Der Saarländer. Die Erschaffung. Part IV

Am siebten Tage, an dem Gott eigentlich ruhen wollte, trug es sich aber zu, dass ihm schon mittags um zwölf langweilig war und er deshalb zu seiner Frau sagte: „Frau, mir ist langweilig, ich geh dann mal in meinen Hobbykeller und bastele ein wenig vor mich hin.“
Worüber sind Sie jetzt überraschter, dass Gott einen Hobbykeller hat oder über seine Frau? Natürlich braucht er einen Hobbykeller, denn sonst würde der ganze Kram im Wohnzimmer herumliegen und davon wäre seine Frau gar nicht begeistert, denn sie sitzt abends gerne in Ruhe auf der Couch und strickt. Momentan an einem Poncho. Mit Fransen!
Und ohne Frau wäre Gott schon so manches Mal ganz schön aufgeschmissen! Na, was denken Sie denn, wie er all die schönen Tiere, Farben, Modestile, Frisuren erschaffen hat, wenn er dabei alleine gewesen wäre? Alleine hätte er wahrscheinlich nur zwei Tiere kreiert, ein großes, ein kleines, fertig. Aber Dank der kreativen Ader seiner Frau wurden da ein paar mehr draus. Und auch bei den Schuhen hat sich seine Frau so richtig ausgetobt, aber das war, als Gott schlief und am nächsten Tag gab es da auch ein bisschen Ärger, wegen Kompetenzüberschreitung, aber das gehört jetzt nicht zum Thema.

Gott also im Hobbykeller, seine Frau kochte Mittagessen. Sie rührte im Topf mit dem leckeren Fleischragout und Gott rührte in seinen Töpfen, also moderne Arbeitsteilung, wobei er so dachte: „Hmmm.. irgendwie fehlt mir da bei den Menschen noch so ein komplett durchgeknalltes Exemplar.. So ein bisschen anders als die anderen, aber sehr liebenswert, chaotisch, genial, mit Herz, also ein bisschen so wie ich.. aber auch so kreativ wie meine Frau… und essen sollen sie auch gerne.. trinken auch“. Und als Gott so seinen Gedankengängen nachhing, strömte von oben der leckere Fleischduft als geballte Ladung in seinen Hobbykeller, denn die Abzugshaube war kaputt und der Monteur sollte erst nächste Woche kommen, und zog in seinen Topf, beziehungsweise schlug sich dort als Dunst nieder, verwandelte sich in einen Tropfen, sammelte sich am Topfrand und fiel in Gottes angerührten Menschenrohmassenbrei.
Gott betrachtete diesen Vorgang fasziniert und murmelte „Hey, cool… da bin ich ja mal auf das Ergebnis gespannt..“, nach oben rief er „Frau, tu mal ordentlich Maggi in das Fleischragout, sonst ist das wieder so lasch!“ und kaum hatte er das gesagt, durchfuhr ihn der Blitz der Erkenntnis, er rannte nach oben, riss seiner verdutzten Frau das Maggifläschchen aus der Hand, stürmte wieder zurück in seinen Hobbykeller und würzte seinen Brei mit einem ordentlichen Schuss Maggi.
Dreimal. Viermal. Fünfmal. Fertig.
Da Gott beim Erschaffen auch gerne mal ein Bierchen trinkt oder ein Glas Wein und weil er an diesem Tag in Experimentierlaune war, schüttete er ganz spontan erst einen guten Schuss Bier, dann eine halbe Flasche Wein in seinen Topf, rührte dann begeistert und ein bisschen hektisch darin herum. Dabei stieß er versehentlich an das Regal, auf dem er die ganzen Nationen gestapelt hatte.
Oben hörte Frau Gott plötzlich einen lauten Schrei aus dem Keller. „Oh, Gott nein!“. Leicht beunruhigt rief sie zurück: „Was ist denn passiert?“. Gott jammerte: „Oh, nein! Jetzt sind mir beim Anrühren ein paar Franzosenrohlinge in den Topf gefallen! Aber auch ein paar Deutsche! Jetzt muss ich wieder von vorne anfangen!“ Sie beruhigte ihn: „Das macht doch nix. Das gibt bestimmt eine interessante Mischung..“
Gott dachte bei sich: „Hmmm, da hat sie bestimmt wieder Recht… Ich lass das jetzt einfach mal so. Mann, bin ich heute wieder kreativ! Jetzt brauch ich nur noch einen guten Namen…Da hat sie bestimmt auch wieder ’ne gute Idee..“ und laut rief er:
„Frau, wie soll ich die denn nennen, die liebenswerten Chaoten, die gerne gut essen, ein Drittel Franzosen sind, ein Drittel Deutsche und ein Drittel sie selbst?“
Sie war ganz ins Kochen vertieft, hörte ihn gar nicht, bat ihn aber rein zufällig: „Kannst du gleich mal ’ne Dose Sardinen mitbringen, wenn du fertig bist?“
Gott verstand nur „Sardinen!“ und war sehr verwundert: „Sardinen soll ich die nennen? Aber es gibt doch schon Sardinen, die komischen kleinen Fische, die sie sich neulich ausgedacht hat, als wir so am herumalbern waren… Sardinen?? Nee, meine Liebste.. nee… neee. Sardinen??? Sardinenmenschen? Ach nee, das ist blöd.. Sardinenwäldler? Sardinenländler? Nee. Sardinenfranzosendeutsche? Quatsch. Sardinen-Franco-Allemannen-Ländler?? Hmm. Sardellenfranzdeutschländerwürstchen? Nein, auch nicht… hmmmm… Ahhh, ich habs! Ich nenne sie Sar-Länder! Ja! Das ist spannend, das ist verrückt, das ist crazy! Das gefällt mir!“

