Geballte Internetweisheiten oder: Was Sie schon immer über das Internet wissen wollten und sich nie zu fragen trauten

Das Internet. Das Internet wurde von Al Gore erfunden, vielleicht auch von Arnold Schwarzenegger. Man weiß es nicht so genau. Ich tendiere eher zu Herrn Schwarzenegger.

Das Internet ist einerseits riesig groß. Es hat eine unendliche Größe, die kein Mensch bisher erfassen oder nachmessen konnte. Es reicht von den alten Ägyptern bis zu uns, von A bis Z und von Sodom bis Gomorrha. Es ist an der schmalsten Stelle nur drei Millimeter breit, weshalb diese Tag und Nacht streng bewacht wird, damit niemand dort Schaden anrichtet, zB. mit Stöckelschuhen. An der breitesten Stelle reicht es bis in eine andere Galaxie, wo es aber abrupt aufhört, da es eine Scheibe ist, wie allgemein bekannt ist.

Andererseits ist das Internet aber auch winzig klein. Es umfasst manchmal nur vier Häuser, eine Kneipe und einen Edeka-Markt. Das kommt daher, dass sich im Internet eigentlich nur drei bis vier Personen aufhalten, die sich andauernd begegnen, natürlich immer unter anderem Namen und mit wechselnden Email-Adressen. Darum hat man den Eindruck, es wären Millionen Menschen im Internet zugange, in Wirklichkeit sind es aber nur vier, höchstens fünf.
Ich bin eine davon, Sie die zweite. Und noch drei andere, das sind doch ganz schön viele, oder?
Es passiert ja dauernd, dass man so ganz gedankenlos vor sich hinsurft und plötzlich sagt einer: „Hey, du bist doch Nuehm aus A.!“
Und selbst sagt man dann: „Ja! Und du bist doch Z. aus X.?“
Manchmal sagt dann der andere: „Nee, heute bin ich X. aus K. Aber morgen vielleicht? Mal sehen.“

Nur fünf! Das muss man sich mal vorstellen, ich wüsste ja zu gerne, wer die anderen drei sind!

Begegnen sich aber zwei, die an dem Tag eine hundertprozentige Identitätenübereinstimmung vorweisen können, dann sitzen die im Internet rum wie bei einem Kaffeekränzchen, nur ohne den Ober, der sonst immer ruft „Draußen nur Kännchen!“.
Das ist schon mal ein riesengroßer Vorteil.
Die sitzen dann da und erzählen sich von früher „Haha, weißt du noch, als ich G. aus V. war? Hihi, und ich war mal B. aus W.! Hoho…“. So geht das den ganzen Tag.

Wenn ich das Internet malen würde, dann wäre es blau, wie ein unergründlicher, tiefer Bergsee und auch so zauberhaft blau, wie der Himmel über meinem Kopf und auch deshalb blau, weil ich manchmal denke, die sind hier alle besoffen wie von Sinnen etwas seltsam.

Das Internet ist vor allem auch sehr geheimnisvoll und überaus spannend. Man sitzt da, starrt in den Pc, der Pc starrt zurück. Man starrt weiter, der Pc auch. Man blinzelt, der Pc nicht.
Da, plötzlich – es ertönt die Melodie von „High Noon – Zwölf Uhr mittags“:
Frau Nuehm mit umgeschnalltem, klirrenden Revolver, das Internet mit klirrendem Revolver, beide gehen aufeinander zu, da, Frau Nuehm ist nur eine winzige Sekunde lang abgelenkt, sie schaut kurz weg – Peng – AUA!
Deshalb: nicht wegschauen! Wer als erster wegschaut, hat verloren. Und das bin immer ich.

Das Internet wurde in Gedichten schon oft gefeiert, wie Sie hier und da sehen könnten, wenn Sie es denn wöllten. Sie können das aber auch lassen, weil meine Lyrik noch gefürchteter ist als meine Grammatik. Für ganz Mutige: hier und da.

