Zeit ist kein Gegner, sagten sie im Fernsehen.

Natürlich nicht, denke ich, das weiß doch jeder, wem muss man das noch erzählen?

Zeit ist kein richtiger Gegner mehr, sondern spielt neuerdings bei einem kleinen Luschiverein. Der verliert dauernd und ist sogar zweimal hintereinander abgestiegen.

Zeit ist auch häufig verletzt, seitdem sie damals seinen Nerv getroffen haben und er sich böse entzündet hatte. Er wird sehr oft ausgewechselt oder ausgebuht. Dann sitzt Zeit mit hängendem Kopf auf der Ersatzbank und mag sein Erfrischungsgetränk nicht trinken.

Zeit hat die besten Jahre eben hinter sich. An ihm ist nichts spurlos vorüber gegangen, weil der Zahn schwer an ihm genagt hat. Zeit sagt zwar: Blödsinn, wenn einer nagt, ist das meine Exfrau, die liegt mir nur auf der Tasche und könnte auch mal arbeiten gehen, die Alte. Außerdem bin ich schlecht beraten worden, Bauherrenmodelle und Investitionen im Osten. Dann der Meniskus. Und der Nerv. Man kennt das ja.

Zeit war ein sehr großes Talent, früher einmal, als er noch jung war. Doch er wurde sehr oft geschunden oder es wurde auf ihm herum gespielt. Sehr unfair. Einmal wurde er böse zusammen getreten und voll auf seinen Nerv getroffen. Da lag er dann da, ein Sanitäter fühlte seinen Puls und man dachte schon: Mit dem Zeit ist es vorbei.

Aber er hatte dann ein Riesencomeback, so dass die Zuschauer jubelten, wenn er auflief: “Zeit, du bist von Gott gestohlen, Zeit, du bist von Gott gestohlen!“
Er wurde daraufhin in die Nationalmannschaft berufen, doch da verging er im Fluge und landete hart auf seinem Zahn.
Und die Zuschauer natürlich: „Ach, du lieber Zeit!“. Als er dann auch noch den Elfmeter für Deutschland im WM-Halbfinale versemmelte, wollten ihm einige sogar ans Leder und skandierten „Schlagt den Zeit tot, schlagt den Zeit tot.“
So schnell kann es gehen. Gestern noch gestohlen und morgen schon tot.

Mittlerweile sind diese Wunden aber verheilt. Zeit ist in die Jahre gekommen und viele sagen, Zeit wäre heute nicht mehr sein Geld wert. Man könnte sich nicht mehr mit ihm vertreiben, er sollte schleunigst die Zeichen erkennen. Schade, dass er kein Kind hat, dann könnte das in seine Spuren rieseln.

Der Typ wäre einfach nur abgelaufen, ’ne saure Gurke und er sollte vergehen, am besten ins Ausland. Dann könnten die sich mit ihm rumärgern.

Ich finde es sehr undankbar, dass man so mit dem guten, alten Zeit umgeht, schließlich war es auch sehr schön mit ihm, früher einmal. Und er hat sich verschwendet und vergeudet, auch damit wir unseren Spaß hatten.

Aber ein richtiger Gegner ist er nicht mehr, das stimmt.

Über Liv Maxx

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9 Antworten zu Zeit ist kein Gegner, sagten sie im Fernsehen.

  1. corax schreibt:

    Frau Anna:

    Jegliches hat seine Zeit, Steine sammeln – Steine zerstreun.
    Bäume pflanzen – Bäume abhaun, leben und sterben und Streit.

    Pax

  2. Anna Nuehm schreibt:

    Herr Corax,
    Sie sagen es. Sehr schön.
    Was auch noch wichtig sein könnte, im Meer der Zeit:
    Lieben, lügen, Karten spielen.

    Schöne Grüße, Anna

  3. German Psycho schreibt:

    Jaja, und all diese Momente werden verloren sein… wie Tränen… im Regen… Zeit genug!

    (diese Kurzzusammenfassung von Ridley Scotts Meisterwerk ist meines Erachtens: Zeitlos)

  4. Anna Nuehm schreibt:

    @GP:
    Ja, ein zeitloser Klassiker unter den Filmzitaten.
    Tränen im Regen…

    (Und viel schöner als der Versuch eines Schlagerfuzzis, dem nachzueifern: „Es geht eiheine Trähäne auf Reiheisen..“)

    (Film: Endet das Zitat nicht mit: „Zeit zu sterben?“)

  5. Opa schreibt:

    Zeit geht mir auf den Geist. Immer schon.

  6. Anna Nuehm schreibt:

    Mir auch oft auf den Zeiger. :-)

  7. misshelga schreibt:

    auf ALLE Zeiger, lol
    :-))

  8. Olaf schreibt:

    Spielt Zeit jetzt bei Lamemannia Aachen ?
    Und wenn auf Zeit gespielt wird, tut sich oft nichts…
    Also achten wir auf den Zeitpfeil.

  9. Anna Nuehm schreibt:

    @MissHelga: Auf alle Zeiger, die man sich nur irgendwie denken kann! :-)

    @Olaf: Mit dem Verein habe ich nichts zu tun, von denen muss ich mich noch schärfer distanzieren, als von den Busfahrern!
    Aber der Name ist sehr schön. Danke. :-)

    Der Zeitpfeil ist immer noch besser, als wenn ein Zahn an einem nagt. Aua.

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