Und während er weiter in seinem Topf rührte, warf Gott aus einer verrückten Laune heraus einfach noch ein paar Magnete in den fast fertigen Brei hinein, nahm einen Schluck aus seiner Weinflasche und lachte: „Ha, und so habe ich sicher gestellt, dass die Saarländer sich untereinander nicht nur mögen wie verrückt, sondern dass sie sich auch immer blindlings erkennen, egal wo sie sich gerade auf der Welt befinden. Witzig, hihi.“
In diesem Moment rief von oben seine Frau „Essen ist fertig!“ und Gott rief „ Ich auch!“
Tja, und genau so wurden die Saarländer erschaffen. Deshalb auch kein Wunder, dass sie so sind, wie sie sind. So insgesamt so. Und überhaupt.
Kein Wunder war es aber auch, dass Gott sich später ein ganz kleines bisschen über das Fleischragout beschwerte. Und wissen Sie auch warum?
Da war zu wenig Maggi drin, ist klar! Aber sonst war er insgesamt sehr zufrieden und seine Frau auch.

So, und wenn Sie das Ganze noch mal verkürzt und zusammengefasst als Film sehen wollen, bitte sehr. Ich hab es zwar hier schon mal verlinkt, aber weil es so schön ist, noch ein zweites Mal.
Ihr Auftritt bitte, Herr Stefan Abendschön. Legen Sie los.

Fortsetzung: Liebe 30 bis 40 Millionen Leser, wenn Sie wissen wollen, wie sich diese Zutaten Gottes auf das Leben der Saarländer ausgewirkt haben, und was sie den ganzen Tag so machen, dann lesen Sie demnächst hier weiter, wenn es heißt:
Saarländer. Once again.
Untertitel: Sind Saarländer besessen von sich selbst?
Unteruntertitel: Ja, denn sie haben allen Grund dazu!

Ihre Anna Nuehm

Über Liv Maxx

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12 Antworten zu Der Saarländer. Die Erschaffung. Part IV

  1. corax schreibt:

    Frau Anna,

    sie sind der beste Saarländer den ich kenne.

    Bis vor kurzem dachte ich noch, das Saarland bringt bloß zwergwüchsige halbglatzige sozialistische dummschwätzende machtbesessene heilsversprechende Demagogen hervor, und Heinz Becker, was auch kein soo großer Unterschied wäre.
    Und Bergbau. Aber nur sonnen halben abgestahlten,
    nicht sonnen echten wie wir hier im Pott.

    Sie haben mein Weltbild wieder zurechtgerückt und das Saarland gerettet, sie ganz alleine. Toll. Respekt.

    Tags: Mann mit Frauenfrisur / männliche Stimme / Gott / Picknick mit Wein und Brot

    Glück auf!

  2. Erdge Schoss schreibt:

    Maggi, Bier, Wein … ich fass es nicht, liebes Fräulein Anna. Magnete, Begeisterung, Hektik auch. Werden Saarländer heute immer noch so angerührt oder ist das ein Rezept der ebenso zu Unrecht fast in Vergessenheit geratenen wie mutmaßlich probierenswerten ancient cuisine?

    Fragt sich
    Ihr Erdge Ducasse

  3. Anna Nuehm schreibt:

    Lieber Corax,
    ich danke Ihnen. Wenn ich etwas für die Völkerverständigung tun konnte, und Sie jetzt ein Fan von Saarländern sind, dann ist das schon viel mehr, als ich jemals erhoffen konnte, dass ich das erreichen würde.
    Ich freue mich aufrichtig.
    Und wieder einmal haben Sie mir einen so schönen Clip ausgesucht, noch dazu ein Sänger mit einer so tollen Stimme. da sag ich nur: MMMM MMMM!
    Vielen Dank,
    Anna :-)

    Lieber Erdge,
    auch heute werden die kleinen Saarländer noch genau so angerührt. Begeisterung, Hektik, Maggi und Wein.
    Was ich vergaß zu erwähnen, was man aber zwischen den Zeilen erkennen kann: Leidenschaft ist natürlich auch dabei.
    Ohne die geht garnix!

    herzlich
    Anna :-)

  4. Erdge Schoss schreibt:

    Ich, liebe Anna, verbeuge mich vor Ihrer Weisheit.

