ja Herrschaftszeiten.
Wer hat die überhaupt abgeschafft??? So a schöne oalte Tradition und pfundige Idee. Wenn i rausbekomm, wer das war, den lass i dann posthum noch auf den Scheiterhaufen stellen.
Jo mei, so a Schand. Dös ärgert mi jetzt grad ziemlich, das wär jetzt mal was Nützliches gewesen und da gehens hin und schaffen das ab. Ja, pfüat di!
I muss gleich mal dem Kardinal Dingens ein Maillerl schreiben, dass der mal schaut, wie man das unauffällig wieder einführen könnt. So, dass das aber goarkeiner merkt. Hihi.
Ja, dös ist eine gute Idee. I find grad, dass das ziemlich genial von mir ist. Immer wenn i den asiatischen Frühsport mach, den wo mir der Dalai beigebracht hat, der oalte Fuchs, hoab i immer voll den Brainstormer.
Also, i fass dann mal zsammmen:
Platzerl eins auf meiner tuh-duh-Liste: Inquisition.
Platzerl zwei: Die Erde ist ne Scheibe.
Platzerl drei: Mein Handycäpp wird per Dogma auf 11 festgelegt.

Den Rest muss i mir noch überlegen.
So, auffi geht’s, liabs Tagebuch! Pack mers!
Dein Ratzi

Edi

Edi, der Seeblogger, der Neobazi, der Blogpapst der Herzen, ist tot.
Ich hab ihn leider nie persönlich kennengelernt.
Das bedauere ich sehr.

Sein Wirken hier im Netz, sein grandioser „Club der halbtoten Dichter“, seine tollen Reiseerfahrungen, wunderschön und oft sehr berührend. Sein trockener Humor, seine unnachahmliche Art zu schreiben. Jung im Kopf und für alles zu haben. Ganz viel Güte, ein riesengroßes Herz. Vertrauen in andere, auch in Fremde, wie mich. „Vertrauen ist das Grundwasser des Herzens“, nannte er das.

An all das denke ich.
Lebwohl Edi, ich werd dich vermissen.
Danke für alles.

 

 

dachte ich soeben, als ich in meinen sträflich vernachlässigten und hochgradig verschluderten Blog schaute.
Und das Blöde ist: Schuld daran bin ganz allein ich!
Wenn hier einer nichts schreibt, dann ich! Ja, so ein Mist.

