Rauchen und Schäferhunde. Zwei Welten begegnen sich.

Ich glaube, ich fange an zu rauchen. Es erscheint mir ein sehr guter Zeitpunkt zu sein. Jetzt, wo es so schwierig ist, scheint das richtig interessant zu werden. Vorher war mir das zu einfach. Einfach in ’ne Kneipe rein, hingesetzt, rumgequalmt, nee, danke, voll langweilig.

Heute ist Rauchen viel aufregender: man schleicht wie ein Dieb in der Nacht umher, zieht verstohlen in dunklen Hauseingängen an illegal erworbenen Selbstgedrehten, Stückpreis 3000 Euro, bettelt seinen Dealer an „ich zahl ja, Frankie, versprochen, morgen verkauf ich das Auto und du bekommst dein Geld“.
Die letzten Abenteuer der Menschheit: Rauchen im Zug, Rauchen im Lokal und einen ganz besonderen Nervenkitzel bekommt man beim Kauf eines Päckchens Zigaretten. Hab ich mir sagen lassen. Bald auch mit möglichst brutalen Bildern von Raucherbeinen, das muss man sich mal vorstellen!

Genau so naiv dachte ich bis vor kurzem noch und darum wollte ich die Gefahren des Rauchens auch einmal ausprobieren. Mir war langweilig und ich erleb ja auch sonst nix, denn ich wohne auf der Rückseite des Friedhofs. (Nicht der Reeperbahn!)

Darum bin ich in dunkler Nacht zum Zigarettenautomaten, natürlich nicht „einfach so“, sondern mit schwarzer Kleidung, Turnschuhen, tarnfarbig angemaltem Gesicht und ausgerüstet mit mehreren Schlagringen. Man weiß ja nie, wer sich da alles herumtreibt.
Ich machte mich auf den Weg, immer schön an den Hausecken versteckt, huschte dann schnell über die Straße, wieder in den nächsten Hauseingang. So ging das die ganze Zeit. Endlich, nach zwei Stunden Slalomlaufen, kam ich an.
Da war er der Zigarettenautomat, stand im glänzenden Mondlicht, an exponierter Stelle. Ich so: MIST.
Also hab ich mich auf den Bauch geworfen und bin zu dem Ding hin gerobbt, ganz schön spannend war das und ich fühlte mich ziemlich verwegen. Ich erreichte auch irgendwann den Automaten, ich glaube, es war da schon vier Uhr morgens.
Gerade stehe ich auf, werfe das Geld ein, was sich bei der Stille anhört wie KLOOOOONGDIDONGGPAADÄNGGRUMMMMMMMSSSSSSSBUMMMMMSSS!!!,
da plötzlich: gleißendes Scheinwerferlicht, bellende Hunde und eine Stimme dröhnt aus einem Megaphon:
„ACHTUNG, ACHTUNG, hier spricht die Polizei, heben Sie langsam die Hände über den Kopf, und bewegen Sie sich nicht! Sie sind verhaftet!“
Ich: „Aaaaaaaah, Hilfe, tun Sie mir nix! Ich rauche ja eigentlich gar nicht! ICH BIN NICHTRAUCHER!!! Heul…ich wollte ja nur mal so zum Spaß…“

Drei Stunden später, nach dem Röntgen meiner Lungen, Vorlegen eines amtlichen Führungszeugnisses und einer makellosen Schufa-Auskunft, durfte ich dann endlich nach Hause gehen.
Da es schon heller Tag war, kaufte ich beim Bäcker gleich frische Brötchen und stieß vor der Haustür mit meiner Lieblingsnachbarin zusammen, die meine Verkleidung mit hochgezogenen Augenbrauen quittierte. Auch mein Ausruf „ich wollt‘ ja nur Mohnbrötchen…“ konnte die Situation nicht mehr retten. Seitdem spricht sie nicht mehr mit mir, was aber eine eher angenehme Begleiterscheinung meines Ausfluges in die Rauchersphäre ist.

