Hurra, ein historischer Sieg, den Jogis Jungs heute errungen haben. Ist das nicht wunderschön?!!
Hier ein kurzer Spielbericht aus Insiderkreisen:
Maradona schlendert lässig aus der Kabine, noch ganz in Gedanken bei der Sitzordnung für die Halbzeit. Er hat schöne Tischkärtchen gebastelt und Überraschungseier dazu gelegt. Ein hübsches Arrangement, wie er findet. Da werden die Spieler sich aber freuen, denkt er und ich könnte auch noch…
158. Spielsekunde: Müller trifft zum völlig überraschenden 1:0!
Huch, was war das denn? 0:1? Hat das Spiel etwa schon angefangen? Volle Konzentration jetzt auf das Spiel, reißt sich Maradona zusammen. Er ist heiß, er ist hungrig, er ist superkonzentriert. Hungrig auch deshalb, weil er extra für dieses Spiel sein Magenband drei Löcher enger geschnallt hat. Er will hungrig sein, er will brutal sein, wie Trainer halt so sind, und wie er es in der argentinischen Trainer-Bravo gelesen hat.
Schnell bekreuzigt er sich und ruft sich seine eisernen Trainerregeln wieder ins Gedächtnis, die er in einem dreistündigen Intensivlehrgang auf der argentinischen Trainerspezialakademie gelernt hat:
Regel 1: Wildes Gestikulieren ist immer gut. Hände klatschen auch. Also fuchtele immer wild herum und klatsche in die Hände, rufe dabei „Hopp hopp!“.
Regel 2: Wenn Regel 1 nicht funktioniert, lache höhnisch, durchbohre den Schiedsrichter mit Blicken oder zeige auf deine Hand. Dies zeigt dem Schiedsrichter, dass
a) du die Hand Gottes bist und er sich gefälligst daran erinnern soll!
b) ein Spieler der gegnerischen Mannschaft einen Handelfmeter verursacht hat, ob er in Ballnähe war oder nicht.
c) Beides gleichzeitig.
Regel 3: wenn Regel 1 und Regel 2 nicht wirken, dann kombiniere Regel 1 mit Regel 2. Gehe dabei mit philosophischer Miene am Seitenaus hin und her, schaue versonnen in die Ferne. Oder zum Himmel. Himmel kommt immer gut. Wegen direktem Draht nach oben. Hand Gottes und so…
Halbzeit: Maradona ordert bei Burger King ein paar XXL-Menüs, damit seine Spieler wieder Kraft zum Laufen haben. Als Nachtisch macht er persönlich Eis mit heißen Himbeeren, auch um die Stimmung aufzulockern, aber es bleibt eine Menge übrig. Dann esse ich das eben zur Siegesfeier, denkt Maradona pragmatisch und freut sich.
68. Spielminute: Tor von Klose zum 2:0!!
Maradona ist überrascht. Wer hat den deutschen Spielern erlaubt Tore zu schießen? Wer war das? Er schaut anklagend zum Himmel. Mit dem Herren da oben wird er heute Abend ein ernstes Wörtchen reden müssen. Wie sieht denn das aus, wenn Argentinien 10:2 spielt?? Also zwei Gegentore sehen immer doof aus. Okay, dann gewinnen wir eben 12:2, dann fallen die beiden Gegentreffer nicht so auf, denkt sich Maradona und schmunzelt ein bisschen über seine Weisheit, die ihn selbst nach so vielen Jahren immer wieder verblüfft.
Argentinien stürmt ein bisschen herum. Messi verliert seinen Schuh, kein Wunder bei Schuhgröße 26. Alle Spieler, auch die Deutschen helfen bei der Suche, das nenn ich mal Fair-Play. Der Schuh findet sich schließlich in der Brusttasche des Linienschiedsrichters.
Maradona zieht alle Register und benimmt sich Regel 1-3 konform, krönt das Ganze noch mit lauten „Sabotage“- Rufen und „Der war doch gekauft, der Linienrichter“.
74. Spielminute: Tor von Friedrich zum 3:0!!!
Maradona ist ein wenig unamüsiert. Was geht denn hier vor? So war das aber nicht abgemacht, sagt sein Blick nach oben, auf die Schiedsrichter, auf alle Spieler und sogar auf Angela Merkel. Die freut sich unbeeindruckt ‘nen Wolf und küsst alles ab, was nicht bei drei auf den Bäumen, respektive Flutlichtmasten, ist.
Die argentinischen Spieler sind verstimmt. Maradona hat ihnen versprochen, sie würden gewinnen, denn er hat eine direkte Standleitung nach oben. Dass sie Tore schießen müssen, hat er nie erwähnt und wie, hat er auch nie erklärt. So ne Scheiße.
Messi geht einfach in die Kabine und weil er so klein ist, fällt es nicht weiter auf.
Maradona hat sich schnell vom Schock des 0:3 Rückstandes erholt. Drei Tore in 16 Minuten schießen, um den Ausgleich zu erzielen, das ist doch einfach. Vielleicht zu einfach. Er beschließt ein 0:4 zu kassieren, um dann diesen Rückstand lässig in fünf Minuten aufzuholen und die deutschen Spieler mit dieser Riesenenergieleistung zu demoralisieren, zu zertrümmern und zu Brei zu spielen. Ha, von diesem Schlag werden sie sich nie wieder erholen und alle zum Synchronschwimmen wechseln, zum Hallenhalma oder zum Frauenfußball.
Er zwinkert nach oben und denkt sich „Abgemacht“. Gott zwinkert zurück, aber nur, weil er gerade Freudentränen in den Augen hat, wegen der glanzvollen Leistung der deutschen Jungs.
Ein verheerendes Missverständnis, das nicht ohne Folgen bleiben wird.
89. Spielminute: Tor durch Klose zum 4:0!!!!
Maradona kichert zufrieden in sich hinein, alles läuft nach Plan. Ihr könnt jetzt die vier Tore machen, gestikuliert er seinen Spielern. Sie schauen ihn ratlos an. „Ja, wie denn?“ „Wie, wie denn?“, fragt Maradona irritiert zurück. „Ja, wie denn jetzt wie?“- „Hä, wie, wie denn jetzt wie wie?“- „Wie häh, wie wie denn jetzt wie wie?“-„Hä? Wie wie denn, wie jetzt wie wie denn? – beginnt ein zweiminütiger, sehr intensiver Dialog auf hohem intellektuellem Niveau.
Gerade als Maradona denkt „Gott sei Dank, sie haben’s kapiert, einfach rein das Ding!“, pfeift der Schiedsrichter unverschämter Weise das Spiel ab.
Das Spiel ist aus! 4:0 für Deutschland!!!
Deutschland hat gewonnen und Argentinien ist raus! Wie, wo, was?
Maradona ist schockiert, er ist entsetzt, er ist persönlich beleidigt. So war das aber nicht abgemacht, schleudert er zornig in den Himmel, ich bin doch die Hand Gottes!
Na und, sagt Gott lässig. Gestern Hand Gottes, heute Schland Gottes.