Ich hab aber total gute Ausreden für mein Nichtschreiben, wenigstens das:
- Wegen meiner schwerwiegenden Verkehrsvergehen – Eindellen eines Nummernschildes und von mir selbst unbemerkter, somit total geheimer und überstürzter Flucht nach sieben Stunden des Parkens – werde ich mittlerweile von Interpol, der Stasi und dem Mossad gejagt. Weltweit wurden diverse Sonderkommissionen, wie „Nuehms brutale Massenkarambolage“, „Nuehms menschenverachtende Sachbeschädigung im Zehn Euro-Bereich“ und „Nuehms ekelerregende Sadismusautofahrerei“ gegründet.
- Ich muss den ganzen Tag bescheuerte Protokolle ausfüllen, haarklein und minutiös beschreiben, was ich getan habe, wie z.B. „ich parkte ein und ging dann einkaufen“, so dass ich mir schon vorkomme wie eine Mischung aus Horatio aus „CSI“, Dr. House aus „Dr. House“ und Mr. Hyde aus „Dr. Jeyckyll und Mr. Hyde“.
- Manchmal bin ich über die Ruchlosigkeit dieser Schandtat – Eindellen eines kostbaren Nummernschildes aus antikem Elfenbein, gesponnenem Gold und gewirkten Platinfäden, besetzt mit Diamanten aus Sierra Leone – so entsetzt, dass ich so richtig einen teuflischen Hass auf diesen schändlichen Verbrecher bekomme, diesen Schildermörder, diesen Zerstörberserker, diesen Abschaum an Verkehrszucht und Ordnung, dass ich diesen am Liebsten teeren, federn und aufhängen wollte, bis mir dann einfällt: Huch, das bin ja ich!
- Das lass ich dann natürlich.
- Aber ich rutsche dann auf Knien zur nächstbesten Kirche und bete 197 Rosenkränze, 93 Ave Marias und tanze eine Volta wie Heinrich der VIII. So fing es bei dem auch an!
- Vor lauter Lesen, Schreiben und Beten habe ich Augen. Ja, ich habe Augen! Also nicht so, dass ich nur Augen hätte, wie jeder Mensch, sondern dergestalt, dass ich es AN den Augen habe. Es geht so in Richtung blutende Augen! Na okay, sie tränen halt ein wenig. So hier und da. Aber manchmal fühlt es sich fast so an, als würden sie demnächst noch bluten! Vermutlich ist es eine Strafe Gottes für meine Vergehen. Kann aber auch ein Wunder sein und demnächst kommt der Papst vorbei. Das muss ich erst mal abwarten.
- Verursacht durch das mir vorgeworfene Einparkverbrechen, habe ich eine tiefgreifende seelische Erschütterung erlittten, die mit einem vollständigen Verlust meiner überragenden, herrlichen und welteinzigen Frauen-Rückwärtseinparkkompetenz einhergeht.
Auf deutsch: Ich kann nicht mehr einparken. Weder vorwärts noch rückwärts. Auch nicht seitwärts. Überhaupt nicht mehr! Wo ich vorher in eleganten Wellenbewegungen, geometrischen Figuren oder mathematischen Formen lässig, nonchalant und ziemlich zügig in jede noch so winzige Parklücke glitt, wie eine kleine Ölsardine in die Büchse, so schlingere ich jetzt schwerfällig, bräsig und rumpelig wie Jogi Löws Nationalelf gegen Italien. Oder wie die Titanic gegen den Eisberg. Der konnte ja auch wegrudern, wie er wollte, sie hat ihn trotzdem erwischt.
Und das mir, der Einparkkönigin von Aachen, deren Motto lautete „Es gibt keinen zu kleinen Parkplatz, nur zu lange Autos“. Es ist ein Trauerspiel!
Ich muss manchmal mehrere Kilometer Anlauf nehmen und passe dann mit meinem kleinen 3 m langen Flitzer immer noch nicht in die 2,90 m Parklücke. Früher wäre mir das nie passiert. So zaghaft, angenagt und verklagt angepisst zweifelnd bezüglich meines fahrerischen Könnens.
- Diese Umwege kosten natürlich unheimlich viel Zeit.
- Geständnis: Manchmal, aber nur ganz manchmal, fahre ich mit dem Bus.
- Und als Krönung, wenn man denn wirklich polizeitechnisch am Boden liegt und alle, die Polizei, der Anwalt, die Versicherung, die Müllmänner, der Unfallgegner usw. hohnlachend auf einen eintreten und sich mit dem Zehn Euro-Scheck wahrscheinlich auf meine Kosten ein Leben in Saus und Braus ermöglichen können, alle zusammen, denn die stecken ja alle unter einer Decke, dann bekommt man noch einen Brief vom Finanzamt.
- Die schreiben dann wirklich, in einer Mischung aus schäbigem Sadismus, bluttriefender Inquisition, schändlicher Tierquälerei, hohnlachender Schizophrenie, finsterstem Exorzismus und psychopathischstem Tagebuch von Heinrich dem VIII.:
„Mit freundlichen Grüßen, Ihr Finanzamt.“
Und da bleibt selbst mir die Spucke weg!

Sozusagen der Rolls Royce. Oder der Mercedes. Vielleicht aber auch der Mitsubishi? Auf jeden Fall königlich.