Das Internet wird sehr oft kritisiert, weil sich Menschen in es hinein flüchten, wofür es persönlich aber nichts kann. Diese Menschen sitzen wochenlang am Pc und antworten auf die Ansage ihrer Frau „Ich lass mich scheiden“ zuerst mit „Wer sind Sie?“ und dann mit einem lässigen „Okay, das geht neuerdings ja auch online.“
Das wirklich Tolle am Internet ist aber, dass man nicht nur in es hineinflüchten kann, sondern auch wieder hinaus. Das geht ganz leicht: man geht einfach nicht mehr hin.

Im Gegensatz zu anderen unangenehmen Terminen wie zB. einer Wurzelbehandlung beim Zahnarzt, hat ein sich Verweigern auch keinerlei negative Konsequenzen. Anders als beim Zahnarzt, der einem Wochen später, wenn man zahnschmerzgeplagt zu ihm gekrochen kommt, mit fadenscheinigen Ausreden „komisch, die Betäubungsspritzen sind alle..“ seine späte aber kühle Rache serviert, mitten in den Nerv hinein.
So etwas würde das Internet NIE tun! Es hat solche niederen Triebe einfach nicht. Das Internet und das ist das Schönste überhaupt an ihm, kann sich weder wehren, noch beschweren, noch einen anrufen, noch sich sonstwie an einem rächen.

Es bleibt dann leer. Und wartet einfach, bis man wieder ankommt.
Und man selbst wartet auch einfach, bis sich der Qualm verzogen hat. Dann kreuzt man wieder auf und tut so, als wäre nichts gewesen.
Und da das Internet ein sehr kurzes Gedächtnis hat, fällt es ihm nicht mal auf. Es ist freundlich, als wäre nichts passiert und manchmal denke ich fast, es hüpft hoch wie mein kleiner Hund, wenn ich wieder nach Hause komme und leckt meine Hand. Dann tätschele ich seinen Bauch und es freut sich.
Wenn doch nur alle so wären, wie das Internet! Dann wäre das Leben noch viel schöner, als es ohnehin schon ist!

Über Liv Maxx

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22 Antworten zu Geballte Internetweisheiten oder: Was Sie schon immer über das Internet wissen wollten und sich nie zu fragen trauten

  1. corax(nicht verwandt mit schmutzfink) schreibt:

    Frau Anna,

    dies trifft leider nur auf 0,1% (Aachen) des Internetzes zu,
    der Rest des Internetzes is for PaderbORN.
    Leider, öhm…
    Oder was glauben Sie warum da Nixdorf herkam?

    >verschüchtert nach rechts unten schau<

    Pax

  2. Anna Nuehm schreibt:

    Herr Corax,
    Sie zweifeln doch nicht etwa an meinen universalen Global-Theorien?
    0,1%! Ich bitte Sie!

    Verschüchtert müssen Sie aber nicht schauen, ich kann mit Kritik ja sehr gelassen umgehen..


    … Nixdorf? Wer soll das sein?
    ;-)

  3. corax (nicht verwandt mit rohrspatz) schreibt:

    Frau Anna,

    ich wollte Ihren Theorien, insbesondere den globalen, keinesfalls im Wege stehen, aber es gibt da gewisse Indizien die lassen mich halt auf eine Verschwörunng aus dem beschaulichem Ostwestfälsichem-Lippe schließen.
    Vielleicht sind da ja die grichichischen Trojaner im freigewordenem Sennelager der britischen Streitkräfte untergekommen?

    http://www.xnumber.com/xnumber/nixdorf.htm

    http://de.wikipedia.org/wiki/Nixdorf_Computer_AG

    http://de.wikipedia.org/wiki/Siemens-Nixdorf

    Und das sagenhafte Bielefeld soll ja auch nicht allzufern verortet worden sein, obwohl bislang jegliche Beweise dafür fehlen?

