Nuehm goes Doc Kimble

Nicht so wirklich gesundet, aber in umso größerer Bedrängnis schreibe ich folgende Zeilen auf der Flucht, mit einem Laptop auf den Knien, in Reichweite eines der ungezählten Hotspots in Deutschland irgendwo auf der Welt. Sehr weit weg von daher, wo ich immer lebte, früher einmal, bevor das alles geschah:

Vor einigen Tagen war mein Leben noch in Ordnung. Na, okay, nicht so ganz, es war halt nuehmlike und irgendwie lösten sich fast alle Probleme immer halbherzig auf, zwar zu meiner großen Überraschung, aber dafür kamen als Ersatz sofort ein paar neue angerollt. Alles also wie immer. Bis zu diesem verhängnisvollen Montag.
Ich schlenderte brachial-bronchial hustend durch die Fußgängerzone Aachens und nach einer spontanen Eingebung meinerseits, beschloss ich ebenso total spontan, in den von mir sehr geliebten und geschätzten Dom mit dem weltberühmten Oktagon zu gehen, um dort zu meiner schnelleren Gesundung eine Kerze anzuzünden und zwar für mich selbst.

Okay, Sie werden jetzt sagen „Aber das macht man doch nicht! Pfui! Das ist doch voll egoistisch! Man zündet Kerzen nur für andere an!“ und genau das hatte ich mir selbst in einem inneren Dialog auch schon gesagt. Aber meine Antwort darauf war ein lakonisches „Na und? Wer sollte denn schon für dich eine Kerze anzünden?? Also Nuehm, gehste halt selber hin und machst das. Tut ja eh keiner für dich. Sei pragmatisch, sei smart, sei clever, sei also mal ganz anders als sonst und geh in den Dom.“ Meine Antwort „Ja, aber..“ wischte ich mit einem kaltblütigen „Halt die Klappe, Nuehm!“ beiseite und begab mich sofort in der Dom.

Und gerade als ich dort stand, das zitternde Kerzlein in der Hand, in Gedanken meine 51.000 Sünden durchgehend, was bestimmt noch mehrere Stunden der öffentlichen Selbstgeißelung in Anspruch genommen hätte, ereignete sich das Verhängnis. Eine Frau betrat den Dom und just in dem Moment, als der in Dolch & Kabbala gehüllte Dompropst mit einem Liederbuch in den Altarraum steuerte, bekam sie einen mächtigen Hustenanfall, der den Dompropst mit voller Wucht traf.
Aber so richtig volle Kanne!
Das war vielleicht mal ein Husten!
Aber Windstärke 18!

Vor meinen entsetzten Augen wurde die Soutane des Propstes hochgewirbelt und ich erhaschte einen Blick auf sein schwarzbestrapstes, muskeldurchzogenes weißes Männerbein, das nahtlos in einen roten Baumwollschlüpper überging, auf dem groß „TCM by Tschieber“ stand.
„Aha“, konstatierte ich ernüchtert. „Das ist ja typisch, außen Dolch, innen Tschieber.“ Aber da wurde er auch schon vom zweiten mächtigen Huster erfasst, in die Luft gewirbelt und es traf ihn mit voller Macht die Wucht des Oktagons! Wie eine menschliche Billardkugel wurde er über acht Banden gespielt, bevor er mit einem langgezogenen Aufschrei im Kellerloch festlichen Eingang zur ehrwürdigen Grabgruft verschwand.
„Heidewitzka,“ dachte ich mit einer Mischung aus Entsetzen und Bewunderung. „Das nenn ich mal einen Treffer.“
Nur wenige Sekunden später ertönten Polizeisirenen und der wild hereinstürmende Inspektor Gerhards vom Aachener Polizeibüro Innenstadt-Mitte-Bushof-Arkaden-Kaiserplatz-West schrie mich an, die ebenso unschuldig wie vom Donner gerührt immer noch da stand und das kleine Kerzlein in der Hand hielt: „Was tun Sie da?? Wer sind Sie? Warum?“. „Tja“, dachte ich noch, „Wenn ich das mal selbst wüsste.“
Und fatalerweise, wie es für Frau Nuehm typisch ist, wenn es schon ziemlich beschissen aussieht, dann tut Frau Nuehm etwas, wodurch sich die Schlinge um ihren Hals noch schneller und enger zuzieht, ereilte mich plötzlich ein Hustenanfall! Ein sehr heftiger. Aber hallo.
Inspektor Gerhards kreischte sogleich: „Ergreift sie! Sie war’s!
Ich schrie zurück „Ich war’s nicht! Ich bin unschuldig!“ und er brüllte hysterisch „Das ist mir scheißegal!!“. Da erkannte ich blitzartig, dass irgendwelche mehrstündigen Verhandlungsgespräche fehl am Platze sein könnten und machte mich pfeilschnell aus dem Staub.
Es gelang mir unbemerkt wie ein verstohlener Golem in den engen Gassen der Altstadt zu verschwinden. Wenngleich ich eine verheerende Schneise der Verwüstung hinter mir ließ, denn bedingt durch die Aufregung hatte sich mein schlimmer Husten noch mehr verschlimmert und traf mit aller Macht einen Rehpinscher, der zu Boden geschleudert wurde und dem es sein seidenes Mäntelchen zerfetzte, einen Yorkshireterrier, der traumatisiert noch Stunden später wie versteinert da stand und einen Malteser, der umgehend einen Hörsturz erlitt. Vom dem er aber wieder vollständig genas, nur wenige Jahre später.