Der Januar beginnt majestätisch, feierlich, erhaben.
Man steht feierlich auf. Macht Dinge zum ersten Mal im neuen Jahr. Geht feierlich einkaufen, wäscht sich feierlich das alte Haar aus 2008. Eine heilige Handlung. Sinnlose und gescheiterte Friseurbesuche ziehen am inneren Auge vorbei. Man lächelt gütig und verzeiht.
Man macht neckische Späßchen, wie „hab dich ja letztes Mal letztes Jahr gesehen!“ und schüttet sich aus vor Lachen. Aber würdevoll. Und feierlich. Natürlich.
Dann die Vorsätze. Hochhaushimmelhoch. Ich werde abnehmen, ich werde endlich meine Doktorarbeit-Hausarbeit-Liebesbrief-Einkaufszettel-Steuererklärung-Finanzamtselbstanzeige schreiben und immer gut überlegen, bevor ich etwas tue. Immer. Ich werde keine Fahrerflucht begehen, wenn ich mit meiner Anhängerkupplung anderer Leute Porsche Boxster-wertvolle Kennzeichen eindelle. Ich werde immer einen Parkschein ziehen. Oder zumindest schauen, ob ich Kleingeld in der Tasche habe. Ich werde immer pünktlich und höflich sein und zum elenden Langweiler mutieren besseren Menschen werden. Ich werde nicht fluchen, nicht meckern, immer nett sein, immer höflich sowieso. Gähn. Sodass sie mir aus dem Kloster meiner Wahl eine Absage schicken: „Bleiben Sie bloß weg hier, aus diesem Sündenpfuhl. Sie sind zu gut für uns! Sie.. Sie.. Sie Heilige!“ Und der Dalai Lama schreibt mir persönlich und bittet mich innig um ein kleines Autogramm. Das will er dem Papst schenken. Zum Geburtstag.
Ich werde mich nur noch gesund ernähren, nur noch frischen Fisch essen, nein, bloß keine toten Tiere! Okay, dann esse ich eben nur Körner, aber wenn dann all die armen Vögel verhungern? Okay, ich esse dann eben nur noch Gras. Selbstausgerupftes. Ein paar Halme pro Tag. So drei oder vier. Und trinken tue ich morgens und abends einen Schluck Wasser. Und sonntags nichts. Sonntags atme ich auch weniger als sonst, finde zu mir selbst und gehe mit meinem inneren Kind zwei Stunden lang spazieren oder auf den Spielplatz.
Und dann fällt am vierten Januar so viel Schnee und macht alle guten Vorsätze zunichte! Von Grasessen muss man dann doch umschwenken – auch wenn es höllisch schwer fällt – auf eine Scheibe Brot. Oder zwei. Was bleibt einem auch sonst übrig? Der Boden ist knallhart gefroren! Und immer nur Schnee essen geht auch an die Substanz.
Dann eben Brot und Käse. Ein bisschen Schokolade, Pralinen, Kuchen, Obst, Nudeln, Gummibärchen, Wurst und Fleisch und wer sagt denn, das Fleisch immer von Tieren stammen muss?! Es gibt bestimmt auch nette Pflanzen, die wie Fleisch schmecken, oder?!
Böah und am Ende des Monats ist man dann moralisch total verkommen, stiehlt anderen Menschen die Parkplätze vor der Nase weg, lacht höhnisch und psychopathisch und rammt mit voller Absicht ein ganzes Parkhaus! Der Papst ruft an und zerreißt mit einem lauten „Kkkkkkkkkkrrrrrtttschzzzzzzzztt“ mein Foto, das Kloster ruft auch an und sagt: „Kommen Sie un-ver-züg-lich hierhin, sonst sind Sie verloren!“ Der Dalai Lama ruft überhaupt nicht mehr an und jedes Mal, wenn es nicht klingelt, weiß man, dass er das ist. Ja, und man stiehlt sogar anderer Leute Witze! Und wenn man dann schamgebeugt und zitternd wie ein Junkie zu McDonalds geht – wo soll man auch sonst hin, in seiner Not, wenn man sich komplett auf nahrungslose Kost umgestellt hat, dann hat man auch nichts eingekauft! Nicht mal ne Dose Ravioli. Man hat ja nichts mehr! Nichts! – begrüßen sie einen mit Handschlag und sagen: „Nuehm, wo hast du bloß so lange gesteckt? Das Übliche?!“
Und leise flüstere ich: „Ich hätt’ aber gern ein paar Grashalme auf meinen Doppelmäcwhopperchickendeluxemoeppelboppeldiwuppelburger.“
Und die lachen dann nur schäbig und legen ein kleines, schmutziges, chemieverseuchtes Salatblatt so quer über diesen Riesenfleischberg und in den Schwaden des dampfenden Burgers ziehen alle deine edlen, guten und moralisch einwandfreien Vorsätze wie sich verflüchtigende, nichtige, kleine, unwichtige, graue und schon vergessene Rauchschwaden dahin.
Dahin. Dahin.
Dahin.

Und weißt du was? Das ist der beste Moment im ganzen Januar!

Alle sitzen am festlich gedeckten Tisch. Anna trägt eine Hausmädchenuniform wie Rose in „Das Haus am Eaton Place“ und kredenzt anmutig Speisen und Getränke.

