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Erfreulicherweise wurde gestern abend die schöne Sendung “Papa gesucht” fortgesetzt und da ich großmäulig im Dienste für den treuen Leser eine Fortsetzung angekündigt hatte, zog ich mir den Stuss bis zum bitteren Ende rein widmete ich mich erneut dieser liebevollen Sendung. Wegen plötzlicher und sehr dringender Termine meinerseits bleibt eine weitere Fortsetzung leider ungewiss.

Die „fröhliche Niedersächsin Carmen“ lud „Rentenberater Rainer“ und „Privatchauffeur Heinrich“ zu einem Frühstück in die zweite Runde ein. Offensichtlich war Heinrich von einem Modeteam hinsichtlich seiner Ausstattung beraten worden. Mit einem Lederwestchen in Mad Max-Optik vollzog er eine verblüffende stilistische Kehrtwende und brachte das Motiv des bösen, bösen Buben ins Spiel. Leider konnte er damit die ihn umwehende Aura eines kühlen Bestatters nicht gänzlich zerstören, sondern nur halb. „Rentenberater Rainer“, zudem „stolzer Spülmaschinenbesitzer“, setzte auf Hausfrauentugenden und spülte zwar widerwillig, aber insgesamt profihaft ab. „Heinrich, 54“, wurde indes mit einem Untertitel als „war noch nie verheiratet“ geoutet. Eine im Gesamtzusammenhang sehr traurige, wenngleich nicht sonderlich überraschende Tatsache.

Unter den Klängen von „The Last Uniquehorn“ wurde als Neuzugang das „fröhliche Schwarzwaldmädel Elli“ vorgestellt. Sie wählte aus zwei Millionen von Bewerbern den „nervösen Schweinebauer Arnold“ und „Guido aus Grevenbroich“ aus, den sie neckisch als „besonderes Leckerli“ bezeichnete. Zum ersten Date verkleidete sich Elli mit einer mittelalterlichen Schwarzwaldtracht und türmte sich die Haare meterhoch auf. Imponierend, wie man innerhalb weniger Sekunden um 50 Jahre altern und zudem Freunde von Grimms Märchen ansprechen kann: jedes Rotkäppchen hätte seine wahre Freude an ihr gehabt. Der „nervöse Schweinebauer Arnold“ zuckte – tapfer wie ein Schneiderlein – auch nur kurz zusammen und umarmte Elli in einem Anfall aus Nekrophilie, Todesmut und Verzweiflung. Galant wie tausend Russen hatte Arnold Elli nicht nur ein süßes Stoffschwein mitgebracht, sondern auch eine Patenschaftsurkunde für eines seiner Schweine, ein echtes Wollschwein mit Haaren, was zwar ein bisschen krank und wie eine Genmutation aussah, aber insgesamt doch einen recht sympathischen Eindruck machte. Elli war total begeistert, auch wenn sie dieses komische Flokatischwein nie kennen lernen, nie seine Pfote halten und auch nie an einem seiner zahlreichen Schnitzel knabbern würde. Denn die Geste zählt ja.
„Guido aus Grevenbroich“ kam fatalerweise zu spät und war sogleich entsetzt von der innigen Zweisamkeit zwischen dem „nervösen Schweinebauern Arnold“ und dem „Schwarzwaldmädel Elli“, zeigte sich aber umso begeisterter von ihrem Lachen, das ich persönlich als asthmatisch-bronchial mit Tendenz zur Hysterie eingeschätzt hatte, aber so sind die Geschmäcker eben verschieden.

Die „liebevolle Hobbytänzerin Sabine“, das kleine Schlimmchen, zeigte sich indes nicht untätig und hatte dem „Teetrinker Matthias“ eines ihrer Lieblingsgetränke gebraut. Aufmerksame Leser werden es vielleicht erraten: Es war ein Tee. Aber nicht irgendeiner, sondern ein „Grüntee mit Kornblumen und Sonnenblumenblüten“, ein in Insiderkreisen bekanntes hocherregendes Aphrodisiakum, gleichzeitig weltweit Nummer eins auf der Dopingliste und zudem das geheime Lieblingsgetränk von Lance Armstrong. Dementsprechend entgleisten dann auch die Protagonisten, stürzten sich von einer Spielplatzrutsche und hatten verbale Ausfälle wie „erst wenn mein Sohn den Matthias in sein Herz *schmacht* schließt, dann kann auch ich mein Herz *schmachtschmalz* öffnen *sabber* und dieser frischen Liebe *trief* eine Chance geben *hallelujah*.”

Derweil kam es verstörenderweise bei der „fröhlichen Hausfrau Gaby“ zu einem Eklat. Nicht nur, dass der „gutaussehende Matthias“ die Geschenke für Gabys Kinder vergessen und nur dem amöbengroßen Schoßhund Gabys Leckerli mitgebracht hatte, nein, er startete zu einem Großangriff auf seinen Rivalen, den „lustigen Jörg“.
Auf die Frage, welche Sportart sie betreiben würden, antwortete Matthias spießermäßig mit „ein bisschen Fahrrad, Spazieren und Bowling“, die Antwort des lustigen Jörgs „isch mach Fitnesscenter“ verlachte Matthias sogleich affektiert, aufreizend, provozierend und ziemlich schäbig. Prompt kam es bei Jörg zu einem Adrenalineinschuss erster Güte, vielleicht waren auch ein paar Steroide dabei, und er stellte klar: „Hey, wat soll denn dat? Willze damit sagen, dass Boddibülder doof sinn, oda wie? Hallo, wir hamm auch alle viel im Hirn. Also da könnt isch misch fast ärgern, ima diese Vorurteile. Oh nee, isch rast gleich aus! Boah. Boaaaaah!“
Die „fröhliche Hausfrau Gaby“, die mit einem selbstgekochten Leipziger Allerlei eindrucksvoll ihre Hausfrauenqualitäten demonstriert hatte, konnte die prekäre Situation mit liebevoll auf Tellern drapierten Schokoküssen retten, entschloss sich aber trotzdem mit beiden nach St. Peter Ording zu fahren, um unter verschärften Bedingungen die nächste Testrunde einzuläuten.

Man darf also gespannt sein, wie es weitergeht. Ich weiß allerdings nicht, ob ich mir diesen Schwachsinn noch ein weiteres Mal antun werde weitere Frontberichte Rezensionen senden kann, da ich gestern Abend aus ungeklärten Gründen einen schweren IQ-Abfall von 50 Punkten erlitt und somit nun endgültig im Minusbereich angelangt bin.

Ihre Anna Nuehm