Fortsetzung des großen Städtezyklus: Die Stadt und das Wetter (4)

Das Wetter in Aachen ist immer sehr schön. Nein, anders. Das Wetter in Aachen ist immer sehr speziell. Nein, auch falsch. Genau genommen gibt es in Aachen kein Wetter, denn das würde ja bedeuten, es gäbe einen Wechsel zwischen Regen und Sonnenschein oder so etwas wie Abwechslung. Aber in Aachen regnet es die ganze Zeit. Ununterbrochen.
Aachen ist ein Regenloch.
Das kommt daher, dass die Regenwolken zu der einen Seite hin vom Kölner Dom abgefangen werden. Auf der anderen Seite lauert das Hochgebirge der Eifel und schleudert die Wolken wieder zurück. Aachen liegt genau in der Mitte, wo die erschöpften Wolken sich dann endlich ausregnen können.
Was sie auch tun. Tag und Nacht. Sommer wie Winter.
Nein, im Winter fällt hier auch mal Schnee. Was die Aachener so Schnee nennen. Es sind aber höchstens einige wenige Schneekrümel, die sich im schlimmsten Falle zu 1,5 Zentimeter hohen Schneeverwehungen auftürmen. Diese versetzen den Aachener in große Panik und bewegen ihn dazu, mit 3 Km/h durch die Gegend zu fahren, vielmehr zu schleudern.
Manchmal lassen die Aachener dann ihre Autos im Stich und damit die keiner klaut, werden sie der Einfachheit halber an Ort und Stelle abgefackelt. Dann ist ganz Aachen von einem Lichtermeer umgeben, was sehr malerisch ist und an St. Martin erinnert, dies aber nur mit größeren Laternen.
So ist Aachen an Wintertagen nach einem solch verheerenden Schneesturm schon mal übersät mit leise vor sich schwelenden Autowracks, an denen man sich aber praktischerweise die Hände wärmen oder Kastanien rösten kann. Dabei unterhält man sich aufgeregt über den „Schneeblizzard“.
Da lacht man als gebürtige Saarländerin natürlich leise in sich hinein. Wer wie ich mit Schneeketten in der Handtasche aufgewachsen ist und schon mit zehn Jahren gelernt hat, Winterreifen aufzuziehen, den kann so etwas nicht erschüttern.
Putzig, wie an solchen Tagen der gesamte Verkehr zusammenbricht. Auch die Busfahrer verlassen dann nicht das Haus. Das sind dann die schönsten Tage in der Stadt, wenn alle zu Hause bleiben! Vor allem die Busfahrer!
Alles ist lahmgelegt und still, keine Hektik, leise rieseln die dreieinhalb Schneeflocken, während unablässig der Printengeruch auf die Menschen einströmt und ihnen suggeriert: Alles halb so wild. Esst Printen, dann verschwindet auch der Schnee.
Einmal war ich in einem solchen Schneesturm unterwegs und überfuhr beinahe einen panisch winkenden Mann, der wild herumfuchtelnd auf die Straße lief und sich fast vor mein Auto warf. Im Hintergrund ein brennendes Auto, vermutlich seins.
Stets hilfsbereit hielt ich natürlich an. Der Mann, Typ Manager, Aktenkoffer unter dem Arm, Boss-Anzug, ein Hüne von 1,90 und durchaus gutaussehend, warf sich buchstäblich vor meine Füße. Was an sich ja nicht weiter schlimm gewesen wäre, wäre er dabei nicht in Tränen ausgebrochen, hätte meine Füße umklammert und laut weinend ausgerufen:
„Hilfe, so helfen Sie mir doch! Wir werden alle sterben! In diesem fürchterlichen Schneesturm!“
Irritiert blickte ich auf die fünf freundlichen Schneeflocken, die auf seinen Kopf fielen, während die Fahrbahn von einer silbern schimmernden, wahnwitzigen, 3 mm hohen Schneeschicht überzogen wurde.
Dann half ich ihm auf wieder auf die Beine, beruhigte ihn und fuhr den leise schluchzenden Mann zu seiner Mutter.
Seitdem bleibe ich an solchen Tagen lieber zu Hause. Das ist mir lieber so. Denn ich kann Männer einfach nicht weinen sehen. Echt jetzt.

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20 Antworten zu Fortsetzung des großen Städtezyklus: Die Stadt und das Wetter (4)

  1. corax schreibt:

    Frau Anna,

    das wird langsam langweilig. Ich kann doch nicht jeden Ihrer Texte loben. Können Sie denn nicht mal irgendeinen Scheiß a la Vogonisches Gedicht schreiben? Müssen Sie denn immer so eine sprachlos machende Lyrik verwenden?
    Denken Sie doch einmal an die Kinder; die Kinder.