Rindfleischsuppe. Urpils.
Opa Nuehm: „Liebe Familie. Lasset uns beten..“
Onkel Pit: „Falscher Text, Opa.“
Opa Nuehm: „Ach, jo, stimmt. Liebe Familie, lasset uns feiern! Dat Jahr is vorbei, Gottseidank. Und dat Liesel war erst zu dünn, dann war et wieder dick, aber dat macht nix. Dat Anna hat immer noch kein Mann, aber et sagt ja, dat wär gut so..“
Onkel Herbert: „Dem Müller sein Nikla hat aber gestern schon fünf Mol angeruf!“
Onkel Pit: „Hör uff mit dem Nikla! Der is doch schon scheintot!“
Tante Thea: „Unn lebt mit 49 immer noch bei seiner Mutter!“
Tante Liesel: „Aber er geht drei mol die Woch in die Kirch.“
Onkel Pit: „Dat is aber mal ne Verschwendung, der hat doch eh nix zu beichten!“
Anna: „Skol!“

Fischteller. Weißwein.
Opa Nuehm: „Wenn ich so überleg, dann war für mich dat Jahreshighlight, als ich beim Everest Poker meine Rente erst komplett verloren und dann alles wieder zurückgewonnen hab. Dat war schlimmer und schöner als die gesamte Finanzkrise.“
Tante Liesel: „Wat denn für ne Finanzkrise?“
Onkel Pit: „Oh Mann, Liesel! Les mol ne anstännische Zeitung und net nur das Goldene Blatt!“
Tante Thea: „Wenn dat Liesel die überhaupt mol liest, dat guckt doch eh nur die Bildcher an!“
Tante Liesel: „Ich bin halt ne Fän von dem Fabian Silberzwiebel!“
Onkel Herbert: „Ich lass misch scheiden 2009. Dat is mein einziger Vorsatz.“
Opa Nuehm: „Hier wird sich net scheiden gelass! Bis dass der Tod euch scheidet, steht in der Bibel!“
Onkel Herbert: „Okay, dann eben so! Erpressen lass ich mich net!“
Tante Thea: „Ich glaub, dat Liesel will 2009 mol so richtig abnehmen.“
Tante Liesel: „Ei, ich hann ja 2008 schon abgenomm. Aber über Weihnachten hab ich alles wieder zugenomm und da war die 9 wieder weg.“
Onkel Herbert: „Wie die 9???“
Onkel Pit: „Wat denn für ne 9?“
Anna: „Skol!“

Rinderbraten, Klöße und Rotkohl. Rotwein.
Tante Liesel: „Für mich war dat Heileitz, wo der Yoghurt Löw immer so säcksi auf der Trainingsbank gesess hat. Also von mir aus könnt jedes Jahr Europameisterschaft sein.“
Onkel Herbert: „Oh, Liesel, hör uff! Der Löw hätte besser mol rischtisch trainiert als immer nur in Armada und Prani da rumzusitzen. Dann hätten sie auch gewonn!“
Tante Liesel: „Wie, wir hann net gewonn, hann wir denn jetzt verloren oder wie?“
Opa Nuehm: „LIESEL!“
Onkel Pit: „Ei sischer hann mir verloren!“
Tante Thea: „Ei und wie!“
Onkel Herbert: „Ei frach net!“
Opa Nuehm: „Eine Blamasche war dat. Aber hoch zehn!!!“
Tante Liesel: „Mein Gott! Jetzt is mein Stimmung aber im Eimer. Dat hätt ihr jetzt net so brutal sagen müssen!“
Anna: „SKOL!!“

Schweinebraten, Gemüseplatte, Kartoffeln. Weißwein, Rotwein, Schaumwein.
Onkel Herbert: „Und für mich war dat Jahresheitzleit, als ich beim Urlaub in den Schweizer Alpen dat Liesel verlor hab und erst nach vierzehn Tagen wieder gefunden. Diese Ruhe, diese Stille. Herrlich.“
Onkel Pit: „Vierzehn Tag? Liesel, wo warscht du denn die ganze Zeit?“
Tante Liesel: „Ich war auf der Alm, bei dem Urs.“
Opa Nuehm: „Wat denn für ne Urs?“
Tante Liesel: „Ei, der Alm-Öhi, der hieß so.“
Tante Thea: „Jo, der schreibt dem Liesel jo heut noch Postkarten..“
Onkel Herbert: „Und mir hast du gesagt, du wärst in ner Gletscherspalte gewesen!“
Opa Nuehm: „Unn wat habt ihr denn die ganze Zeit da gemacht?“
Tante Liesel: „Ei, mir hann gemolken. Den ganzen Tag.“
Onkel Pit: „Wat?“
Tante Thea: „Wie?“
Onkel Herbert: „….!“
Opa Nuehm: „Liesel, Vieraugengespräch! Nach dem Nachtessen! Aber zackisch!“
Tante Liesel: „Skol.“
Anna: „Skol.“

