Der Januar ist der König unter den Monaten

Sozusagen der Rolls Royce. Oder der Mercedes. Vielleicht aber auch der Mitsubishi? Auf jeden Fall königlich.

Der Januar beginnt majestätisch, feierlich, erhaben.
Man steht feierlich auf. Macht Dinge zum ersten Mal im neuen Jahr. Geht feierlich einkaufen, wäscht sich feierlich das alte Haar aus 2008. Eine heilige Handlung. Sinnlose und gescheiterte Friseurbesuche ziehen am inneren Auge vorbei. Man lächelt gütig und verzeiht.
Man macht neckische Späßchen, wie „hab dich ja letztes Mal letztes Jahr gesehen!“ und schüttet sich aus vor Lachen. Aber würdevoll. Und feierlich. Natürlich.
Dann die Vorsätze. Hochhaushimmelhoch. Ich werde abnehmen, ich werde endlich meine Doktorarbeit-Hausarbeit-Liebesbrief-Einkaufszettel-Steuererklärung-Finanzamtselbstanzeige schreiben und immer gut überlegen, bevor ich etwas tue. Immer. Ich werde keine Fahrerflucht begehen, wenn ich mit meiner Anhängerkupplung anderer Leute Porsche Boxster-wertvolle Kennzeichen eindelle. Ich werde immer einen Parkschein ziehen. Oder zumindest schauen, ob ich Kleingeld in der Tasche habe. Ich werde immer pünktlich und höflich sein und zum elenden Langweiler mutieren besseren Menschen werden. Ich werde nicht fluchen, nicht meckern, immer nett sein, immer höflich sowieso. Gähn. Sodass sie mir aus dem Kloster meiner Wahl eine Absage schicken: „Bleiben Sie bloß weg hier, aus diesem Sündenpfuhl. Sie sind zu gut für uns! Sie.. Sie.. Sie Heilige!“ Und der Dalai Lama schreibt mir persönlich und bittet mich innig um ein kleines Autogramm. Das will er dem Papst schenken. Zum Geburtstag.
Ich werde mich nur noch gesund ernähren, nur noch frischen Fisch essen, nein, bloß keine toten Tiere! Okay, dann esse ich eben nur Körner, aber wenn dann all die armen Vögel verhungern? Okay, ich esse dann eben nur noch Gras. Selbstausgerupftes. Ein paar Halme pro Tag. So drei oder vier. Und trinken tue ich morgens und abends einen Schluck Wasser. Und sonntags nichts. Sonntags atme ich auch weniger als sonst, finde zu mir selbst und gehe mit meinem inneren Kind zwei Stunden lang spazieren oder auf den Spielplatz.
Und dann fällt am vierten Januar so viel Schnee und macht alle guten Vorsätze zunichte! Von Grasessen muss man dann doch umschwenken – auch wenn es höllisch schwer fällt – auf eine Scheibe Brot. Oder zwei. Was bleibt einem auch sonst übrig? Der Boden ist knallhart gefroren! Und immer nur Schnee essen geht auch an die Substanz.
Dann eben Brot und Käse. Ein bisschen Schokolade, Pralinen, Kuchen, Obst, Nudeln, Gummibärchen, Wurst und Fleisch und wer sagt denn, das Fleisch immer von Tieren stammen muss?! Es gibt bestimmt auch nette Pflanzen, die wie Fleisch schmecken, oder?!
Böah und am Ende des Monats ist man dann moralisch total verkommen, stiehlt anderen Menschen die Parkplätze vor der Nase weg, lacht höhnisch und psychopathisch und rammt mit voller Absicht ein ganzes Parkhaus! Der Papst ruft an und zerreißt mit einem lauten „Kkkkkkkkkkrrrrrtttschzzzzzzzztt“ mein Foto, das Kloster ruft auch an und sagt: „Kommen Sie un-ver-züg-lich hierhin, sonst sind Sie verloren!“ Der Dalai Lama ruft überhaupt nicht mehr an und jedes Mal, wenn es nicht klingelt, weiß man, dass er das ist. Ja, und man stiehlt sogar anderer Leute Witze! Und wenn man dann schamgebeugt und zitternd wie ein Junkie zu McDonalds geht – wo soll man auch sonst hin, in seiner Not, wenn man sich komplett auf nahrungslose Kost umgestellt hat, dann hat man auch nichts eingekauft! Nicht mal ne Dose Ravioli. Man hat ja nichts mehr! Nichts! – begrüßen sie einen mit Handschlag und sagen: „Nuehm, wo hast du bloß so lange gesteckt? Das Übliche?!“
Und leise flüstere ich: „Ich hätt‘ aber gern ein paar Grashalme auf meinen Doppelmäcwhopperchickendeluxemoeppelboppeldiwuppelburger.“
Und die lachen dann nur schäbig und legen ein kleines, schmutziges, chemieverseuchtes Salatblatt so quer über diesen Riesenfleischberg und in den Schwaden des dampfenden Burgers ziehen alle deine edlen, guten und moralisch einwandfreien Vorsätze wie sich verflüchtigende, nichtige, kleine, unwichtige, graue und schon vergessene Rauchschwaden dahin.
Dahin. Dahin.
Dahin.

Und weißt du was? Das ist der beste Moment im ganzen Januar!

Über Liv Maxx

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13 Antworten zu Der Januar ist der König unter den Monaten

  1. <°((( ~~< schreibt:

    Meine Rede! Der Januar ist keineswegs der Rolls Royce, oder der Mercedes. Und wenn vielleicht Mitsubishi, dann nur ein Pajero: In Spanien. Der Mensch ändert sich nicht. Höchstens unfreiwillig. Der Mensch soll sich auch nicht ändern wollen: Damit macht er sich nur unglücklich.

