Die etwas andere Filmkritik: Tom Cruise in „Valkyrie“

Eventuell könnte der eine oder andere überkritische Leser mir vorwerfen, dass ich hier einen Film bespreche, den ich überhaupt nicht gesehen habe. Aber diese schnöden Vorwürfe kann ich ganz elegant damit abschmettern, dass ich grundsätzlich Filme entweder gar nicht oder nur bruchstückhaft anschaue. Warum sollte ich also dieses Mal eine Ausnahme machen?
Sehen Sie.
Nun also zu diesem filmischen Meisterwerk mit Tom Cruise als strahlendem und kaugummikauenden Westernhelden, der mit der typisch amerikanischen „Go for it, egal wie, but go!“-Haltung, die dezent verbrämt auch scientologisch durchsetzte Botschaften enthält, die Welt retten will. Was ihm auch gelingt.
Sensible Leser lesen jetzt bitte nicht hin: Der Film hat – anders als die Originalstory – ein dickes Happy-End, in dem Tom Hand in Hand mit Adol Jemandem auf zwei kleinen Ponies in den Sonnenuntergang reitet.
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Haben Sie das jetzt wirklich geglaubt? Sehen Sie, so leicht fällt man auf Propaganda herein!

Nun aber zum Film: Er besticht insgesamt durch das wahnsinnig gute Aussehen von Tom Cruise – besonders seiner 47 Jackettkronen – und die meisterlich geschneiderten Kostüme. Vor allem Mäntel. Lange, schwarze Mäntel. Hunderte, wenn nicht sogar Tausende! Außerdem gibt es unheimlich tolle und beeindruckende Dialoge, in denen Tom gebetsmühlenartig wiederholt: „Hello, Ei äm the Widerständ! And Ei äm hier for you, to save the wörld of the very, very böse Adol somebody! Would you come with me? Let’s kill him together! Have a nice day! You look wonderful tonight!”
An anderer Stelle gibt er ein überzeugendes “Wott ä beautiful day, dear Oberfeldmarshall. We could make a little Hochverratspicknick? What do you think? Are you in a good mood?” oder auch ein enthusiastisches “Wott a wonderful day to kill a tyrannen, Ei äm really in a Bombenstimmung, wott about you, Oberscharführer?” von sich.
Immer wieder schafft es Tom Stauffenberg, mit seinen flammenden und geheimniskrämerischen Reden in die harmonischen Versammlungen der SS hineinzuplatzen und dort für Verwirrung zu sorgen. So auch, als in trauter Runde bei Tee, Gebäck und Hundekuchen der Geburtstag des Hauptgruppenoberscharführerlieblingsschäferhundes Waldemar gefeiert wird: “Ei äm really liebäugeling with a brutal and smashing Sprengstoffattentat! And if you reiz me any longer, Ei will do it right now! PÄNG!”, platzt Tom leicht rustikal in die gemütliche Teegesellschaft.
Als dann alle sehr defensiv unter den Tisch springen und Tom bemerkt, dass aus diesen Reihen eventuell doch keine Unterstützung zu erwarten ist, bricht er in nur leicht gekünsteltes, aber insgesamt charismatisch-schallendes Gelächter aus.
Tom: „HOHOHO! Das war ein Joke, Freunde! Ei äm KIDDING! KIDDING, you know! Spaß macke! Spahaß! Wott a wonderfull Mäntel you have, General! It is so wonderful black. Ei äm really a bit neidisch.. Hahahaha!“
Das ist wirklich haarscharf, aber dank seines blendenden Charismas und seiner 58 Jackettkronen kann Tommie die prekäre Situation noch umbiegen und in Harmonie und gegenseitige Mantelbewunderung auflösen.

