Kein Verlass

– auf gar nichts!
Kaum hatte man sich an diesen seltsamen Weltuntergangsgedanken gewöhnt, damit geliebäugelt, dass man das Ding vielleicht doch überlebt, von wahnwitzigen Außerirdischen entführt wird in deren kleinem Raumschiff, in dem nur Platz für eine Person ist, nämlich mich, da fiel das Szenario sang- und klanglos aus und Weihnachten stand plötzlich vor der Tür. Bimmelnd mit allen Alarmglocken.
Natürlich ohne Raumschiff und man selber ohne Geschenke. Hab dann halt jede Menge Gutscheine verschenkt, Selbstgebasteltes und Zimtkuchen im Glas, in denen versehentlich Peperoni war, aber auf die paar Freunde weniger kam es dann auch nicht mehr an.
Ich hab dann am 27. Dezember etwas wirklich, wirklich Verrücktes getan. Was genau, erzähl ich nicht. Nur so viel, ich trug ein Kleid und Blumen. Sie werden sich jetzt fragen: „Kann man Blumen anziehen?“
Ja, kann man. Es war ein schöner Tag, tiefstapele ich jetzt mal.
Abgesehen davon war auch Silvester und der Hund fand es klasse. Da er die letzten zwölf Silvester vor Angst schlotternd unterm Fernseher – ausgerechnet!- verbracht hat, hat er wohl heimlich einen Internet-Yoga-Fernkurs absolviert und ist jetzt auf dem besten Wege zur Erleuchtung. Heute morgen erwischte ich ihn auch in flagranti beim Sonnengruß auf dem Teppich. Sofort tat er so, als würde er sich nur räkeln und strecken, gähnte beiläufig und blinkerte unschuldig mit den Augen. Aber ich habs gesehen!
Ich habe mich 2012 fleißig im Nichtschreiben geübt. Nur EIN EINZIGER ZWEI Blogbeiträge. Stolz guck.
2011 waren es noch elf. Beschämt guck.
Und wie viele werden es wohl 2013? Null? Ach nee, Mist. Geht ja nicht. Das wird ja schon einer! Noch beschämter in die Schämecke geh.

Das Nichtschreiben ist ja meine große Passion. Ich kann gar nicht genug davon bekommen und ich würde mal in aller Bescheidenheit sagen: Ja, ich bin gut darin! Ich bin ein Meister dieser Kunst! Ich kann es einfach! Es liegt mir einfach, es ist meine zweite Natur. Aber nur kein Neid, es ist nicht nur ein Gott gegebenes, außergewöhnliches Talent, sondern das habe ich mir auch hart erarbeitet! Denn: Von nichts kommt nichts! Gewiss, es braucht eine solide Grundlage des Nichts, aber man muss diese dann auch ausarbeiten und stetig daran feilen. Was kein Zuckerschlecken ist, so ist es nicht!
Tja, werden Sie jetzt sagen: „Und wo ist das Problem?“
Nun, sage ich: Das Problem liegt darin, dass ich schwanke. Dass ich einerseits das Nichtschreiben ausbauen möchte in ein finales überhaupt nicht mehr-gar nicht mehr-nienicht-ums Verrecken nicht mehr-folter mich ruhig, ich schreib trotzdem nix, nie mehr nie-gar nie nie-niemals Schreiben.
Was wirklich sehr, sehr verlockend wäre. Denn ich bin sooooo nah dran. *Fingerspitzen drei Millimeter auseinander halte
Aber andererseits möchte ich das Schreiben so richtig, richtig toll betreiben! („Betreiben“ – da fängt’s schon an, Nuehm!) So ein immer-ständig-aus jeder Situation-aus dem Handgelenk-im Schlaf-sogar bewusstlos lässig die elegantesten Sätze herausschleuderndes-und sturzbetrunken aus einem fahrenden Auto heraushängend-immerwährendes-Dauerschreiben, was einen nachts nicht schlafen ließe und einen glücklich machte-und das Herz höher schlagen ließe, und man nie mehr Langeweile hätte-auch mit neunzig Jahren nicht, sondern Bücher. Richtige Bücher! Und Freunde. Und Anerkennung. Und Erfolg. Und Hundefutter. Und auch Waschmaschinen. Jede Menge Waschmaschinen.
Ich dachte so an fünf. Oder zehn. Momentan habe ich nur zwei und es verursacht mir Schweißausbrüche, wenn ich denke, es könnte eine kaputt gehen??? Aber zurück zum Thema.
Zwischen diesen beiden Extremen schwanke ich. Und die Erfahrung der letzten Jahrzehnte weist schon in eine bestimmte Richtung. In eine GANZ bestimmte.
Ich habe keine Ahnung, warum ich das schreibe. Und keine Ahnung, was passiert. Ob überhaupt etwas passiert. Wahrscheinlich eher nicht.
Den Blog löschen. Jeden Tag schreiben. Alles ist möglich. Oder so weitermachen wie bisher.
Mit einem Beitrag pro Jahr.

Über Liv Maxx

I love Writing.
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6 Antworten zu Kein Verlass

  1. Matt schreibt:

    … und ich bin übrigens der weltgrößte Niemalskommentierer. Oh … Mist!

  2. Anna Nuehm schreibt:

    Sehen Sie! Jahrelanges Nichtkommentieren – mit einem Schlag zunichte gemacht.
    Jetzt können Sie wieder zwei bis drei Jahre ackern, bis Sie an dem Punkt sind, wo Sie vorgestern waren. Tja, selbst Schuld! ;-)

  3. Matt schreibt:

    Dann darf ich also keinesfalls auf Ihren Kommentar antwo… – fuck!!!!!

  4. Anna Nuehm schreibt:

    Tsts, Sie haben es echt nicht drauf mit dem Nichtschreiben! Aber so gar nicht! ;-)

  5. textorama schreibt:

    Genauso, wertes Frl. Nuehm.

    Ihr textorama

  6. Anna Nuehm schreibt:

    Dabei gebe ich mir die größte Mühe, werter textorama. Seit Jahren schon. :D
    Ihre Anna

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