    Baff, wiedereinmal

    Osasuna! (daswarbaskisch)

  2. Olaf schreibt:

    In Aachen wären sie vor dem Schneechaos sicher. Dort kann man aus Printen immerhin Skier und Snowboards machen, um voranzukommen.

  3. Ad schreibt:

    ja, bad aachen und seine einegborenen sind ein thema für sich und sicherlich viele seiten eines buches wert. mir persönlich – und ich werde mich an dieser stelle outen, ganz gleich welche konsequenzen das mit sich bringt – war aachen immer unsympathisch, genau wie die paar dutzend leute, mit denen ich dort leider beruflich zu tun haben mußte. und zu der geschichte mit dem „bad“ im namen sagte ich einmal „wer in aachen erholung sucht, der muß wohl in der hölle wohnen“…

    verzeihung. :-)

  4. Heulsuse schreibt:

    Öhöm, dass Sie mich da in diesem Beitrag erwähnen, war so nicht abgemacht … ;-) Und ich bin kein Busfahrer!

  5. Anna Nuehm schreibt:

    Corax, nach Ihrem ersten Satz musste ich zu meinen Herztabletten greifen! Zum Glück ging es ja ganz anders weiter! Mannmann! :-)
    Danke.. ich schreibe jetzt aber bald mal ein Gedicht, meine Gedichte sind Schrott und sturzlangweilig, zufrieden?
    :-)

    Olaf, Sie sind echt ein Kenner der Materie! Aus diesem Grund, Printen als Snowboard, werden hier auch immer die Snowboardweltmeisterschaften ausgetragen. :-)

    Ad, Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen, vollstes Verständnis. ;-)
    Und Bad Aachen ist ungefähr so passend wie „Bad Guantanamo“.
    :-)

    Heulsuse, ja, Heiligs Blechle, jetzt weiß ich, woher Sie mir so bekannt vorkommen!
    Ich hoffe, dieses Outing verletzt nicht die Genfer Konventionen? Wenn doch, werde ich den Text umschreiben und Sie als 1,43 m kleinen Mann beschreiben. Falls Ihnen das lieber ist, sagen Sie Bescheid!

    Herzlichst,
    Anna :-)

  6. MoosP schreibt:

    Spüret den Zorn eines Aacheners!
    Es soll Printen regnen, auf alle Ketzer die Bad Aachen verunglimpfen.

    Aachen ist eine schöne Stadt! Auch das Wetter ist schön. Heute zum Beispiel. Ein leichter kühler Herbsttag mit STRAHLENDEM Sonnenschein (Kein Witz). Die Kaiserstadt Aachen trägt das Wörtchen „Bad“ nicht zu unrecht. Schon Kaiser Karl wusste die heißen Quellen zu schätzen. Was viele nicht Wissen, das Wort Aachen ist abgeleitet aus dem altgermanischen. „Ahha“ ist altgermanisch für Wasser, woraus sich später das lateinische Aquisgranus entwickelte.

    @Ad
    Sie verkehrten bestimmt mit zugereisten Aachenern und keinen gebürtigen. Aachener sind durch und durch nette Leute. Des weiteren sind wir ein leuchtendes Beispiel für die Völkerverständigung, was mit der Lage im Dreiländereck zu erklären ist.

  7. Erdge Schoss schreibt:

    Sie werden es kaum glauben, liebes Fräulein Anna: auch ich liebäugelte einst mit einem Umzug von hier nach dort, also nicht ganz nach dort, aber nicht allzuweit entfernt. Es war nicht zuletzt das immergleiche Wetter, das mich entsetzte. Für die Pflanzen mag das gut sein, aber nur für jene, die in nasskaltem Sumpf gedeihen. Für mich, das war mir schnell klar, war das nichts. Die Sonne schien nur, wenn die Wolken kaputt waren. Und auch der Rest: ein einziger Jammer. Kurzum: Ist es die Liebe oder das liebe Geld, liebes Fräulein Anna, was Sie so lustvoll leiden lässt?

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  8. Anna Nuehm schreibt:

    Marc, alias MoosP,
    haha, aua.. Soeben traf mich eine Printe am Kopf. Du wirst verklagt!
    Und was das Wetter betrifft: na, wie oft hat es heute schon geregnet? Na? Wie oft?? Ja?
    Siehste. :-)
    Na, du bist vielleicht die einzige Ausnahme für einen netten Aachener. Meine Erfahrungen lassen eher auf linke Bazillen im Heuchelgewand schließen. ;-)

    Lieber Herr Erdge!
    wie können Sie nur so etwas schreiben?? Allein die Aussicht, Sie wären fast einmal hierhin gezogen und dann, zerstören Sie die aufflammende Hoffnung bereits im nächsten Satz – das ist zuviel!
    Man reiche mir die Tränenvase oder den Defibrillator. Am besten beides!
    Was mich so lustvoll an diesem schnöden Orte leiden lässt: Einst war es die Liebe, nun ist es das Geld. Und sonst noch so dies und das..
    Zudem aber auch: Worüber sollte ich denn bloggen, wenn alles in Ordnung wäre? Worüber? Worüber???