Desweiteren tut sich Tom als neckischer Sprengstoffhinundherträger hervor. Er trägt Sprengstoff von A nach B, von B nach H, dann nach W und Zett, als er dann aber in R ankommt, befindet sich der Sprengstoff in Ypsilon, und die Mission ist fast gescheitert! Aber der kluge Tom ruft schnell seinen Freund Hubbard an und dieser, da er über gottähnliche Fähigkeiten verfügt, beamt sich selbst und den Sprengstoff schnell nach R. Leider ist Tom aber schon wieder nach Zett gefahren, da sein Mantel dringend in die dort ansässige Reinigung muss, denn er ist vom vielen Hinundherfahren total abgenutzt und speckig geworden, und wie sieht das auch aus!
Insgesamt sind diese Sprengstoffaktionen ganz schön beeindruckend: Sprengstoff in der Zahnpasta, auf dem Frühstücksbrot, unter einer Briefmarke, im Hundefutter und sogar in Toms Backenzahnplombe, um nur einige wenige Details zu nennen.

Der heimliche Star des Films aber ist, und das wird Sie jetzt vermutlich sehr überraschen, nicht etwa Tom Cruise sondern: sein Glasauge.
Das Glasauge tritt immer wieder in sehr spannenden Schlüsselszenen auf, so wird es von Tom in ein Glas Whisky gesteckt, um darauf aufmerksam zu machen, dass Tom, Achtung, jetzt kommt’s, ein Auge auf die betreffende Person geworfen hat! Ein Wortspiel, das seinesgleichen sucht und für atemlose Schnappatmung im Zuschauerraum sorgte, vor allem, weil Glasauge in dieser Szene fast auf sehr unrühmliche Weise und viel zu früh aus dem Film ausscheidet, weil es beinahe von einer unaufmerksamen und zudem diebischen Bedienung ausgetrunken wird. Im letzten Moment wird dies aber durch einen sich heldenhaft vor Glasauge werfenden Eiswürfel und einen kleinen, aber unheimlich mutigen Zitronenschnitz verhindert.
In meiner persönlichen Lieblingsszene, Tom Cruise ist gerade zu einem Bleaching seiner 92 Zähne beim Militärarzt, nutzt das Glasauge seine Abwesenheit und spielt sich nach vorne, man kann sogar sagen, alle locker an die Wand.
Das Glasauge hat von Tom die Anweisung bekommen, die störrischen Nazis wieder einmal zum Hochverrat anzustiften. Da es dies aber schon 395 Mal vergeblich versucht hat, beschließt es eine grundlegende Taktikänderung.
Es schlägt vor: „Hey, Guys, kommt, wir spielen eine Runde Basketball!“ Die verblüfften Nazis und die ebenso verblüfften Widerständler schauen sich total verblüfft an, reißen sich dann aber uniform die Uniformen von den Körpern, ergreifen das Glasauge, und Sie werden es nicht glauben – sie spielen mit ihm Basketball! Das nenne ich mal Völkerverständigung! Das ist mal eine schöne Idee!
Sie werfen das Glasauge immer wieder elegant hin und her, schließlich wird die Szene mit einem Remix der Adidaswerbung unterlegt und läuft in superlangsamer Superzeitlupe ab. Die Schweißperlen rinnen nur so von den muskulösen Körpern – und auch vom sexy Glasauge – herab und gerade in dem Moment, als es 99:3 für die Widerständler steht, erscheint Tom plötzlich wie ein Rumpelstilzchenflaschengeist auf dem Spielfeld und ruft miesepetrig:
„WAS GEHT DENN HIER VOR???!!! ICH GLAUB ES JA WOHL NICHT!!!! Was ist mit meiner schönen Verschwörung!??? Ihr seid ja alle nicht ganz clear im Kopf! Glasauge, ab mit dir zum Auditing!“
Damit hat er die gute Stimmung natürlich versaut und murrend verlassen alle das Spielfeld, noch dazu erklärt der bestochene Schiedsrichter die Widerständler unfairerweise zu Verlierern und sorgt damit für einen Eklat. Das weinende Glasauge verkündet sofort seinen Rücktritt vom Basketballsport für alle Zeiten, tumultartige und sehr bewegende Szenen spielen sich ab. Für mich das Highlight des Films und auch sein dramatischer Wendepunkt, der unversehens in den hochdramatischen Schluss überleitet:
Tom Cruise fällt in Disneyland vom Kettenkarussell, bricht sich dabei alle seine 124 Zähne, was eine sofortige Zahnoperation erforderlich macht und muss unverzüglich vom Widerstand zurücktreten! Einfach nur tragisch, schmutzig, blutig, aufwühlend, schockierend, verstörend und sehr tragisch, ach ja, das schrieb ich ja bereits.
In Fachkreisen wird das Glasauge als Favorit für den Berliner Bären gehandelt und es ist allgemein bekannt, dass Tom Cruise einen Tobsuchtsanfall bekam, als er eigenhändig nachmaß, dass der Wohnwagentrailer des Glasauges auf dem Filmset ganze 50 Meter lang war und sein eigener nur 2 Meter 95. Auch dass das Glasauge auf dem roten Teppich in Cannes immer drei Meter vor Tom Cruise kullerte, hat dieser gar nicht gerne gesehen.