Hirschbraten, Rehkeule, Pommes, Blumenkohl. Weißwein, Rotwein, Schaumwein, Urpils, Likör, Schnaps.
Tante Thea: „Für mich war dat Jahresheileicht, als ich dat Liesel bei den Wätz Wöchters erwischt hann. Nee, als et wieder alles zugenommen hat, wat es vorher abgenommen hat. Ach nee, als ich mein Doktortitel von der Fernuniversität bekomm hann.“
Onkel Pit: „Also so ne Sensation is dat ja net, Thea.“
Tante Thea: „Wie, mit dem Doktortitel? Oder mit dem Liesel seiner Abnehmerei?“
Onkel Herbert: „Dat ja sowieso net. Hier hann doch alle Doktortitel. Sogar dat Liesel.“
Tante Liesel: „Was soll das „sogar“ denn jetzt heißen? Möchtest du damit etwas implizieren?“
Onkel Pit: „Au weia, dat Liesel schwätzt hochdeutsch.“
Opa Nuehm: „Thea, du hascht doch schon sieben Doktortitel. Meinschte net, dat müsste mal langsam reichen? Dat kann ne Sucht werden, ich sach’s dir. Pass bloß uff, dann geht dir dat genauso wie mir mit dem Everest Poker!“
Tante Liesel: „Oder wie mir mit dem Goldene Blatt…“
Onkel Pit: „Oder wie mir mit dem Traktorkaufen…“
Onkel Herbert: „Oder wie dem Müller sein Nikla mit dem Anna….“
Anna: „SKOL.“

Eisbombe, Eiswein, Eislikör.
Onkel Pit: „Und für mich war dat Jahresheileinkt, als ich beim Mofarennen gewonnen hab und alle geschlagen hab, sogar dem Müller sein Nikla.“
Tante Thea: „Ei jo, Pit, du hast ja auch ein bissi geschummelt.“
Onkel Pit: „Wie geschummelt?“
Onkel Herbert: „Mann, dat weiß doch jeder, dass du ne Porschemotor in dat Ding eingebaut hast. Dat zählt jetzt net.“
Onkel Pit: „Okay, dann eben, als ich mit dem Meier sein Helga ins Kino gefahren bin und die haben extra für zwei Leute aufgemacht und sogar die Heizung angestellt. Eine halb Stunde lang.“
Tante Thea: „Unn wat war dat denn für ne Film?“
Onkel Pit: „Dat war „Jenseits von Eden“. Mit dem Bruce Ling.“
Onkel Herbert: „Nee, dat war doch der Elvis! Mit dem kaputten Becken.“
Opa Nuehm: “Nee, der heißt Kelvin Nickels. Wie der Nickels, der bei der Poscht schafft, der wo früher beim Aldi war.“
Tante Liesel: „Isch weiß mit tausend Brozent, dass dat der Rex Dildo war.“
Onkel Herbert: „So ne Quatsch. Dat is der Dieter Bohlings!“
Onkel Pit: „Ei von mir aus.“
Anna: „SKOL!!!!!!!!!“

Pralinen, Eierlikör, Baileys, Klosterfrau Melissengeist, Persico, Schwarzwaldteufel.
Opa Nuehm: „Also gut, dann sinn wir jetzt durch mit den Jahreshighlights.“
Onkel Pit: „Dat Anna hat noch nix gesagt.“
Tante Thea: „Genau, Anna sach auch mal wat.“
Tante Liesel: „Ja, Anna, jetz aber!“
Onkel Herbert: „Jetzt bin isch aber gespannt!“
Anna: „SKOOOOOOOOOOOOL!!“
Opa Nuehm: „Anna, besser kann man dat net auf den Punkt bringen, isch bin stolz auf disch! Man muss net immer so herumschwafeln. Also dann:
Ne gute Rutsch euch allen!“.