    Sehen Sie!

    Herzlich
    Ihre Anna Nuehm

  9. Erdge Schoss schreibt:

    Jenseits von Aachen, liebes Fräulein Anna, liegt eine Welt, die man sich, von Aachen kommend, an manchen Tagen für so unglaublich hält, dass … Ich sage nur: keine Printen, kein Dauerregen. Und Weinkarten, auf denen nicht der Bodensatz feil geboten wird, der andernorts im Gulli gelandet wäre, gäbe es nicht jene. In Ordnung ist überall alles nicht, oder umgekehrt. Aber solange es dies und das gibt: wunderbar. Mehr davon.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  10. Anna Nuehm schreibt:

    Lieber Herr Erdge,
    Sie beschreiben diese mir gänzlich unbekannte Welt außerhalb Aachens so schön, man möchte sofort das Wanderstöcklein in die Hand nehmen und frohgemut darauflos wandern, in die weite Welt hinein.
    Dies und das. Jenes und dieses.
    Aber an erster Stelle sehe ich die Bloggerpflichten, die mich an diese Stätte binden. Ähnlich einem Kriegsberichterstatter, Sie verstehen? Einer muss ja hinter den feindlichen Linien sein, nicht wahr? Ja.

    Herzlich
    Ihre Anna Nuehm

  11. Allgäuer Blizzard schreibt:

    Printen zu (Schnee)Pflugscharen!

  12. Anna Nuehm schreibt:

    Ah, ein weiterer Kenner der Materie! Das nennt man kostengünstige Entsorgung von Sondermüll!
    :-)

  13. Ettore Schmitz schreibt:

    Ich war Kaiser in Aachen.

    Und? Was hat es gebracht?

    Wüßte nichts.

    [Karl IV. (Annalen 1245,II,c)]

    Ich war weinender Mann. Und? Was hat es gebracht? Gekotzt hab ich mir Seele aus Leib. Und feine Wein. Gelacht darüber hat Anna. Und? Was hat ihr gebracht? Kellner hat ihr gebracht neue Mann. Äh Wein. Gut so jetzt.

    Wunderlich
    Aaha. Chen Schmitz

  14. Anna Nuehm schreibt:

    Ja, Kellner hatte gebracht neue Mann.
    Neue Mann immer nur lacken, lacken, lacken. hahaha. Und auf Nerven gehen.
    Da hat Anna neue Mann um die Ecke gebracht wieder zurück gegeben.
    So einfach!
    Anna Schuldlos
    Selbstzensur: Dies war natürlich nur ein kleines Späßchen…

  15. Erdge Schoss schreibt:

    Das, liebes Fräulein Anna, sagen sie alle …

  16. Anna Nuehm schreibt:

    Das ist der Wahrheit! Sagt Bruce Darnell auch immer.
    Sie meinten doch die 14, lieber Herr Erdge oder meinten Sie die 10?
    Na, spielt keine Rolle, denn beides ist wahr. Und zwar so was von!

    Herzlich
    Ihre Anna Sowasvon

  17. Pingback: Oldblog » Den Bundestrojaner zuschei..en

  18. Erdge Schoss schreibt:

    Ob 10 oder 14, einerlei, liebes Fräulein Anna. Denn letztlich kommt es doch auf die inneren Werte an, und zwar, um es mit Ihren wunderbaren Worten zu sagen: so was von. Wer in den westfälischen Sümpfen hinter den sieben und nochmals sieben Bergen sein Zelt im Matsch aufstellt und berichtet vom Elend sondergleichen, dabei beweglich und elegant bleibt, höchst charmant noch dazu, der, genauer: die, verdient es, bepalmwedelt zu werden bis zum jüngsten Tag. Und wenn nicht so, dann zumindest so ähnlich.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  19. Anna Nuehm schreibt:

    Oldman, danke für die Tomaten! Ich koch ne Suppe draus!
    :-)

    Lieber Herr Erdge,
    Sie sind wieder so überaus charmant, sowasvon, dass es mich ganz sprachlos macht. So viel Lob und das aus Ihrem Munde, respektive Ihren Tasten. Das kann ich doch gar nicht annehmen! Ähnlich, sagen Sie, ähnlich. Sie sind ja selbst ähnlich, vielmehr genau so!
    Errötend und herzlich,
    Ihre Anna Nuehm

  20. corax schreibt:

    Herr Schoss,

    was meinen Sie denn mit

    westfälischen Sümpfen?

    (stirnrunzelnd) Glück auf!

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