Wie der Film ausging, weiß ich nicht so genau, weil er erstens sehr engimatisch ist, zweitens aber auch irre geheimnisumwittert und drittens hab ich an dem Tag, wenn er mal gezeigt wird, eh etwas Besseres vor. Ich vermute aber, dass Tom und das Glasauge nach Hollywood fahren, wo Glasauge berühmt wird, später Dirk Nowitzki trifft und diesen heiratet, während Tom Cruise, von Glasauge und dem Glück verlassen, sich schließlich einer dubiosen Sekte anschließt und sich eines Morgens in einem heruntergekommenen Hotelzimmer aus einer Mischung von Scham, Frust, Langeweile und Zuckerschock mit einer in seinem Backenzahn oben links vergessenen Zahnplombenbombe – vielleicht auch versehentlich, man weiß es nicht so genau – in die Luft sprengt.
PÄNG!
Ein grandioses Finale, das der Film, aber Tom Cruise auf jeden Fall verdient hat und beim Publikum für eine ganze Palette an Emotionen von tränenüberströmter Begeisterung, über zitternde Schockzustände, latenter Freude, Tacos mit Soße, Anfälle von Tierliebe, heruntergefallenem Popcorn und bis zu heiteren Schmunzelanfällen sorgen wird.
Da bin ich mir ganz sicher.

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10 Antworten zu Die etwas andere Filmkritik: Tom Cruise in „Valkyrie“

  1. corax schreibt:

    Frau Anna,

    vielen Dank. Jetzt kann ich mir den Kinobesuch wenigstens ersparen. Der Film hat zwar lange gebraucht, aber von mir aus kann er gerne noch Chinese Democracy toppen.

    Meine Lieblingstellen aus diesem wundervollem Text:
    „liebäugeling; sein Freund Hubbard; mutigen Zitronenschnitz“

    Und immer mehr bewahrheitet sich der Spruch
    von Col. Jessup zu Tommilein:
    „You can’t handle the truth!“

    Glück auf! :—)

  2. Westpfalz-Johnny schreibt:

    Fahren Sie eigentlich an Weihnachten wieder ins Saarland, liebe Anna?

  3. Erdge Schoss schreibt:

    47 bis 58 Jackettkronen, 92 bis 124 Zähne, liebe Anna? Trägt Herr Cruise nur seine oder die vom kompletten Personal im Führerbunker?

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  4. German Psycho schreibt:

    Sie haben anscheinend einige wichtige Szenen verschlafen, oder auch nicht, vielleicht erschienen sie Ihnen auch einfach nicht wichtig genug.

    Aber die Szene, als er mit Rommel (wie immer gespielt von Bruno Ganz) zusammentrifft, der ja anfangs gar nicht Volleyball spielen will, und sich versucht, zu ihm emporzubeugen, wie auch immer das gehen soll, aber Tom Cruise hat da auch mehr schauspielerische Erfahrung als ich, und so gelingt es ihm, und er sagt: „Rommel, Du stinkst.” Woraufhin dieser sich reumütig dem Widerstand anschließt und fortan keinen Mundgeruch mehr hat.

