Showdown in Soccer-City

Nach einer 120 minütigen hitzigen Rasenschlacht gewannen gestern Spaniens wackere Desperados überraschend gegen die Holländische Rambo-Rasengang.
Im Zuge des sommerlichen Jackie-Chan-Specials auf Pro7 – alle fünf Minuten wird ein Jackie Chan-Film wiederholt – setzten auch die Holländischen Fighter auf Martial Arts, Kampfsport auf höchstem Niveau.
Bereits im Tunnel, von der Weltöffentlichkeit unbeobachtet, wurden den holländischen Spielern nach Leibesvisitationen diverse Butterfly-Messer, Schlagringe und Baseballschläger abgenommen, was zu einiger Verstimmung bei den kampfwilligen Holländern führte.
››Wie sollen wir denn jetzt gewinnen‹‹, fragten die Spieler ratlos ihren Gangleader Bert The Knife Van Marwijk.
››Spielt ugly.‹‹ war dessen knappe Anweisung.
Gesagt, getan.
Mit vollem Körpereinsatz gingen die Holländer herzhaft zur Sache und setzten neue Akzente in den Disziplinen „Voll Speed-Hackentreten und „ansatzlos-Schienbein zersäbeln“. Besonders hervorzuheben war dabei der Aggressive Leader Mark The Bonebreaker van Bommel, der herrliche Attacken aus dem Nichts trat und sowohl Puyol, als auch Iniesta mit eleganten Tritten in die Achillessehnen niederstreckte. Leider hatte Schiedrichter Webb dabei keine besonders hervorzuhebende künstlerische Umsetzung erkennen können und beschenkte Van Bommel nur mit einer läppischen Gelben Karte.
››Das war solide, das war gut, aber wenn man international mithalten will, muss man auch mal etwas Neues bieten. Diese Hackentritte habe ich schon tausend Mal gesehen, dafür kann man wirklich nicht die Rote Karte verlangen‹‹, so ein gelangweilter Schiedsrichter Webb.
Ein besonderes Glanzlicht setzte dann aber Nigel de Jong mit seiner herrlichen Kung-Fu Flugattacke gegen die Brust von Xabi Alonso. De Jong, dessen halsbrecherischer Brusttritt eine Hommage an Zinedine Zidane darstellen sollte, bekam dafür aber nur eine schnöde Gelbe Karte und zusätzliche Punkte in der B-Note für seine künstlerisch innovative Darstellung. Unverständlicherweise wurde ihm für diese geniale Parade die Rote Karte verwehrt, worüber er sich zu Recht beschwerte.
Erbost über diese skandalöse Ungerechtigkeit legten die Holländer noch einen drauf und errangen bereits in der ersten halben Stunde fünf wohlverdiente Gelbe Karten, neidisch beäugt von den Spaniern, die ihre Felle schon davonschwimmen sahen. Auch Spanien legte nach und konnte sich im weiteren Spielverlauf fünf wertvolle Gelbe Karten erkämpfen, wenn auch mit wenig spektakulären, sondern eher soliden Fouls der Marke Kreisklasse.
Auch Robbens Verzweiflungsschuss nach Abpfiff ins leere Tor und der viel zu offensichtliche Versuch, damit eine Rote Karte herauszuschinden, ließ den souverän pfeifenden Webb völlig kalt: ››Indiskutabel, peinlich, nicht erwähnenswert. Da ist meine Frau zu Hause ja brutaler zu mir, fast schon ein Fall von Fremdschämen!‹‹ watschte Webb den bis auf die Knochen blamierten Robben ab.
Endlich, in der 110. Spielminute griff Schiedsrichter Webb dann doch zur mehr als überfälligen Roten Karte und stellte den hocherfreuten Heitinga vom Platz. Somit führte Holland 7:5 nach Gelben Karten, wobei die Gelb-Rote doppelt gewertet würde. Holland lag also für die zerknirschten Spanier uneinholbar nach Punkten vorne.
Blöderweise schoss Spanien dann in der 116. Minute einfach ein Tor!
So gewannen die weinenden Holländer zwar alle Preise in den Sparten „meiste Gelbe Karten im WM-Finale“, „künstlerisch schönste Umsetzung von brutalen Fouls im Bereich der A- und der B-Note“ und sogar den Sonderpreis des „Goldenen Gipsbeins für the ugliest playing Team ever in einem WM-Finale“, aber die verdutzten Spanier das Spiel und den schönen, goldenen Pokal.
So kann’s gehen.