Nach diesem Abenteuer habe ich das Rauchen sofort wieder eingestellt. Ich leide immer noch an einem posttraumatischen Stresssyndrom und zittere, wenn ein Schäferhund an mir vorbei geht.
Deshalb: Die Raucher tun mir sehr Leid. Seid nett zu ihnen, die haben es schon schwer genug. Und ausnahmsweise weiß ich, wovon ich rede.

zigarettensuchhund-bluthund-und-leichenhund.jpg
(Foto: Wikipedia)

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10 Antworten zu Rauchen und Schäferhunde. Zwei Welten begegnen sich.

  1. Peifenopa schreibt:

    Hier begegnen sich wirklich zwei Welten:

    Die des Schäferhundes (Hitler war Nichtraucher)

    und die der Aufklärung:

    „Den Tod fürchten die am wenigsten, deren Leben den meisten Wert hat.“ (Immanuel Kant)

  2. Anna Nuehm schreibt:

    Schäferhunde sind deshalb so militante Nichtraucher, da sie früher selbst mal gerne eine geraucht haben.
    Das sind dann später die Allerschlimmsten.

    Kant hat Recht.

  3. Erdge Schoss schreibt:

    Zwei Stunden bis zum nächsten Zigarettenautomaten, liebes Fräulein Nuehm? Hatten Sie sich verrobbt?

    Besorgt
    Ihr Erdge Schoss

  4. Anna Nuehm schreibt:

    Lieber Herr Schoss,
    vielleicht kennen Sie das ja auch?
    Wenn die Spannung ins Unerträgliche steigt, die Nerven zum Zerreißen gespannt sind, das kleinste Geräusch wie Pauken und Trompeten in den Ohren klingt, man hyperventiliert und dann!!!
    ………..
    ………..
    …………
    …………
    ………..
    ………..
    ………..
    ………..

    Schläft man ein.

    Beschämt
    Ihre Anna Nuehm

  5. Erdge Schoss schreibt:

    Aha, liebes Fräulein Nuehm, dann sind Sie also nicht zum Automaten gerobbt, sondern der ist, frei nach Einstein, Raumzeitzeugs, Sie kennen’s wahrscheinlich, zu Ihnen rübergekommen.

    Und das soll in der Tat jedesmal so ca. 2 Stunden dauern.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  6. Anna Nuehm schreibt:

    Lieber Herr Schoss,
    ich sehe mit Wohlgefallen, dass Sie ein Kenner der Materie sind: wenn man Gegenstände lange genug anstarrt, kommen sie auf einen zu.

    Manchmal dauert es auch länger, bei meinem Auto zB. Aber das kommt bestimmt daher, dass das so schwer ist?

    Erfreut und herzlich,
    Ihre Anna Nuehm

  7. Ettore Schmitz schreibt:

    Liebe und schon längst geschätzte Frau Nu-ehm(t)(??,
    ich möchte mich in aller Form prophylaktisch oder dich wenigstens präventiv für die hier voraussichtlich auch künftiglich stattfindenden hinterfotzigen Einwendungen des von mir ebenfalls zwar höchstgeschätzten, nichtsdestotrotz aber auch immer wieder mit einem gewissen scheelen Blick verfolgten Herrn E. Geschoß entschuldigen. Er meint es nur so.

    Wissen Sie, was mir ganz besonders an Ihnen so Freude bereitet seit ein paar Wochen? Daß Sie sich in epischer Breite (Wortwexel auf der R., Sie wissen natürlich) auf einem sündigen Pflaster haben breitschlagen lassen. So geht es mir schon mein ganzes (mindestens verblüffendes) Leben lang. Das verbindet, spüren Sie’s?