    Schön auch der kleine Cameo-Auftritt von Herrn Ackermann, der das Victory-Zeichen macht und daraufhin wegen Volksverhetzung erschossen werden soll, dann aber doch nicht, sondern dafür, daß er Joseph heißt. Ein kleine, aber bedeutende Anspielung auf Managerpogrome und die Zahnpflegebranche.

  5. Anna Nuehm schreibt:

    Herr Corax,
    danke für Ihren Dank. ;)
    Die Stelle mit dem Zitronenschnitz finde ich auch gut! Wobei mir auch die mit dem Kettenkarussell gut gefällt..
    You can’t handle the truth! Wie wahr!
    Glück auf! :-)

    Lieber Johnny,
    dat kann natürlisch sinn. ;)
    Ja, sischer dat. What a question!
    Anna :-)

    Lieber Ergde,
    ich vermute Tom Cruise hat mehrere Münder. Anders kann ich mir das auch nicht erklären. Oder einen Mund mit mehr Dimensionen als nur drei.. Acht oder zwölf zum Beispiel…
    Herzlich
    Ihre Anna :-)

    GP,
    jetzt, wo Sie es sagen: die Szene mit dem Emporbeugen, die war auch ziemlich tragisch und verstörend.
    Wie der große Rommel sich vor dem kleinen Tom emporbeugte, also da kamen mir echt die Tränen, kann aber auch sein, dass das von dem vielen Wüstensand kam…
    Sollten Sie den Film anschauen, bleiben Sie bis zum Abspann, da kommt nämlich die Szene mit dem Glasauge und der Hochzeit mit Dirk Nowitzki. Ist aber eher was für Romantiker, also nicht so sehr für Sie. ;)

    Anna

  6. FrauvonWelt schreibt:

    Sie, liebe Anna, werden es mir wahrscheinlich sofort glauben, aber Tom Cruise fand ich schon immer blöd. Erstens weil der immer da war, wo ich nicht war, zweitens weil der immer schon ne andere Frau hatte, die gar nicht so aussah wie ich, drittens weil selbst wenn es eine Frau gewesen wäre, die so ausgesehen hätte wie ich, ich es ja nicht selbst gewesen wäre. Walküre müsst man sein.

    Herzlich und Walhallamarsch
    Ihre FrauvonWelt

  7. Anna Nuehm schreibt:

    Liebe FrauvonWelt,
    ich glaub Ihnen das sofort!
    Und im Großen und Ganzen finde ich das eine ziemliche Unverschämtheit von Tom Cruise, um nicht zu sagen eine Sauerei!
    Walküre und Walhalla. So gehört sich das.
    Herzlich und *rumtumtum-wolle merse reinlasse?!*-Walhallamarsch
    Ihre Anna :-)

  8. oldman schreibt:

    OT.:
    Wg. mancherlei Anfragen:
    Neues vom Neobazi Opa Edi

  9. Cairb schreibt:

    Hm ich bin mir nicht sicher. Sollte das wirre Geschreibsel jetzt witzig sein?

    Eventuell könnte der eine oder andere überkritische Leser mir vorwerfen, dass ich hier eine Filmkritik kommentiere, die ich überhaupt nicht gelesen habe. Aber diese schnöden Vorwürfe kann ich ganz elegant damit abschmettern, dass ich grundsätzlich Filmkritiken von Leuten, die Filme gar nicht gesehen haben und nur verreißen wollen, entweder gar nicht oder nur bruchstückhaft anschaue. Warum sollte ich also dieses Mal eine Ausnahme machen?
    Sehen Sie.

  10. Anna Nuehm schreibt:

    Cairb, der Unterschied zwischen Ihnen und mir in diesem Blog ist, dass ich so viel wirres Geschreibsel hier hinkritzeln kann, bis mir die Finger bluten und abfallen.
    Sie aber nicht.
    Das ist nämlich MEIN Blog.
    Nur mal so zur Info.

    Ach ja, die alten Römer sagten dazu „Quod licet Iovi non licet bovi.“.
    Sehen Sie.

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