Fucking Fazit 2008

Heuer im Telegrammstil, da ich aus dem Saarland blogge und leider mein Wörterbuch zu Hause liegen gelassen habe.
Das Jahr im flotten Rücklauf:

Weihnachten 2008: Ganz okay. Geschenke: Sieben. Lametta: Null. Gans: Null. Rehrücken: Null. Sterne am Himmel gezählt: Null. Gegessene Plätzchen: 50. Gegessener Lachs: Einer. Verkorkster Magen: Einer. Meiner.
Dezember: Beschissen bis benebelt. Gewöhnungsbedürftig. Krankheiten: Zwei. Herzanfälle: Einer. Gekaufte Geschenke: Dreißig? Wegen Glatteis hingefallen: 0,5 Mal. Lametta: Null!
November: Ätzend. Exorbitant. Sport: Zu wenig. Wetter: Schnee und Regen. Depressionen: Eine. Latin Lover-Projekt gescheitert. Vorerst! VHS verklagt.
Oktober: Nervig. Naja. „Das wird noch, das wird noch“. Neue Winterreifen: Vier. Kürbisse aufgestellt: Einen. An Weihnachtsmann geglaubt: Null Mal.
September: Mein Lieblingsmonat. Totalausfall. Memo an mich: Monat von der Liste der Lieblingsmonate streichen.
August: Gefräßig. Ganz gut. Geburtstage: Drei. Gebackene Kuchen: 14. Gegessene Kalorien: 123.679. Abnahme: Ohne meinen Anwalt sage ich nichts!
Juli: Scheiße. Extravagant. Plantschbecken kaputt. Nachbarn stellen Weihnachtsdeko auf!!! Bezeichne bei geöffnetem Fenster diesen Schmuck als „verpimmelten Weihnachtsbaum“. Mist. Memo an mich: Fenster immer geschlossen halten. Auch bei 40 Grad.
Juni: Ganz nett. Geburtstag: Einer. Blog: Null. Wetter in Aachen: Regen, Regen. Umzugsvorhaben: Eins. Ausgeführt: Null.
Mai: Fucking month. Altersweisheit kehrt ein. Geburtstag: Einer. Meiner. Muss ‘ne Familienpackung Kerzen für die Torte kaufen. Mist.
April: April, April! Überflüssigster Monat der Welt.
März: Hauhauahaua. Auauauaua.
Februar: Tollster Monat im Jahr. Tollster Tag im Jahr. Danach geht’s bergab! Memo an mich: Jahreshighlight zukünftig auf späteren Monat im Jahr verlegen. Ist motivierender.
Januar: Verarschendster Monat des Jahres. Hoffnungsvoll mit leichtem Hang zur Enttäuschung. Gute Vorsätze: Null. High hopes: 1.000.000. Absturzquote: 1000%. Abnehmvorsatz: 20 Kilo. 10 Kilo! Oder so. Das Jahr 2008 Scheiße finden: Am 3. Januar.

Fucking Fazit-Gesamtauswertung 2008:
- Besuchte Fitnesscenter: Null.
- Neue Sportarten begonnen: Null.
- Heirat und Verlobung: Null!
- Abgenomme Kilos seit Jahresbeginn: 8. HAHAHA! ACHT! Scheiße, keine 20.
- Bestandene Prüfungen: Null.
- Katastrophale Friseurbesuche: Drei.
- Nachbarschaftsstreits: Nur einer! Seit wann ist „verpimmelt“ ein Schimpfwort? Seit wann denn? Eben.
- Auto im Parkhaus verloren: Ein Mal.
- Nerven verloren: 365 Mal. Geht ja noch.

Somit erkläre ich das Jahr 2008 offiziell zur Nummer eins auf der Liste „Beschissenstes Jahr ever seit Menschengedenken und seit Anbeginn der Zeitrechnung“!
Was aber im positiven Umkehrschluss bedeutet:
Das Jahr 2009 kann nicht nur besser werden, es muss! Rein aus statistischen Gründen bleibt dem Jahr 2009 gar nichts anderes mehr übrig, als insgesamt so richtig supertoll, verblüffend, faszinierend und atemberaubend zu werden! Auch wenn es das ursprünglich nicht vorhatte. Aber jetzt MUSS es das! Allein dafür hat sich das Erstellen meiner wissenschaftlich sehr ausgeklügelten, hochmodernen und fälschungssicheren, von 47 Informatikstudenten betreuten und in jahrelanger Kleinstarbeit ausgewerteten Jahresstatistik doch gelohnt, oder?!

Einen guten Rutsch ins Neue Jahr wünscht Ihnen
Ihre Anna Nuehm.

Kurz und schmerzlos:

Frohe Weihnachten!
Ihre Anna Nuehm

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