    Den Job des Papstes hat ja schon einer, der Papst nämlich. Den vom Dalai Lama auch, und rate mal, wer? Und man soll essen, was einem schmeckt: Deshalb müsste es doch ganz leicht sein, auf schmierige Burger und dünne Fritten zu verzichten. Das eigene Gewicht ist eigentlich auch eher Problem der anderen: Die müssen einen ja sehen.

    Noch Fragen? Oh, bitte – keine Ursache! Kann ich ein Autogramm haben?

    PS: Frau Nühm hat eine Hängerkupplung?

    …mit etwas Nachdruck und Geschick kann man damit übrigens fremde Kennzeichen ganz abreißen …

  2. Anna Nuehm schreibt:

    Oh, doch, Herr Corax, oh doch!
    Auf jeden Fall. Alles wird anders. Und wie.
    Wenn auch erst im Februar. Oder März… April.. Mai? Also im AUgust auf jeden Fall.. so 2015.. Oder so..
    Glück auf! :-)

    Goldfischli, der Januar ist der Pajero in Spanien?
    Dann wäre ja der Februar die Eule in Athen? Und der März ein Mofa im Saarland? Hmm, könnte ungefähr hinkommen..

    Doch, wenn der Mensch sich ändern WILL, dann ist das völlig okay. Die meisten wollen aber einfach nicht! Sondern andere wollen das. So gewissenlose Typen wie der Papst oder der Dalai Lama, ein irischer Folkloresänger.
    Aber auf die muss man ja nicht unbedingt hören, stimmt’s.

    Essen und so: ich hab schon meine Spiegel verhängt. Aber das ist auf Dauer auch keine Lösung!
    Das Autogramm schreib ich unter den Kommentar, aber zurück nehme ich es nicht!
    Der Tipp mit dem Abreißen von Kennzeichen würde mich, in meiner grenzenlosen Güte und Freundlichkeit, aber ungemein interessieren. Vielleicht sollte ich aus Selbstschutz aber erst die Anhängerkupplung abmontieren lassen.. Nicht, dass das noch ne Obsession wird.. andere Leute Kennzeichen verunstalten..
    PROSIT NEUJAHR. Ja, kommt ne Woche zu spät, aber trotzdem.
    Anna Nuehm :-) (<–Autogramm, sehr wertvoll)

  3. Westpfalz-Johnny schreibt:

    Der Januar ist einfach ein s-p-i-t-z-e-n Monat, da habe ich nämlich Geburtstag, liebe Anna.

  4. Erdge Schoss schreibt:

    Wussten Sie, liebe Anna,

    dass Wein mit 14 Vol.% zu 86 Prozent aus Wasser besteht?
    Gesünder geht’s praktisch nicht.

    Hoch die Tassen
    Ihr Erdge Schoss

  5. Anna Nuehm schreibt:

    Der König der Monate für den Earl of Westpfalz, lieber Johnny. So gehört sich das auch!
    :-)

    Lieber Erdge,
    ich hatte das schon immer vermutet. Jetzt weiß ich auch, warum ich so gesund bin.
    SKOL
    Ihre Anna :-)

  6. gaviota schreibt:

    Vorsätze, liebe Anna, sind dafür da, nicht eingehalten zu werden…oder so ;-)

  7. Martina schreibt:

    Also… am 2. Jänner holte ich den Feudel hervor und wienerte meine Wohnung. Die Spinnen hatten schon Wochen vorher die Kündigung ihrer bestehenden Netze erhalten, ebenso bekamen die Wollmäuse unter dem Sofa meine strenge Hand zu spüren.

    Und ich besuchte Frau Friseur, die mir wieder einen Kurzhaarschnitt verpasste, der beifallslaut von meiner Umwelt zur Kenntnis genommen wurde.

    Vorsätze für 2009 wurden, logisch!!!, nicht gefasst, aber dafür alles gereinigt, gewienert, geputzt und gescheuert!

    Also passe ich damit ideal in den Primus des Jahres, oder nicht, Anna? ;)

  8. Anna Nuehm schreibt:

    Liebe Gaviota,
    Vorsätze sind auch da, um immer wieder – vergeblich – erneuert zu werden. Das nennt man dann auch „Prinzip Hoffnung“.
    :-)

    Martina,
    du kleine Putzfee. :-)
    Hiermit ernenne ich dich offiziell zum Klassenprimus 2009.
    Du hast jetzt den Rest des Jahres frei und darfst auf Klassenfahrt in eine Jugendherberge deiner Wahl fahren.
    Nimmste mich mit?
    :-)

  9. Martina schreibt:

    hmmm.. Anna, ein verlockender Preis! Und klar, ich nehme dich SOFORT mit!!

    Wie wäre es mit Usedom? Das weite Meer, die feschen Männer……?

  10. Anna Nuehm schreibt:

    Martina,
    das wäre nicht schlecht! Usedom.
    Wer weiß, was der Sommer so alles bringt…
    Anna :-)

  11. tinsche schreibt:

    Ich wüsst gern sofort Bescheid, wenn es Pflanzen mit fleischgeschmack gibt…

  12. Anna Nuehm schreibt:

    Bescheid!
    Heute verspeiste ich eine solche Pflanze, sie war in Curry eingelegt und in mundgerechte Stücke geschnitten. Dazu wurden grasähnliche Sticks serviert, die der Verkäufer „Frieten“ nannte. Oder so.
    :-)

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