Was haben diese ganzen Bauern eigentlich gemacht, bevor es diese wundervolle, fantastische und exorbitante Sendung gab? Ganz einfach: nichts. Denn früher gab es überhaupt keine Bauern! „Bauer, was soll das sein?“, fragen sich irritiert und unwissend Millionen von Fernsehzuschauern jeden Sonntag. Und für diese Bildungslücke muss man sich auf keinen Fall schämen! Auch ich selbst saß ratlos vor dem Fernseher und erfuhr erst nach intensiven Nachforschungen, was ein „Bauer“ ist und warum.
Die Berufsgruppe des „Bauern“ existiert seit zwei bis drei Jahren und ist eine brandneue Erfindung eines gelangweilten RTL-Redakteurs nach einer durchzechten Nacht, inklusive Kater, Liebeskummer, verlorenem Auto und Filmriss, der sich über 48 Stunden hinzog. Wer jetzt spontan an Charlie Sheen denkt, nein, der war’s nicht, da fehlt noch der Schrank und das Koks, und soviel verdienen die bei RTL auch nicht, dass sie sich das leisten könnten.
Aus einem alkoholgeschwängerten Geistesblitz heraus entstand atomknallartig diese geniale Nische im Medienbereich, unterfüttert mit einer tiefgreifenden Sehnsucht nach großen Gefühlen, wilder Romantik, schmutzigen Heuballen, Wagenladungen voller Kuhkacke, ungewaschenen Kühen und mürrischen Schafen, versifften Bädern aus dem frühen 19. Jahrhundert, herrisch-zahnlosen Schwiegermüttern, üppigen Frauen in zu engen Dirndln und lustig lachenden Männern in lotternden Latzhosen, eingebettet in ein kuscheliges Set aus rosa Heckenrosen, verschimmelten Kaffeetassen, erwachsenen Männern in Kinderzimmern, tätowierten Großstadtgirls und männlichen Jungfrauen im zarten Alter von 65 Jahren.
Dies fiel zufällig mit einem Überangebot an Hollywood-Schauspielern zusammen, was sich natürlich sehr schnell in Hollywood herumsprach. Somit eilten Massen von arbeitslosen Schauspielern zum Casting nach Köln, um dort für eine Rolle als „Bauer“ oder „Frau“ vorzusprechen.
Wem jetzt ein Licht aufgeht und ein spontanes „Aaah, jetzt weiß ich auch, warum die mir alle so bekannt vorkommen!“ durch den Kopf schießt – ja, der hat Recht!
So hat der „Bauer Willy“ früher in „Psycho“ als „Norman Bates“ geglänzt und erreichte mit der Darstellung des „Forrest Gump“ den Höhepunkt seiner Schauspielkarriere. Nach einem Sexskandal mit einer minderjährigen Pralinenschachtel blieben aber die Angebote aus und er musste sich als Lichtdouble für Nicolas Cage und Bodyguard für George W. Bush verdingen.
Die „resolute Rheinländerin Rosi“ verkörperte ursprünglich Roseanne Barr und hat bereits in den Kinderschuhen des US-Fernsehens mitgewirkt: Sie war der allseits beliebte „Hoss“ in „Bonanza“, musste aber nach einer ominösen Todesfallreihe ihrer Pferde den Job an den Sattel hängen. Später drehte sie als „Alfred Hitchcock“ „Die Vögel“ und machte dann als „Jane Fonda“ eine steile Karriere im Fitnessbereich. Aber der Zahn der Zeit nagte auch an ihr und somit musste sie neue Wege gehen. Eine Entscheidung, zu der man sie nur beglückwünschen kann! Ihr etwas forscher Ton kommt noch aus Tagen der Armeefilme „Platoon“ – als „Tom Berenger“ – und „Apokalypse now“, wo sie als „Marlon Brando“ Filmgeschichte schrieb. „Jo, mir rutscht da schon mal ein „Friss nisch wie ein Schwein und lern mal anständische Umgangsformen, du Sau!“ raus, aber dat is jetzt äscht nischt so gemeint, wie sisch dat anhört!“ bewertet sie selbstkritisch ihre mehr als überzeugende Perfomance.
Desweiteren erfreut uns „Bauer Harald“ – bekannt geworden als „Charlie Sheen“ in „Two and a half man“, früher als „Russel Crowe“ in „Gladiator“ und „Gerard Butler“ in „300“ eher martialisch unterwegs, mit einer schauspielerischen Höchstleistung.
„Ich wollte mal weg von diesem Actionkram. Ich wollte etwas mit Tieren machen, etwas mit Herz und an der frischen Luft arbeiten, was ich auch meinen Kindern zeigen kann. Da kam das Angebot genau zur rechten Zeit.“ sagt der Hollywoodstar und bleibt auf angenehme Art zurückhaltend und bescheiden.
Auch „Sir Ben Kingsley“ konnte als „Bauer Gerhard“ für diese geniale Verfilmung verpflichtet werden. Seine Filmkarriere reicht vom Butler „James“ in „Das Haus am Eaton Place“ über „Hannibal Lector“ zu „Gandhi“ und hat in der Rolle des „Bauern Gerhard“ ihren großartigen Höhepunkt gefunden.
„Ich habe schon viele große Rollen gespielt, den ganzen Shakespeare rauf und runter. Aber ich schwöre, als ich in der einen Szene meinen Filmkumpel anrufen musste, damit er mit dem Dampfstrahler kommt um mein Bad nach 90 Jahren wieder zu putzen – das war der ergreifendste Moment meiner Karriere!“, ist Ben auch Monate nach dem Dreh immer noch sichtlich mitgenommen.
„Das ist die teuerste und aufwändigste Filmproduktion, die Deutschland zu bieten hat. Sogar die kleinsten Nebenrollen, wie vorbeikullernde Heuballen oder hochwasserhosentragende Briefträger sind hochkarätig besetzt. Ich sage nur Arnold Schwarzenegger, Tom Cruise, George Clooney und Brad Pitt. Man wird in Zukunft „Bauer sucht Frau“ in einem Atemzug mit dem Filmepos „Vom Winde verweht“ nennen“, so ein stolzer RTL-Redakteur.
Man darf, nein, als kulturell interessierter und gebildeter Mensch MUSS man die weiteren Fortsetzungen verfolgen, will man nicht irgendwann als ignoranter Außenseiter geoutet werden und verpassen, wenn Mediengeschichte erster Güte geschrieben wird!
Schalten auch Sie wieder ein, wenn es heißt: Bauer sucht Frau. Ein soziokulturelles Liebes-Drama in 27 Akten.