Letters from the Saarland (3)

Fortsetzung von hier

Manchmal bleibt im Saarland die Zeit einfach stehen, wie in einem Film, den man anhalten kann. Man betritt die Szene, alle sitzen unverändert da, wie man sie an Weihnachten verlassen hat. Man hüpft geschmeidig ins Bild und mit einem „rrrrrrrttssssttttt“ läuft der Film dann weiter. Inklusive Nuehm.

Rindfleischsuppe, Rindfleisch und Remouladensauce, Rohkostsalat, von Opa als „Hasenfutter“ diffamiert.
Opa Fränz: „So Liesel, jetzt aber mal Butter bei die Fisch. Wat machscht du jetzt bei den Wörtz Wächtels?? Isch will dat jetzt wissen. Hopp.“
Tante Liesel: „Ei jo. Ich geb denen Geld, damit ich weniger ess.“
Opa Fränz: „Liesel!!!“
Onkel Pit: „Liesel!!!“
Tante Thea: „Liesel!!!“
Onkel Herbert: „Isch lass mich scheiden..“
Opa Fränz: „Ei Liesel, bischt du denn noch zu retten?? Wat für ein Idiot hat eben noch gesacht, die Wartz Wächtertten wären so schlimm wie die Zündologen??“
Tante Thea: „Ei du, Opa Fränz.“
Opa Fränz: „Ei nee, wisst ihr watt? Die sind noch viel schlimmer als wie die Zündologen von dem Toni Krutz! Die nehmen wenigstens nur Geld, dass man weniger denkt!“
Alle: „Ei jo.“

Rollbraten, Kartoffelgratin, Gemüseplatte, Schnitzel, Filet, Schwenker, Pilzsoße, Spargel und zur Deko ein Blatt Salat
Opa Fränz: „Liesel. Warum machscht du denn so wat?“
Tante Liesel: „Ei, isch will auch mol so aussehen wie de Heider Klomm und bei de Ficktoringers Zickretz de Engelsflügel tragen.“
Opa Fränz: „Häh? Engelsflügel? Ja, ist denn schon wieder Weihnachten, oder wat?“
Tante Thea: „Nee Opa, Weihnachten dauert noch.“
Onkel Herbert: „Ei Liesel, da musst du aber net bei die Wätz Wichteln gehen. Sondern bei den Doktor Frankenstein, für ne komplett neuen Kopp.“
Tante Liesel: „So Herbert, jetzt reicht et aber! Isch brenn jetzt durch.“
Onkel Herbert: „Ei, mit wem denn?“
Tante Thea: „Ja, mit wem?“
Tante Liesel: „Ei mit mir selber! Und wenn dat net klappt, dann geh ich halt in de Fernseh und werd Tschörmännings Nächst Tops Moddel.“
Onkel Herbert: „Liesel, wenn du net bald mal zur Vernunft kommscht, dann isset aus. Aus und vorbei!“
Tante Thea: „Du bischt jo auch kein 17 mehr!“
Tante Liesel: „Ei aber auch net so viel älter!“
Onkel Pit: „Jo Liesel, is klar. Nur knapp 40 Jahr…“

Obstsalat, Vanilleeis, Himbeeren, Schokoeis, Mousse au chocolat, Erdbeereis, Vienetta Zitrone, Tiramisu, Stracciatellaeis
Tante Liesel: „Na und. De Jüppie Hässler ist schon 110 und tanzt immer noch wie ne schwangere Jungfrau.“
Tante Thea: „Na und. Und de Britnick Spörs ist erst 20 und fertisch mit der Welt!“
Tante Liesel: „Also wat willste denn damit jetzt sagen? Ich bin doch net de Britnick!“
Onkel Pit: „Ei jo.“
Onkel Herbert: „Ei nä! Dat wüsst isch…“
Tante Liesel: „Ei wieso dann? Ei jetzt geht’s abber los! Isch zieh immer ne Unnerbux an! Sogar wenn isch zum Schlecker geh!“
Opa Fränz: „Bei de Lidl sollt man auf jeden Fall ne Unnerbux anhann, sonscht wird man da gefilmt und kommt bei de ganze Spanner in de Internet.“
Tante Liesel: „Oh Gott, bei all de Spanner in die Internet!?? Dat is ja schlimmer als Soda und Golgota!“
Tante Thea: „De Heider Klomm hat aber gesagt, ohne Unnerbux würd man sofort ne Tops Moddel werden. Dat wär quasi so ne Voraussetzung.“
Onkel Herbert: „Watt???!!“
Onkel Pit: „De Heider!!!“
Tante Liesel: „Oh nä!“
Opa Fränz: „Also dat hätt ich jetzt net gedacht. Die sieht doch so anstännisch aus. Tja, so kann man sich täuschen.“

