dachte ich soeben, als ich in meinen sträflich vernachlässigten und hochgradig verschluderten Blog schaute.
Und das Blöde ist: Schuld daran bin ganz allein ich!
Wenn hier einer nichts schreibt, dann ich! Ja, so ein Mist.
Ich hab aber total gute Ausreden für mein Nichtschreiben, wenigstens das:
- Wegen meiner schwerwiegenden Verkehrsvergehen – Eindellen eines Nummernschildes und von mir selbst unbemerkter, somit total geheimer und überstürzter Flucht nach sieben Stunden des Parkens – werde ich mittlerweile von Interpol, der Stasi und dem Mossad gejagt. Weltweit wurden diverse Sonderkommissionen, wie „Nuehms brutale Massenkarambolage“, „Nuehms menschenverachtende Sachbeschädigung im Zehn Euro-Bereich“ und „Nuehms ekelerregende Sadismusautofahrerei“ gegründet.
- Ich muss den ganzen Tag bescheuerte Protokolle ausfüllen, haarklein und minutiös beschreiben, was ich getan habe, wie z.B. „ich parkte ein und ging dann einkaufen“, so dass ich mir schon vorkomme wie eine Mischung aus Horatio aus „CSI“, Dr. House aus „Dr. House“ und Mr. Hyde aus „Dr. Jeyckyll und Mr. Hyde“.
- Manchmal bin ich über die Ruchlosigkeit dieser Schandtat – Eindellen eines kostbaren Nummernschildes aus antikem Elfenbein, gesponnenem Gold und gewirkten Platinfäden, besetzt mit Diamanten aus Sierra Leone – so entsetzt, dass ich so richtig einen teuflischen Hass auf diesen schändlichen Verbrecher bekomme, diesen Schildermörder, diesen Zerstörberserker, diesen Abschaum an Verkehrszucht und Ordnung, dass ich diesen am Liebsten teeren, federn und aufhängen wollte, bis mir dann einfällt: Huch, das bin ja ich!
- Das lass ich dann natürlich.
- Aber ich rutsche dann auf Knien zur nächstbesten Kirche und bete 197 Rosenkränze, 93 Ave Marias und tanze eine Volta wie Heinrich der VIII. So fing es bei dem auch an!
- Vor lauter Lesen, Schreiben und Beten habe ich Augen. Ja, ich habe Augen! Also nicht so, dass ich nur Augen hätte, wie jeder Mensch, sondern dergestalt, dass ich es AN den Augen habe. Es geht so in Richtung blutende Augen! Na okay, sie tränen halt ein wenig. So hier und da. Aber manchmal fühlt es sich fast so an, als würden sie demnächst noch bluten! Vermutlich ist es eine Strafe Gottes für meine Vergehen. Kann aber auch ein Wunder sein und demnächst kommt der Papst vorbei. Das muss ich erst mal abwarten.
- Verursacht durch das mir vorgeworfene Einparkverbrechen, habe ich eine tiefgreifende seelische Erschütterung erlittten, die mit einem vollständigen Verlust meiner überragenden, herrlichen und welteinzigen Frauen-Rückwärtseinparkkompetenz einhergeht.
Auf deutsch: Ich kann nicht mehr einparken. Weder vorwärts noch rückwärts. Auch nicht seitwärts. Überhaupt nicht mehr! Wo ich vorher in eleganten Wellenbewegungen, geometrischen Figuren oder mathematischen Formen lässig, nonchalant und ziemlich zügig in jede noch so winzige Parklücke glitt, wie eine kleine Ölsardine in die Büchse, so schlingere ich jetzt schwerfällig, bräsig und rumpelig wie Jogi Löws Nationalelf gegen Italien. Oder wie die Titanic gegen den Eisberg. Der konnte ja auch wegrudern, wie er wollte, sie hat ihn trotzdem erwischt.
Und das mir, der Einparkkönigin von Aachen, deren Motto lautete „Es gibt keinen zu kleinen Parkplatz, nur zu lange Autos“. Es ist ein Trauerspiel!
Ich muss manchmal mehrere Kilometer Anlauf nehmen und passe dann mit meinem kleinen 3 m langen Flitzer immer noch nicht in die 2,90 m Parklücke. Früher wäre mir das nie passiert. So zaghaft, angenagt und verklagt angepisst zweifelnd bezüglich meines fahrerischen Könnens.
- Diese Umwege kosten natürlich unheimlich viel Zeit.
- Geständnis: Manchmal, aber nur ganz manchmal, fahre ich mit dem Bus.
- Und als Krönung, wenn man denn wirklich polizeitechnisch am Boden liegt und alle, die Polizei, der Anwalt, die Versicherung, die Müllmänner, der Unfallgegner usw. hohnlachend auf einen eintreten und sich mit dem Zehn Euro-Scheck wahrscheinlich auf meine Kosten ein Leben in Saus und Braus ermöglichen können, alle zusammen, denn die stecken ja alle unter einer Decke, dann bekommt man noch einen Brief vom Finanzamt.
- Die schreiben dann wirklich, in einer Mischung aus schäbigem Sadismus, bluttriefender Inquisition, schändlicher Tierquälerei, hohnlachender Schizophrenie, finsterstem Exorzismus und psychopathischstem Tagebuch von Heinrich dem VIII.:
„Mit freundlichen Grüßen, Ihr Finanzamt.“
Und da bleibt selbst mir die Spucke weg!