Tja, und so sitze ich jetzt hier. Im Untergrund. Und gehe auf Tauchstation. Verstecke mich vor der Welt, meinen Verfolgern, meinen Sünden und mir selbst. Auch wenn ich weiß, dass dies im Grunde ziemlich sinnlos ist.
Aber man kanns ja mal versuchen. Stimmt’s?

Über Liv Maxx

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19 Antworten zu Nuehm goes Doc Kimble

  1. Horion schreibt:

    Arme Frau Nuehm,

    sollte es sie auf ihrer zweifellos zu erwartenden Odyssee durch die Republik in unsere hässliche, aber angeblich ach so kreative Hauptstadt verschlagen, so möchte ich ihnen schon mal Asyl in form eines Schlafplatzes in einer eher ruhigen und grünen Ecke derselben anbieten.

    Hier können sie sich bei anständiger Atzung von den Fairnissen ihrer unverschuldeten Flucht erholen und für einige Tage der Illusion anheimfallen, ihr früheres Leben als *Normal-Bekloppte*wäre zu ihnen zurückgekehrt – und all ihre Sünden vergeben… (- nur diese Hustenanfälle bitte ich vorher weg zu kurieren, etwaig durch die Wohnung geschleuderte Möbelstücke würden meiner Solidarität/Zuneigung doch erheblich schaden)

    Mit möglicherweise auftretenden Polizeikommissaren könnten wir uns filmreife Verfolgungsjagden liefern (mit längeren Verschnaufpausen an einem der zahlreichen Seen hier am Ort – man will sich ja nicht gleich überanstrengen ^^), falsche Spuren legen, und gemeinsam diabolische Fluchtstrategien entwerfen, an denen die Strafverfolgungsbehörden in gänze vollständig verzweifeln…

    …und vielleicht können wir ja bei einem gemeinsamen Kirchenbesuch (selbst in unserer protestantischen Diaspora finden sich einige Gotteshäuser papistischer Prägung), gemeinsam das eine oder andere Kerzlein entzünden, wodurch angenommene höhere Wesen milde gestimmt und möglicherweise zu Intervention in ihrer Sache veranlasst werden könnten, was wiederum ihnen, liebe Frau Nuehm, die Rückkehr in ihr altes (inzwischen schwer vermisstes) Leben ermöglichen würde…

    mit mitfühlenden Grüssen
    Horion

  2. Anna Nuehm schreibt:

    Horion,
    vielen Dank für Ihr Mitgefühl und Ihre Solidarität in den schweren Stunden meiner Verfolgung.
    Sollte mich meine Odyssee in die Hauptstadt verschlagen, würden mir alle Ihre Vorschläge sehr gut gefallen, angefangen bei „Illusion“, über „Normal-Bekloppt“, bis hin zu „diabolische Fluchtstrategie“ und „höhere Wesen“.
    Das hat was!
    Momentan sitze ich in einem Gewölbe unter der Seine, an einem geheimen Ort in einer noch viel geheimeren Stadt.
    Ich plane aber, demnächst ins Klinikum Aachen einzubrechen, um dort alle Krankenakten von Personen mit Husten zu stehlen, um somit den wahren Verbrecher zu stellen. Aber ob das klappt?

    Herzlichen Dank für Ihr Fluchthilfeangebot,
    Anna :-)

  3. Erdge Schoss schreibt:

    Wäre ich der Staatsanwalt oder Kommissar bei der Spurenfahndung, liebe Anna, ich würde Sie auch sofort verhaften lassen. Das geht doch auf keine saarländische Kuhhaut mehr, wie Sie hier versuchen, sich aus der Sache herauszulavieren!