Kaffee, Espresso, Pralinen, Schokolade, Schnaps und Bier
Tante Thea: „Willschte jetzt immer noch Tops Moddel werden, Liesel??? Ohne Unnerbux??“
Tante Liesel: „Hmmm…“
Tante Thea: „Also bei deiner Zellerlutis, ich würd mir dat aber gut überlegen, Liesel!“
Opa Nuehm: „Liesel, du wirscht enterbt. Ohne Unnerbux – dat hat et bei uns in der Familisch noch nie gänn!“

Käsekuchen, Schwarzwälderkirsch, Holländer Schnitten, Donauwelle, Marmorkuchen
Onkel Pit: „Ei Opa, wie war dat denn noch mol mit dem Opa Oswald, dein Bruder?“
Opa Fränz: „Ei wat für ne Bruder?“
Onkel Herbert: „Ei Opa. Dein Bruder. Der wo immer nackisch auffem Mofa gefahren is. Sommer wie Winter.“
Opa Fränz: „Ich besitze keinerlei Bruder! Mehr!“
Onkel Pit: „Au weia, de Opa schwätzt hochdeutsch.“
Tante Thea: „Uiuiui uiui.“
Onkel Herbert: „Scheiße.“
Tante Liesel: „Deckung!“
Opa Fränz: „RUHE JETZT!! ISCH BIN DE MONARSCH HIER VON DER SIPPE UND WAT ISCH SAGE WIRD GEMACHT!!!
Alle: „…..“

Stunden später. Schnittchen.
Opa isst das 15. Schnittchen mit rohem Hack.

Opa Fränz: „Anna, jetzt sach du doch auch mal wat. Du wohnscht doch in der Stadt und kennscht dich aus!“
Anna: „Äääääääh….“
Opa Fränz: „Siehschte, Liesel. Et Anna hat gesprochen. Dat mit den Topmoddeln ist Quatsch und bei de Wörtz Wänker gehscht du auch net mehr hin. Basta.“

Über Liv Maxx

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21 Antworten zu Letters from the Saarland (3)

  1. corax schreibt:

    Jetzt bin ich pappsatt.

    Glück auf! :-)

  2. Anna Nuehm schreibt:

    Sie sollen lesen, nicht essen!
    Glück auf! :-)
    Ps: Vielleicht sollte ich die Kalorienangaben für den letzten Beitrag hinzufügen..

  3. corax schreibt:

    […]
    Rindfleischsuppe, Rindfleisch und Remouladensauce, Rohkostsalat, […] Butter bei die Fisch.
    […] ess.
    […] „Ei jo.“[…]
    Rollbraten, Kartoffelgratin, Gemüseplatte, Schnitzel, Filet, Schwenker, Pilzsoße, Spargel und […] ein Blatt Salat
    […] „Ei,[…] „Ei[…] „Ei,[…] „Ei[…] „Ei […]
    Obstsalat, Vanilleeis, Himbeeren, Schokoeis, Mousse au chocolat, Erdbeereis, Vienetta Zitrone, Tiramisu, Stracciatellaeis […]
    „Ei […]
    „Ei […]
    „Ei […]
    Ei […]
    Kaffee, Espresso, Pralinen, Schokolade, Schnaps und Bier
    […]
    Käsekuchen, Schwarzwälderkirsch, Holländer Schnitten, Donauwelle, Marmorkuchen […]
    „Ei […]
    „Ei […]
    „Ei […]
    Schnittchen.
    15. Schnittchen mit rohem Hack. […]

    Ei jo. Eben drum. ;-)
    Und Sie sollen bloggen und keine Speisekarten abschreiben.
    Und ich hab jetzt Sodbrennen und nix zum Löschen hier, verdammich.

    Glück auf! :-)

    PS:
    Und der Oberstabsblogmann wird auch gleich wieder wach. :-)

    PPS:
    Haben Sie Opa Fränz gegrüßt?