    Was nun aber das Rauchen in unserem Lande betrifft haben Sie völlig recht, liebe Frau Nuehm: es lohnt sich nicht mehr. Es macht demütig. Schade, daß ich es schon vor Jahren dreingegeben habe um einer diffus erhofften „Befreiung von Dummzwängen“ wegen. Pa! Habe ich gefressen seither Phantasia und Rittersport in Unzuchtsmengen. Heute wäre das Raucherfortbestehen in meinem Multiversum mit Sicherheit ein schöner und gerngenommener gelegentlicher Einstieg in Borderline-Verhalten bis hin zu depressivem Festkrallen ins Rauchersofa. Wochenlang, bitte stellen Sie sich vor, vielleicht monatelanges Festkrallen! Und dann womöglich: Quer-Ritzen vor Verzweiflung, den Flokati besudeln, nicht putzen mögen – das ganzen Abstiegszirkulatorium. Aber so? Bin ich Nichtraucher. Und leide darunter. Und – Scheißdreck auch (Herr Schoß weiß, wie sowas aussieht) – nicht mal einen Schäferhund habe ich als Feindbild oder Mahnung oder was.

    Ich sehe: wir werden uns wohl nie verstehen, sondern prächtig!

    Herzlichst
    Ihr
    Ettore DindDing Schmitz
    (Klongdingdongpadäng! Herr Schoß! Hier wird das geschätzt!!!)

  8. Anna Nuehm schreibt:

    Lieber und ebenso geschätzter Dottore Ettore Schmitz,
    welch Glanz in meiner verkommenen Fastraucherhütte!

    Ich nehme selbstverständlich Ihre Entschuldigung für den werten Herrn Schoss an, zum Einen, weil er sich hier mit einer unübertrefflichen Charmanz unentbehrlich gemacht hat, zum anderen, weil Sie ihn in Ihrem fulminanten Kommentar fast noch rechts überholen!
    (Fast, Herr Schoss, fast!)
    Ich weiß ja, dass Sie es so meinen, er auch, aber das Beste zum Schluss: ich meine es auch so. Alles.

    So so, Herr Ettore, Sie haben also über Monate mitverfolgt, wie ich auf der Reeperbahn von einem veritablen Schnitzel zu einem hauchdünnen Scheibchen Lachsschinken weichgeklopft wurde. Und sind nicht eingeschritten.
    Dann müssen Sie jetzt auch mit den Konsequenzen leben:
    mit mir. Sie werden schon sehen, was Sie davon haben.

    Ich finde es aber sehr anständig, dass Sie Ihr Rauchersofa in ein Rittersofa verwandelt haben und nicht in ein Allover-Ritzensofa. Das wäre doch zu brutal und würde gar nicht zu Ihnen passen.
    Außerdem ist Flokati-Besudelei eine Form des Tierquälens, wie ich mir sagen ließ, und dass Sie darauf verzichten, ehrt Sie, wenn nicht noch mehr.
    Mindestens aber hallo.
    Dass Sie ein Tierfreund sind, hat mir Ihre zwischen den Zeilen versteckte Beneidung meines Schäferhundbildchens gezeigt. Darum, Herr Ettore biete ich Ihnen großzügig an:
    Sie können es hier so oft anschauen, wie Sie möchten.
    Jederzeit. Auch nachts, wenn ich schlafe.

    Auf eine prächtige gegenseitige Betrachtung,
    herzlichst Ihre Anna Nuehm ohne t, gesprochen „ü“
    (*Palimpalam)

  9. Ettore Schmitz schreibt:

    Hauchdünnes Scheibchen Lachsschinken.
    Pah!

    (Und wenn schon: mir schmeckt’s.)

    GrinsSchmitz

  10. Anna Nuehm schreibt:

    Herr Ettore,
    mit Freuden sehe ich, dass das Schäferhundbildchen allein letzte Nacht zwischen 4 Uhr und 4 Uhr zehn 35.000 Klicks hatte.
    Ich überlege sehr stark, es Ihnen zu verehren.

    Herzlichst,
    Anna Nuehm

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