    grübelnd…

  4. Olaf schreibt:

    Hier sind erste Elemente einer wenn auch noch sehr wackeligen Beweisführung…

    http://www.bielefeldverschwoerung.de/

  5. Anna Nuehm schreibt:

    Guten Morgen die Herren Corax und Olaf,
    Sie haben sich anscheinend gesucht und gefunden.
    Wahrscheinlich kennen Sie sich bereits, nur unter anderem Namen, versteht sich- ;-)

    Bielefeld… ich verstehe.. das Zentrum der Verschwörungstheorien!
    Da muss ich dringend mal hinfahren.. Wahrscheinlich begegne ich da Elvis und James Dean.. und dann flieg ich mit denen zum Mond..
    Ich lese heute alles, was Sie verlinkt haben!

    Ebenso grübelnd,
    Anna Armstrong

  6. oldman schreibt:

    Aufgeschreckt durch das Kritzel – Kratzel, das nächtliches Kommentieren im Irgendwo der Maschen verursacht, schleppte ich mich gerade auf meinen Klöber Cronos 999 (€2702,49 bei Chairholder.de).
    Offenen Auges, bis auf die Klebestelle am linken Lid, genoß ich die Netzbeschreibung. Herrlich, einfach eine Oberklasse technisch – wissenschaftlicher Ausführungen.
    Frau Anna, ich bin noch geschafft vom gestrigen Einsatz. Ich horche noch ein wenig ab.
    Die Matratze.

  7. Pingback: Club der halbtoten Dichter » Interne tz

  8. Olaf schreibt:

    Frau Anna,
    grübeln Sie unbedingt weiter. Hier ist noch mehr Beweismaterial.
    Wir sind nicht allein.
    Die Hoffnung stirbt zuletzt.

    http://www.b-i-e-l-e-f-e-l-d.de/

  9. Anna Nuehm schreibt:

    An den Club: Danke, Sie sehen, ich bin stets im Einsatz! :-)

    Olaf, ich sehe mit Begeisterung Ihren Einsatz zur Aufklärung ALLER Verschwörungstheorien weltweit!
    Ich lese alles!
    Ich lese!
    Bald finden wir auch Elvis!
    Vielen Dank,
    Anna :-)

  10. Anna Nuehm schreibt:

    Sir Oldman,
    ich freue mich, dass meine wissenschaftlich fundierten Ausführungen Sie so faszinierten, dass Sie in einen tiefen Schlaf verfielen.
    Ich habe auch sehr lange recherchiert! Jahre, wenn nicht Stunden.
    Da hängen sehr viele Statistiken dran! Tausende, wenn nicht sogar.
    Ich danke Ihnen für Ihr Lob.

    Erfreut und ebenfalls schläfrig,
    Professorin Dr. Dr. hc. Dr. C4 Nuehm

  11. Erdge Schoss schreibt:

    Das, liebes Fräulein Nuehm, wird ja immer schlimmer. Die Busfahrer, der Duft, Asphalt zu Keksen, und jetzt Bielefeld mit allem Drum und Dran. Also halten Sie aus, ich ruf nochmals bei Cartwrights an. Beim letzten Mal war übrigens niemand zu erreichen, weil irgendein Scherzkeks (wahrscheinlich Little Joe) das Familienhandy unter der Extralage Käse auf Hossens Kaubeusandwich versteckt hatte … den Rest können Sie sich wahrscheinlich denken.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  12. doergn schreibt:

    Sehr geehrte Frau Anna,
    danke für die Funktionsbeschreibung (inkl. Topologie) des Internets. Das hätte der
    Christoph von der Maus
    nicht besser erklären können!

    Für mich bleibt nur eine Frage ungeklärt: Was passiert mit den Leuten im Internet, wenn jemand das Internet runterfährt? Also ich kenne viele Leute, die fahren das Internet erstmal runter, bevor sie ihren Rechner runterfahren.
    Ist das jetzt Totschlag oder gar Mord?

    Besorgt
    Doergn

    P.S.: An der schmalsten Stelle ist das Internet 42 Millimeter breit, nicht drei, wie oben im Text irrtümlich angegeben. Hab’s nochmal von der NASA bestätigen lassen.

