Die Stadt, in der ich lebe (1)

Eigentlich wollte ich ja zuerst schreiben, die „Stadt“, in der ich „lebe“. Aber das erschien mir dann doch ein bisschen zu hart der Stadt gegenüber, in der ich lebe. Auch eine Stadt hat vielleicht Gefühle, die man nicht so einfach verletzen sollte. Und wehren kann sie sich auch nicht, darum schreibe ich heute mal eine Lobeshymne auf Aachen.

Aachen ist eine sehr schöne Stadt, vor allem in der Mitte, an den Rändern nicht so sehr, denn da ist sie eher neu. In der Mitte ist sie aber sehr schön und alt, also die dreieinhalb Straßen in der Mitte sind sehr, sehr schön. Auf jeden Fall eine Reise wert, wenn man denn mal zehn Minuten übrig hat oder am Aachener Hauptbahnhof herumsteht, weil man vielleicht falsch umgestiegen ist. Den Rest kann man vergessen, bis auf den Dom. Der Dom von Aachen ist ja phänomenal, weltberühmt und sehr alt, uralt. Er hat in der Mitte ein Oktagon, was noch berühmter ist.

Warum Oktagon? Irgendwie haben die das früher anscheinend nicht so mit den vier Ecken hinbekommen, vielleicht gab es auch zu viele Baumeister, die in einer Art Battle um die Wette gebaut haben. Irgendwann trafen sie sich dann versehentlich doch in der Mitte und das wurde dann das weltberühmte Oktagon. Drumherum die Mauern ließen sie dann aus Bequemlichkeit einfach stehen und daraus entstand dann insgesamt der Dom.

Der ebenfalls weltberühmte Kaiser Karl, der in diesem Dom quasi wohnte, so oft war er da, vermutlich hatte er einfach keinen zweiten Wohnsitz, feierte da alle seine Messen, ließ sich zigmal krönen und wäre er ein Blogger, so hätte er sich bestimmt Don Karl genannt, vielleicht aber auch Don Kaiser, man weiß es nicht so genau.

Dieser Karl also hatte eigens für seine Krönungsfestivitäten einen Stuhl im Dom stehen, natürlich nicht aus Holz, wegen der Splitter, sondern aus schönem Stein, eingemauert und einzementiert, damit der Stuhl auch nicht kaputt ging, bei all den wilden Feiern, die der Karl da so abhielt.
Vor diesem Stuhl stand ich selbst einmal. Ich war sehr beeindruckt. Ich wusste zuerst nicht, dass dies der hochehrwürdige Krönungssessel war, denn er war auf den ersten Blick ein alter, schiefer Steinquader und bröckelte überall ab. In der Mitte war sogar ein Loch, wie bei einem Toilettenstuhl und ich dachte nur: „Also Karl, das hätte ja nicht sein müssen…“. Die Museumsführerin aber sagte: „Berühren Sie auf keinen Fall diesen Stuhl!!!“.
Nee, keine Sorge, hätte ich sowieso nicht gemacht, so wie der aussah und wer weiß, was der Karl da so alles… Und ein paar hundert Jahre her sind in dem Fall auch nicht so ne lange Zeit. Also lieber nicht.
Aber verdammt ehrwürdig sah der Stuhl schon aus, so insgesamt und auf den zweiten Blick. Und auch so… überaus prächtig… dieser mausgraue Speckstein. Und vor allem in der Mitte, dieses schwarze Loch… und der Stuhl so überaus imposant und auch so schön… klein. Denn der Karl war mit seinen 1,35 m zu seiner Zeit ja ein Hüne von einem Mann, alle anderen waren ja nur 1,10 m und dementsprechend war auch der Stuhl. Ein Hüne unter den Stühlen, wenn ich das mal so sagen darf.