Über Liv Maxx

I love Writing.
Dieser Beitrag wurde unter Gruppensport und Wutanfälle abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Showdown in Soccer-City

  1. textorama schreibt:

    Wie wahr. Die wirklich wichtigen Dinge werden nie betont und selten angemessen honoriert.
    Wurde echt mal Zeit. Ein Schiri nach meinem Geschmack, mit dem Blick für´s wesentliche. Die Spreu vom Weizen trennend.

    Ihr textorama.

  2. Anna Nuehm schreibt:

    Genau, werter textorama, so ist es.

    Rote Karten gibt es schließlich nicht als Werbegeschenk, noch dazu mit dem Aufdruck „FIFA 2010“.
    Und der Herr Webb öfter Opfer häuslicher Gewalt ist, kann man dem ein harmloses Begrüßungsritual – Achillessehnenabriss mit Blutgrätsche – nicht als böses Foul vormachen.
    So wird Mr. Webb schließlich jeden Abend begrüßt…

    Aufgeräumt
    Ihre Anna

  3. blogspargel schreibt:

    Liebe Frau Anna,

    den Fussball aus dieser Ecke so köstlich und entlarvend betrachten mit all diesen Detailinformationen, die ein normal Sterblicher so gar nicht sehen kann, zeugt von genauem Insiderwissen.

    Ich kenne einen Meisterpaule, der den richtigen Turniersieger im Jabulani-Schubsen vorhergesehen hat und der weiss schon ne Menge, aber bei Ihrem Wissen müssen Sie die Dame gewesen sein, die die spanischen Spieler von der Bank zur Seitenlinie und umgekehrt begleitet und das Drehbuch in der Hand gehalten hat.

    Wie haben Sie es dabei noch geschafft, die Hand Gottes am Spielfeldrand immer so auf und ab gehen zu lassen? Mit einem beweglichen Magneten unter seinen Flamenco-Schuhen? Oder mit einem brennenden Feuerzeug unter der Grasnarbe? Vielleicht war er auch deshalb so heiss auf seine Jungs?

    Einfach hinreissend das ganze und der WM-Knigge gehört an jeden Schminkspiegel.

    Meine herzlichste und zutiefst ernstgemeinte Verehrung, Frau Anna.

  4. Anna Nuehm schreibt:

    Lieber Blogspargel,
    danke für Ihre herzliche Verbeugung! :-)

    Wie ich das geschafft habe.. Nun ja, man nennt mich in Insiderkreisen „das Chamäleon“.
    Ich reiste zu Beginn der WM als Gürtel von Loddar Matthäus unerkannt ins Land ein – natürlich passend zu seinen Schuhen – dann war ich das Trikot von Anelka und der Finger von Hitzfeld..
    Als Wayne Rooneys Bruchband wäre ich um ein Haar im Hotel liegen gelassen worden, aber das ging noch mal gut aus..
    Ich hab danach kurz (!!!) überlegt, ob ich Maradonas Zigarre sein wollte, entschied mich aber dann doch dagegen und war Messis Schuh. Schuhgröße 26 kann ich somit beschwören! Unter Eid.
    Gegen Spanien war ich dann Lahms Kapitänsbinde, aber durch das verrutschte Hemd konnte ich nicht wirklich viel erkennen, da ging es mir wie Lahm!
    Im Finale war ich zuerst die Rote Karte von Webb, aber so aus der Jackentasche heraus war die Sicht mehr als bescheiden, also bin ich in den Ball geschlüpft..
    War ich froh, dass es kein Elfmeterschießen gab! Das können Sie bestimmt nachfühlen.
    Zum Schluss verwandelte ich mich zuerst in die Silbermedaille von Marwijk , aber als der mich kaltblütig bei Ebay verkaufen wollte, in den zufällig herumstehenden Weltpokal und musste dann mit 20 euphorischen Spaniern duschen gehen!
    Naja, was tut man nicht alles für seine Leser..
    :-)
    Herzliche Grüße an Sie
    Anna :-)

Let it flow ...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s