    Waren nicht Sie es, die unlängst erklärte, dass der Aachener Dom „ihre Wohnung“ sei? Was hatte dann der Pfaffe dort zu suchen? Wie kam der da hinein und warum trug er diesen Fummel?

    Sie müssen zugeben, liebe Anna, da muss man schon eine von diesen hässlichen rosaroten Brillen aufsetzen, für die sich heutzutage selbst Elton John schämt …

    Herzlich
    Ihr Hoover Schoss

  4. corax schreibt:

    Herr Schoss,

    ich glaube das war der Komplize von dem hier und der war selber auf der Flucht. Für den geplanten Videoabend hatte er sich nämlich extra in Reizwäsche geworfen.

    Frau Anna,

    Kalkutta liegt am Ganges …

    Ich hab Ihren Musikwunsch eingestellt, leider etwas verspätet. Soll nicht wieder vorkommen, also das mit der Verspätung. Sie müssten eigentlich wissen wo, Frau Tina feiert da schon Partys.

    Glück auf der Flucht! :-)

  5. corax schreibt:

    ***********************************************

    Herr Schoss,

    ich glaube das war der Komplize von dem hier und der war selber auf der Flucht. Für den geplanten Videoabend hatte er sich nämlich extra in Reizwäsche geworfen.

    Frau Anna,

    Kalkutta liegt am Ganges …

    Ich hab Ihren Musikwunsch eingestellt, leider etwas verspätet. Soll nicht wieder vorkommen, also das mit der Verspätung. Sie müssten eigentlich wissen wo, Frau Tina feiert da schon Partys.

    Glück auf der Flucht! :-)

    ***********************************************

    PS: Die Sternchen sind bloß da weil WP wiedermal spinnt.

  6. corax schreibt:

    So, mit dem hier, sind’s jetzt genau 2 Kommentare zuviel.

  7. Anna Nuehm schreibt:

    Lieber Herr Schoss,
    Sie können mich doch nicht in meinem eigenen Blog verhaften! Das geht doch nicht!
    Also ich verweigere die Aussage. Ich möchte sofort einen Anwalt.
    Lesen vielleicht Anwälte mit?
    Kann mich jemand juristisch beraten?
    Und der Pfaffe war nur deshalb anwesend, weil er nach Dienstschluss für Joey’s Pizza arbeitet.
    So. Ich hoffe, das ist geklärt.
    Herzlich
    Ihre Anna :-)

    Herr Corax,
    Heiliger Bimbam, also damit hab ich nix zu tun.
    Pizzadienst, es war der Pizzadienst!
    Wie wo was? Video eingestellt? Ich kapier mal wieder überhaupt nix.

    Tina, wo sind Sie? Helfen Sie der armen Frau Nuehm mal auf die Sprünge.
    Danke für die vielen schönen Kommentare, Corax. :-D
    Glück auf! :-)

    PS: Ich habs gefunden, Corax, danke!

  8. Erdge Schoss schreibt:

    Was Major Corax (Inschpekter gibt’s kaan), liebe Anna, da an Beweismaterial vorführt, überzeugt mich fürs Erste. Doch freuen Sie sich nicht zu früh, alle Zweifel sind damit noch nicht vom Tisch.

    Und dann das Rumgeschleuder von dem Herrn. Da reicht doch eine handelsübliche Erkältung nicht aus! Für mich riecht das nach irgendeinem paraübersinnlichen Zinnober: Logen, Illuminati und ähnlicher Budenzauber. Wahrscheinlich weiß Major Corax wieder mehr …

    Herzlich
    Ihr Advokat Schoss

  9. Westpfalz-Johnny schreibt:

    Am besten Feiern, liebe Anna! Feiern Sie Ihren Husten raus, Ihre Verfolger ab und sich selbst wieder gesund! Feiern hilft (fast) immer!

    Let’s rock!

  10. Statistik-Queen schreibt:

    Frau Anna, das geht leider nicht, ich darf nämlich nichts sagen und meckern auch nicht. Wurde mir verboten, eigentlich :-) Aber … niemand hat was von einer Verlinkung gesagt!

  11. Anna Nuehm schreibt:

    Lieber Herr Schoss,
    Freiklempner. Eine Geheimloge, noch geheimer als die Freimaurer.. Mehr darf ich nicht sagen…
    Aber Major Corax weiß natürlich mehr, so wie immer.