Und genau so wie dieser Stuhl sind viele Dinge in Aachen. In der Mitte am Schönsten, einfach nur phänomenal und an den Rändern nicht so ganz, wie in der Mitte, aber immer noch beeindruckend. Und insgesamt so unterm Strich schon so ziemlich: bezaubernd.

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13 Antworten zu Die Stadt, in der ich lebe (1)

  1. German Psycho schreibt:

    Witzig: Menschen, die in Kleinstädten wohnen, scheinen häufig das Bedürfnis zu verspüren, ihren Wohnort rechtfertigen zu müssen. Menschen, die zusammengepfercht in einer Großstadt hocken, können dagegen ungehindert in die Welt hinausbrüllen, wie schön doch Hamburgihre Stadt sei.

    Zu Aachen kann ich nichts sagen. Ich bin mal durchgefahren. Hat nicht lang gedauert.

  2. Anna Nuehm schreibt:

    Auch Menschen, die im Internet schreiben, können ungehindert ihre Stadt… loben.
    Deshalb: meine Identität muss immer geheim bleiben. Ich zähle da auf Sie. :-)

    „Hat nicht lang gedauert.“- Hmm, wahrscheinlich haben Sie die Mitte verpasst?

  3. Difool schreibt:

    Immerhin hat Aachen (oder hatte jedenfalls mal) eine ganz gute Softballmannschaft an der FH, die „Aixplosives“. Wir haben sie zwar immer geschlagen, aber deren Trikots waren eindeutig klasse !
    Und „Stadtmitte“ wird eindeutig überbewertet. Großstädte haben so was ja gar nicht mehr, höchstens die einzelnen Stadtteile…

  4. Anna Nuehm schreibt:

    @Difool,
    ob die immer noch eine Softballmannschaft haben, da bin ich überfragt. Aber die FH gibt’s noch. Und die RWTH auch.

    Die Mitte von Aachen ist wirklich sehr schön, also der innerste Kern. Diese drei Straßen. :-)
    Natürlich auch der Stuhl! Den Stuhl darf man auf keinen Fall vergessen, der reißt alles ‚raus. Aber echt, jetzt. :-)

  5. S-achte schreibt:

    Hä? Stuhl von wem? ;-)
    Aber die Altstadt ist nett, das stimmt, soweit ich mich erinnern kann:)
    Merke: Auch Kinderbier (0,2er) macht irgendwann breit.
    Jetzt hab ich aber aus einem anderen Forum diese Adresse erhalten:
    Sauerbratenpalast
    Vaalserstr. 316
    52074 Aachen
    HUNGER!!
    Grüßle
    Roland

  6. S-achte schreibt:

    PS: Stuhl jetzt eher medizinisch gemeint;-)

  7. Anna Nuehm schreibt:

    Roland, das mit dem Stuhl hab ich doch… ach so, verstehe.. :-)

    Sauerbratenpalast? Klingt witzig. Mc Sauerbraten… auch noch ne Idee…
    Grüßle, Anna

  8. misshelga schreibt:

    Gruessle an Alle! Ihr habt meine Spaetzles vergessen :-))

  9. Anna Nuehm schreibt:

    „Einmal nen doppelten McSpätzledeluxedoppelwhopper für MissHelga, bitte!“
    Grüßle zurück! :-)

  10. Carlos Primero schreibt:

    Mein Stuhl hat auch in der Mitte ein schwarzes Loch. So.

  11. Anna Nuehm schreibt:

    Herr Primero,
    das ist ja auch voll in Ordnung, solange der nicht in irgend einem Dom steht! Oder!? Obwohl, die documenta nimmt auch so was immer gerne..
    :-)
    Anna
    Ps: dann passen Se bloß auf, dass Se da nicht drin verschwinden, in dem Loch!

  12. S-achte schreibt:

    @Carlos
    Boah, echt?
    Die Technik kenn ich noch nicht:)
    Grüßle

  13. Pingback: Die Stadt, der Müll und die Printen (3) « Anna Nuehm

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