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Das Netzhemd – seit Generationen beliebt, aus der Modewelt nicht mehr wegzudenken und bei den momentan herrschenden Temperaturen das Top-Kleidungsstück schlechthin – wurde vom lieben Gott persönlich erschaffen, noch im Paradies.
Durch einen Fehler bei der Programmierung von Adam und Eva begab es sich, dass Adam ständig „Ich glaub es ja wohl niiiiiiicht, du!“ und „Hach, Eva, das finde ich jetzt aber gar nicht witzig, du kleiner Schelm!“ von sich gab. Außerdem warf er jedes Mal, wenn Eva an ihm vorbei ging und ihm kernig auf den Popo klappste, sein Händchen in die Luft und rief „Aaaaaaaaaah, du Schlimmchen, du!“. Eva war darüber mehr als befremdet, ging in die nächste Kneipe oder mähte den Rasen, manchmal schaute sie auch trübsinnig die Sportschau, trank einen Kasten Bier auf Ex leer und dachte: „Irgendwas stimmt doch hier nicht!“
Zum Eklat kam es, als Adam eines Tages entrüstet ausrief „Ich habe niiiiiiiiichts anzuziehen, du liebes Lieschen. Ich laufe gleich nackt rum oder häng mir ein Apfelsinennetz um! Ach, hätte ich nur so ein Hemdchen, mit dem ich weder nackt noch angezogen wäre, das wär’s doch. Das wäre total stylo und rattenscharf!“
Da fiel auch bei Gott der Groschen, er tauschte flugs die Mikrochips von Adam und Eva aus, erfand aber trotzdem das Netzhemd, was zwar ziemlich inkonsequent war, aber egal.
Wohl als Überbleibsel aus den früheren Tagen, wurde das Netzhemd für Adam bald zu seinem Lieblingskleidungsstück. Dies wurde eifersüchtig von Eva betrachtet. Adam lief bald den lieben, langen Tag mit seinem Netzhemd herum, ließ seinen ehemals muskulösen Körper vergammeln, trug nur noch Tennissocken in Sandalen, ließ seine Brusthaare auf zwei Meter Länge wachsen und sich mehrere Tattoos stechen, darunter zwei Anker, drei Pferde, sieben Drachen, einen Skorpion und ein großes Herz mit Inschrift „Mama“.
Gott fand das total daneben, vor allem das „Mama“-Tattoo, Eva fand es spießig, aber Adam gefiel es, und so wurde er zum leuchtenden Vorbild für alle Männer weltweit.
Es geht die Sage, dass von diesem Urnetzhemd sämtliche folgenden Netzhemden der Welt abstammen. Außerdem war die Erschaffung des Netzhemdes in direkter Linie verantwortlich für die Kreation einer durchsichtigen Strumpfhose, der Urstrumpfhose, die Eva bald von Gott erhielt, damit sie sich nicht mehr über das Netzhemd aufregen sollte.
Dabei war die Kreation eher so ein zufälliges, aber nicht minder geniales Nebenprodukt. Gott, der manchmal ein kleiner Messie war und auch aus diesem Grund 100.000 verschiedene rosa Blümchensorten kreiert hat, was aber keiner so richtig weiß, ließ manchmal seine Sachen tagelang herum liegen, und auch Adam war nicht gerade ein Ausbund an Aufräumwahn.
So ergab es sich, dass besagtes Netzhemd zusammen mit einer ordinären Wollstrumpfhose von Eva über einem Stuhl lag. Wochenlang.
Als irgendwann einmal jemand aufräumte, vermutlich war es Eva, denn Gott hatte ihr in weiser Voraussicht ein Aufräumgen implantiert, stieß sie einen schrillem Schrei des Entzückens aus:
Neugeboren und wunderschön, lag sie da, unter dem verwuschelten, verschwitzten Netzhemd und der schamvoll erröteten Wollstrumpfhose: die durchsichtige Seidenstrumpfhose!
Halleluja! Was für ein Tag!
Und so jubilieren heute noch Millionen von Frauen weltweit, wenn sie ihre unförmigen Beine in seidenglatte, sexy Strumpfhosen stecken und diese sich umgehend in lange, sexy Gazellenbeine verwandeln: Halleluja!
Und genau deshalb schauen Frauen netzhemdtragende Männer mit einer Mischung aus Abscheu, Grusel, Kreislaufschwankungen, aber auch voller Heiterkeit und Freude an. Schließlich ist dieses neckische Accessoire der Vater der geliebten Strumpfhose und wie bei Familienfeiern gibt es immer einen komischen Verwandten, der sich total daneben benimmt, neben dem keiner sitzen will, aber der trotzdem irgendwie dazugehört. Und genau das ist in diesem Fall das Netzhemd.