    Herzlich
    Anna freimauernde Klempnerin :-)

    Dear Johnny,
    Sie sagen es. Feiern hilft fast immer. Auch in den Gewölben unter der Seine lässt es sich feiern.
    Aber mit Schmackes…
    Rock’n Roll…
    Anna :-)

    Frau Tina,
    ich bin ja kein völliger Blindfisch. Zumindest nicht immer! Ich habe natürlich in Ihre Blogrolle gespäht. Haha!
    Somit weiß ich eh alles.
    *pfeif
    Anna :-)

  12. Westpfalz-Johnny schreibt:

    Gerade unter den Gewölben, dann ist es ja auch „real Underground“… ;-)

  13. FrauvonWelt schreibt:

    AAAAcccchhhhttttuuuuuuuuuuuuuuunnnggggg……. Vollbremsung! Mensch, Anna, unser Ferrari ist schon nen bisschen verstaubt, aber fährt noch wie ne gelutschte Eins. Los, springen Sie rein. So, und wenn Sie jetzt bitte mal nach hinten husten würden, kommen wir auch schneller hier weg. Auf geht’s. Wir düsen nach Trinidad und Tabasco, da badet gerade ein Freund von mir.
    Sie machen aber auch wieder Sachen. Halt! Ihr Laptop. Vergessen. So, jetzt. Ab dann. Wow, brachial bronchial trifft es wirklich sehr gut. So dauert die Reise keine zwei Minuten. Sie sollten sich Ihren Bronchialantrieb patentieren lassen, sich an die NASA wenden… okay, machen wir alles von Trinidad aus. Heute gibt es da Rippchen mit Kraut und Kartoffelpüree.

    Angeschnallt und volle Pulle
    Ihre RetterinvonWelt

  14. Anna Nuehm schreibt:

    Johnny,
    so soll es geschehen. Wenn da nicht, Moment, ich hör doch da was… klingt wie ein Ferrari mit quietschenden Reifen?
    Ja, ist es denn zu fassen, es ist die.. [Vorsicht, sehr eleganter Übergang, bitte rutschen Sie nicht aus!]

    … liebe FrauvonWelt,
    endlich! Das sind Sie ja!!!
    Sie sind meine Rettuuuuuuuuuuuuung! Jetzt warten Sie doch, bis ich hinein gesprungen bin..*hechelhechz..schnauf*

    Ich bin ja nicht so schnell, wegen meines Hustens, ist klar, ansonsten würde ich glatt den Ferrari überholen..
    Das Ziel müssen wir aber geheimhalten, sonst wird das nix mit dem Untergrund.
    Wie wäre es denn mit Bollermann auf Majorka? Oder auf die Zätschellen? Oder lieber nach Sankt Lambrusco?
    Das nenn ich mal ein Angebot! Aber so was von eins!
    Und noch Rippchen, das Leben kann so schön sein.
    Juchhu!
    Nicht angeschnallt, aber guter Dinge und ganz besonders
    herzlich
    Ihre Anna! :-)

  15. Ettore Schmitz schreibt:

    Weg sind se.
    So ein Scheißdreck.

  16. Westpfalz-Johnny schreibt:

    Bollermann? Lambrusco?? Und dann noch Rippchen???
    Vorsicht, sonst landen Sie noch bei den Wätz Wichteln!

  17. Anna Nuehm schreibt:

    Werter Ettore.
    *Brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrroooaaaaaam

    Herr Johnny,
    das ist an der Grenze zur seelisch-geistig-moralischen Zerrüttung! Ich und die Wätz Wöchteln!
    Tztztz…
    Anna :-)

  18. Martina schreibt:

    Heute nachmittag stand ich die ganze Zeit mit einem Schild in der Hand an unserer Landesstraße, in der Hoffnung, dass Anna und FrauvonWelt im nen Ferrarie angerast kommen. Gerne hätte ich beide in unsere Wallachei gelotzt, wo garantiert keiner sie finden könnte. Dass ab und zu die Awacs-Maschine über uns fliegt, weil ihr Stützpunkt in Köln-Wahn ist, vergesse ich mal ganz schnell, denn das spielt keine Rolle(x).

    Nun hoffe ich auf ein neues Lebenszeichen der beiden.

  19. Anna Nuehm schreibt:

    Liebe Martina,
    ich befürchte, wir waren einfach zu schnell. Aber das mit der Wallachei klingt total aufregend und vielversprechend! Und die Awacs-Maschine ist doch ein Superfluchtgerät.
    Also, für den Fall der Fälle, pumpen Sie schon mal die Luftmatratze auf… Aber pssst.

    Anna :-)

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