    Au … Nichts, nichts, liebe Anna.
    Nur das Alter …

    Herzlich
    Ihr Erdge

  5. corax schreibt:

    Frau Anna,

    das scheint mir aber ein gefährliches Pflaster zu sein, wo sie hingezogen sind. Sowas wäre im Saarland bestimmt nicht passiert, so ohne Infrastruktur und Parkhäuser. Haben sie keine Angst?

    Kein Nudelsalat auf Autodach aber Verkäufer auf Motorhaube und vorwärts kreativ ausparken

    Glück auf! (besorgt)

  6. Anna Nuehm schreibt:

    Lieber Erdge,
    ich hoffe, die Hexe hat Ihnen nicht ins Bein geschossen….
    Ich wäre untröstlich, noch dazu passierte das in meinem Blog! Aber ich bin krankenversichert, keine Sorge.
    Sämtliche Reha-Maßnahmen bezahlt die BKK-Blogkrankenkasse-NRW-Schleswig-Westfalen-Mitte-Lippe-Züpelich-Inc-com-KHG-Ev-Z.

    Generös,
    Ihre Anna

    Lieber Herr Corax,
    Ihre Besorgnis rührt mich, ist aber ziemlich unbegründet, da ich Besitzerin mehrerer Gürtel bin. Schwarz-rosaner-Samurai-Gürtel.
    Die braucht man schon mal hier in der Aachener Broncks, äh, Brongz, Brontzz, ich meine natürlich
    SLAMMS!

    „Nudelsalat auf dem Autodach“ ist übrigens eine sehr schöne wahre Begebenheit und wird demnächst mal veröffentlicht.
    Kliffhängerisch
    Ihre Anna :-)

  7. Olaf schreibt:

    Hauptsach‘ gutt gess…
    Immer wieder lieblich, dieses so freundlich-ironische Portrait eines weinbau- und schlemmfähigen Völkchens.
    Huldigen wir Stefan Abendschön.
    Und es ist eine schöne Geschichte, die Sie da erzählt haben.

  8. Anna Nuehm schreibt:

    Olaf, Sie sagen es. Kann man gar nicht oft genug anschauen.
    Und wahre Geschichten erzählen sich wie von selbst…
    Danke! :-)
    Anna

  9. BaziND schreibt:

    Ich werde dich in die Abteilung Desinformation versetzen müssen, natürlich als Abteilungsleiterin:

    Gott ist eine Frau!

    Meine Verehrung dem schönen Herrn Abend :-)

  10. Anna Nuehm schreibt:

    Herr Oberbazi,
    Desinformation ist mein Steckenpferd, von daher… Obwohl ich nach wie vor leidenschaftlich gerne Profile profile und eines am Vorbereiten bin, ha!

    Gott ist ne Frau, für diese Weisheit sind nicht alle Menschen reif genug!
    Anna :-)

  11. corax schreibt:

    Frau Anna,

    Ihre Besorgnis rührt mich, ist aber ziemlich unbegründet, da ich Besitzerin mehrerer Gürtel bin. Schwarz-rosaner-Samurai-Gürtel.
    Die braucht man schon mal hier in der Aachener Broncks, äh, Brongz, Brontzz, ich meine natürlich
    SLAMMS!

    Aha, na Jott sei dank. Jetzt versteh ich; wo sie doch in so Aachenern Slamms verkehren ist ein Gürtel natürlich unabdingbar. Schließlich gibts bei ihnen ja furchteinflößende Jugendgängs. ;-)

    Aachen – hier ist der Tod zuhaus/Wir scheißen auf die Polizei/ Herzlich Willkommen in der Hölle aus Beton/ Pass lieber auf willst du den Tag erleben

    Muhahahahaha und bald ist wieder Hällowien. :-)

  12. Anna Nuehm schreibt:

    CORAX!!! :-)
    Sie wollen mich wohl umbringen! Hab mich fast totgelacht!
    LACHMICHWEG.
    Ich meine natürlich: ich fürchte mich zu Tode, vor diesen gruseligen Gangsta-Rappern mit ihrem schlimmen, schlimmen Kampfhund!
    Boah, ne, Corax, you made my day.
    Ernsthaft jetzt.
    „Aachen, Leute, rückt die Kohle aus,
    Aachen, Alter, hier ist der Tod zu Haus..“
    Prust….
    Danke, gute Nacht. :-)
    Anna MC Doublerap slash DMC

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