  13. eirelover schreibt:

    Ich liebe diesen Text!

    Deswegen bin ich so frei und nehm einen Auszug mit und verlink ihn bei mir im Blog.
    Falls das nicht okay ist bitte bescheid geben, ich mach´s dann gleich wieder weg.
    ;-)

  14. Anna Nuehm schreibt:

    Lieber Herr Schoss,
    Ich warte. Das Pferd ist gesattelt und mein Röckchen gebügelt. Ich hoffe, Ihres auch?
    Ich sehe, dass Sie keine Kosten und
    Mühen scheuen,
    mich zu erfreuen
    und zu befreuen.

    Herzlichst,
    Anna on the horse

  15. Erdge Schoss schreibt:

    Fräulein Nuehm, ich bügle mein Pferd nie!

    (Muss ich auch nicht. Es ist knitterfrei.)

  16. Anna Nuehm schreibt:

    Herr Schoss,
    ich muss mein Pferd immer bügeln. Ihres ist bestimmt aus Polyester? Schwitzte es deshalb auch mehr?
    Fragend,
    Anna Pferdeflüsterin

  17. Anna Nuehm schreibt:

    Lieber Doergn,
    ich bin ganz geschmeichelt, dass Sie mich mit der „Maus“ vergleichen, obwohl die Maus auf einem viel höheren sprachlichen Niveau schreibt und auch spricht.
    Vielen Dank!
    42 mm? Und warum machen die dann so einen Aufstand? Das ist ja breiter als meine Autoreifen!

    Was Ihre Frage betrifft, ob dabei Leute zu Schaden kommen, wenn man das Internet herunter fährt: Nein, denn sie gehen ja vorher nach Hause.
    Ich sehe aber, dass Sie, genau wie meine Mutter, die auch immer „das Internet ausschaltet“ oder deren „Internet kaputt“ ist, sich sehr mit der Materie und der Frage
    „Schläft das Internet auch mal?“ beschäftigen.
    Darauf weiß ich jetzt auch keine Antwort.
    Anna Ahnungslos
    :-)

  18. Anna Nuehm schreibt:

    eirelover,
    danke, das liest man (= ich) gerne!
    Doch, das ist okay. Kurze Auszüge sind voll okay, Links setzen ist noch okayer und überhaupt ist Ihre Begeisterung sehr okay. Nur den ganzen Text wegnehmen ginge nicht, denn dann passiert etwas ganz Schlimmes, was unter „Dies und das“ beschrieben wird.
    :-)
    Schöne Grüße,
    Anna

  19. Erdge Schoss schreibt:

    Es schwitzt nicht mehr, liebes Fräulein Nuehm, es schwitzt schneller. Deshalb muss es auch jeden Abend in die Pferdewaschmaschine. Keine Sorge: nur bei 30 Grad. Alles andere wäre Tierquälerei. Und habe ich die Waschmaschine nicht zur Hand, hänge ich es eben raus zum Lüften. Dann reicht es am nächsten Morgen schön frisch und ist auch gut gelaunt, wenn ich es nicht wieder einmal versehentlich mit dem Kopf nach unten aufgehängt habe, was mir in jüngster Vergangenheit, auch zu meinem Bedauern, zwei, drei Mal passierte.

    So kann’s gehen
    Ihr Erdge Schoss

  20. Anna Nuehm schreibt:

    Eine Pferdewaschmaschine, Herr Schoss, die habe ich mir auch immer gewünscht, aber nie bekommen.
    Ich wasche mein Pferd jeden Abend von Hand, natürlich nur mit „CD“- an mein Pferd lasse ich nur CD.
    Ich habe vor, demnächst einen eigenen Beitrag über mein Pferd zu veröffentlichen.
    Sie werden mehr als überrascht sein, das sage ich Ihnen schon mal vorab.
    Mit dem Kopf nach unten- das darf und sollte nicht passieren. Nun ist es aber passiert!

    Herzlichst
    Ihre Anna Head-up

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