  4. HG schreibt:

    Frau Nuehm,
    ich will immer noch ein Buch von Ihnen. ;-)

  5. Horion schreibt:

    Liebe Frau Nuehm,

    zunächst einmal herzlich willkommen daheim, wie schön endlich wieder von ihnen zu hören – äh lesen :-)

    nun muss ich allerdings fragen:

    Wo liegt dieses erstaunliche ‚Saarland‘ eigentlich? Oder haben sie es – wie ich vermute – einfach mitsamt seinen lustigen Bewohnern erfunden, um ihren Lesern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern?!
    Hm – obwohl… also, wenn ich das beschriebene speisentechnische Armageddon betrachte, könnte es auch das Restaurant direkt bei mir um die Ecke… oder eigentlich auch in meiner Küche…
    Hm – ich hab Hunger, mal schauen ob ich ein Saarland in meiner Küche finde und ob da auch solch seltsam sprechende Menschen zu finden sind…

    Guten Appetit
    Horion

  6. Anna Nuehm schreibt:

    Herr Corax,
    ei ach so! :-)
    Obwohl ich den Witz schon vorher verstanden hatte, ich habe mich lediglich dumm gestellt. Gute Ausrede, oder?
    Ich hoffe, Sie leiden jetzt nicht unter einem erhöhten Cholesterinspiegel!
    Salat, viel Salat! Bei Sodbrennen hilft Klosterfrau Melissengeist. Glaube ich.. Vielleicht war es auch Irish Moos.. auf ex. :-)

    Den Opa Fränz gegrüßt? Hmm, nicht so wirklich.. Aber ich grüße mal die, in deren Kopf er herumgeistert. Respektive mich selbst.
    Glück auf! :-)

    Herr HG,
    ich hatte mich erst verlesen! :-)
    Aber ein Buch von mir ist nun wirklich kein Problem! Ich bin ja schon auf Seite zwei.
    Anna :-)

    Lieber Horion,
    danke für die freundliche Begrüßung! Wenn sich schon Aachen nicht freut, dass ich wieder da bin… :-)

    Das Saarland. Es ist so eine Mischung aus Auenland, Märchenwald, Walt Disney und Blues Brothers. Vielleicht auch noch Ghost Busters.
    Auf jeden Fall sehr schön.
    Ja, ich gestehe es! Manchmal denke ich mir ein bisschen was aus. Aber sonst ist alles wahr, erlebt und wirklich so passiert! Also fast. So ziemlich genauso.
    Wenn Sie das Saarland finden wollen, fahren Sie einfach nach Frankreich und biegen Sie dann kurz davor falsch ab.
    Dann sind Sie richtig. :-)

    Bon appetit!
    Madame Anna :-)

  7. Westpfalz-Johnny schreibt:

    Mir fehlen noch die Worte! Ich muß das nachher nochmal lesen! Ich glaube, bei Ihrem nächsten Besuch komme ich auch vorbei! Meinen Sie, mit selbstgebackenen Donauwellen und einem 6-Pack Bit würde ich aufgenommen?

  8. Horion schreibt:

    Oha

    also jetzt wo sie es erwähnen, ich bin tatsächlich vor langen Jahren einmal auf der Fahrt nach Frankreich falsch abgebogen – und landete in einem Städtchen namens Kehl.
    Und allhier wurde ich freundlichst aufgenommen (und verpflegt) von Menschen die sich der Form nach ähnlich auszudrücken beliebten wie ihre Tanten, Omas, Onkels und Opas… Möglicherweise bin ich ein Saarlandkenner und habe es einfach nur vergessen…
    Ich sollte wohl mal wieder nach Frankreich reisen :-)

    sehr international
    Horion

  9. Erdge Schoss schreibt:

    Es ist faszinierend, beeindruckend und unglaublich zugleich,
    wie Sie, liebe Anna, als Monarchenflüsterin brillieren.

    Allein mit dieser Gabe (und Ihren unzähligen anderen) stehen
    Ihnen die Türen auf zu den goldglänzenden Palästen der Welt.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  10. Mamü schreibt:

    Und das, wo ich noch nicht gefrühstückt habe, liebe Anna. :-)
    Im Saarland wird ja in einer Tour gegessen. Deshalb diese riesigen Umstrukturierungspläne. *grins* Na wenn bunte Gummistiefel da mal die richtige Wahl sind? Ich würde ja eher Joggingschuhe vorschlagen. *lach*
    Schöner Dialog, wo aktuelle Themen durchgekaut werden. Im wahrsten Sinne des Wortes. :-)

    Liebe Grüße,
    Martina

  11. Anna Nuehm schreibt:

    Westpfalz-Johnny,
    also auf jeden Fall! Sechser Pack ist DIE Eintrittskarte schlechthin. Und die Donauwelle, ähm, ja, die ist so wirklich selbst gebacken? Von Ihnen selbst? Können Sie das denn?
    Oder ist das so ne Mogelbackmischung aus Pfälzer Armeerestbeständen des 2. Weltkriegs? :-)
    Anna

    Horion,
    manchmal ist das Saarland ja überall. Überall dort, wo man freundlich aufgenommen, gut verpflegt und „umgrillt“ wird.
    Sind wir nicht alle ein bisschen Saarland und sprechen komisch, auch in hochdeutsch?
    Fronkreisch! Das Land meiner Träume. Natürlich HINTER dem Saarland. ;-)
    Anna, ebenso international

    Lieber Herr Erdge,
    ich danke Ihnen! Monarchenflüsterin, herrlich. Wenn das mal kein Pluspunkt in meinem CV ist! Und Hofnarr in den goldenen Palästen der Welt – das wär ein Leben.
    Leider steht vor der Tür meist ein 200 Kilomann und sagt ganz nonchalant:
    „Du kommz hia nisch rein, au! Piss off!!!“
    Obwohl, England. Da hab ich es noch nicht versucht!

    Herzlich und hocherfreut
    Ihre Anna :-)

    Liebe Mamü,
    der Dialog hat genügend Kalorien für das ganze Wochenende. Ich habs ausgerechnet.
    Du solltest ihn also nur einmal lesen. ;-)

    Umstrukturierungen mit Joggingschuhen. Superidee! Ich lauf dann mal los!
    Liebe Grüße,
    Anna :-)

  12. corax schreibt:

    Frau Anna,

    ich habe mich lediglich dumm gestellt.

    das hatte ich fast vermutet, dass Sie die 15. Erwerbsregel beherrschen wie keine Zweite. ;-)

    Zu Ihrem nachgeschobenem:

    Vielleicht sollte ich die Kalorienangaben für den letzten Beitrag hinzufügen..

    Da könnte vielleicht die neulich von FrauvonWelt erwähnte Zahl ganz knapp ausreichen, allerdings darf dann selbst ein .„wafer-thin mint,“ nicht mehr dazukommen.
    Das gibt sonst ne Riesen Sauerei.

    Glück auf! :-)

  13. Westpfalz-Johnny schreibt:

    Donauwellen selbstgebacken – selbstverständlich!

  14. Federkatz (Superkommentator) schreibt:

    „Zack die Bohne.“

  15. Anna Nuehm schreibt:

    Corax,
    boah, ist mir jetzt schlecht.. das kleine Liedchen am Anfang war ja sehr witzig, aber dann.. örks..
    Man reiche mir … eine Tüte… ächz..
    :-)
    Glück auf! :-)
    Ps: Da lob ich mir doch den „Chmeisst den Purchen zu Poden!“

    Johnny,
    Sie?
    Können?
    Backen?
    Verblüfft:
    Anna :-)

    Tina-Lisa,
    ich habe leider kein Foto für dich!
    Aber aus deinen Extensions hab ich mir ne schöne Hängematte geflochten, danke!

    Heider Klomm
    :-)

  16. Westpfalz-Johnny schreibt:

    Beim letzten Mal 1999 zumindest funktionierten die Donauwellen noch!

  17. Schwerhöriger Opa schreibt:

    Why do you always blow into my ears? I’m not amused!

  18. Anna Nuehm schreibt:

    Johnny,
    Donwauwellen sind nicht die Dinger am/ im Auto. Nur mal so zu Ihrer Information.
    :-)

    Opa,
    that’s obvious. :-)
    ich kann ja auch nix dafür, dass das mit dem Mofa fahrenden Bruder rausgekommen ist!
    Anna :-)

  19. Ulf Runge schreibt:

    Liebe Anna,

    das erinnert mich an einen „Witz“ aus meiner „Jugend“zeit:

    [Ich unterdrücke aus Gründen des Jugendschutzes nachstehend sämtliche „V“s]

    Unterhalten sich zwei 12jährige Mädchen. Sagt die eine (klaro, natürlich zur anderen): „Du ich hab auf unserer []eranda einen []ibrator gefunden.“ Fragt die andere: „Duhu, was ist ne []eranda?“

    In diesem Sinne: Was ist ein Mofa? Fährst man das heute noch? Hat man nicht gleich ein Auto, wenn man konfirmiert wird, oder so?

    Liebe Grüße,
    Ulf

  20. Anna Nuehm schreibt:

    Lieber Ulf,
    schöner Witz über die Bravo-Generation. ;-)

    Mofa ist das Geschoss, das im Saarland die übriggebliebenen Junggesellen – dem Müller sein Nikla! – fahren, wenn man ihnen wegen zu viel Alkohol am Steuer den Lappen abgenommen hat!
    Also so gar nix für dich., ;-)
    Liebe Grüße
    Anna

  21. Pingback: fremdlesen | Freundinnen

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