Geisteszustand:


Heute ist so ein „ich muss mich schon mit Bruno Mars-Songs selber aufheitern“-Tag. Und daran kann man erkennen, wie ernst das Ganze hier ist. Sehr ernst! Unbedingt den Clip während des Lesens anhören, er dient zur Verstärkung der versteckten Botschaft im Text. (haha)
Das kommt davon, wenn man versucht, Gott zu spielen und sich eine eigene Welt bastelt, mit seltsamen schrägen Figuren und einer Handlung, die ebenso mitreißend, wie unrealistisch, wie schwach ist:
Man erwacht eines Tages und stellt fest: Das ist ja alles eine komplette, seltsame, ziemlich kranke? Scheiße? Und alles fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Inklusive man selbst.
Teil 2 ist noch schlimmer als Teil 1 und ja, ich weiß, wovon ich rede, bzw. schreibe. Leider.
Ich esse gerade Glassplitter. Rein metaphorisch gesehen. Wenn man etwas Salz darauf streut, schmecken sie übrigens fast wie Erdnüsse.
Das kommt davon, wenn man fröhlich vor sich hinsumpft, sich in seinen schreiberischen Ergüssen badet, sich völlig verliebt in seine Figuren, sie am liebsten alle heiraten würde und von jeder einzelnen mindestens zehn bis zwanzig Kinder und diverse Hundewelpen möchte. Dazu hört man den ganzen Tag stimmungsvolle Lieder, die das Schreiben noch unterstützen sollen.
Aber im Gegenteil: sie verschlechtern es einfach. Sie transportieren die Emotionen nicht in den Text, – völlig logisch, oder? – sondern nur ins eigene Gehirn und gaukeln einem so vor, dass das Geschriebene wirklich Emotionen enthält. Sobald man die Lieder aber nicht mehr hört, sind auch die Emotionen weg. Völlig. Und das Ganze ist platter als die abgestempelte Briefmarke auf der Feldpostkarte meiner toten Oma von 1944. Glaubt mir das ruhig, ich habs ausprobiert.
Ein paar hundert Seiten „Thema verfehlt“. Eine neckische Ansammlung abgenutzter Klischees. Pubertäres Softporno-Geschreibsel in Kombination mit einer tränendrüsigen Schmalzballade. Klingt das verlockend? Eben.
Na, das Gute ist wiederum, dass man sich von all dem peinlichen Zeug mit einem einzigen Knopfdruck befreien kann. Darum beneidet Gott mich wahrscheinlich gerade.
Was allerdings bleibt, sind diese scheißbeschissenen Selbstzweifel und die Frage: was das alles soll?

Über Liv Maxx

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15 Antworten zu Geisteszustand:

  1. crischo schreibt:

    Tzatzatza – da will ich mich gerade der Geschwindigkeitsoptimierung meines Blogs widmen, da kommt ein neuer Artikel von der Anna Nuehm und schon ist alle Ernsthaftigkeit vergessen…
    OK, erstens, wenn ich ein Buch schreiben und dabei Bruno Mars hören würde, tja, dann käme wohl tatsächlich ein Softporno dabei raus. Ich empfehle in solchen Fällen die Gehirnwindungen mit was fetzigem durchzuformatieren – also am besten, hm, ACDC – Rocker – dann ein Gläslein klaren Wassers zu trinken und erst danach weiter zu schreiben, ohne Herrn Mars natürlich.
    Gerade mal so zwischendurch: Das mit den Glassplittern hast Du von Chuck Norris, oder ?
    Zum zweiten: Ich denke mal, beim Schreiben hast Du eh nur die Wahl zwischen Gott oder Superheld. Ist beides nicht förderlich für die Bescheidenheit. Mein Buch wächst mit drei Zeilen pro Woche, weil ich das in Ich-Form schreibe und deshalb immer wieder erstaunt darüber bin, was ich nicht alles so drauf habe und was für ein gigantisch toller Kerl ich bin. Wenn ich mich dann vom Staunen wieder erholt habe, muss ich immer erst eine Runde um den Block drehen, um der Welt meine aufgeblasene Persönlichkeit zu präsentieren – was die aber nicht sonderlich interessiert. Das wiederum ist so frustrierend, dass ich eine Woche lang Schreibsperre habe. Siehste? Das ist ein echtes Problem !

    Mein Mitbewohner will demnächst auf irgendeinen Berg kraxeln. Um die nötige Armeskraft zu gewinnen, hat er in der Wohnzimmertür so eine Stange installiert, um Klimmzüge zu üben. Er muss immer ein Stückchen hochspringen, um da dran zu kommen – ich selber aber bin, nichtsahnend von der neuen Vorrichtung, mit brachialer Gewalt und Stirn dagegen gerammt… man sieht, ich habe als Kind auch immer brav mein Rhabarberkompott gegessen ;-)

    Hey ! Und bitte nicht auf den Knopf drücken !

  2. Anna Nuehm schreibt:

    Hi Chrischo,
    danke für deinen Kommentar! :-)
    Nee, Bruno Mars ist das Gegenmittel, also ist das alles noch viel schlimmer…! :D
    Rockige Musik ist auf jeden Fall besser, trauriges Gesülze in den Ohren führt zu traurigem Gesülze in den Zeilen… Wieder was gelernt…
    Mit den Glassplittern: Nee, das war meine eigene Idee, wenn der Chuck das auch macht, hat der das von mir geklaut. ;-)
    Vielleicht habe ich es mal irgendwo gelesen, will ich nicht abstreiten…

    Ich schreibe ja auch in der Ich-Form, und da verliert man schnell die Distanz. Ist ja genauso interessant, wie auch fatal. Manchmal.
    Superheld bin ich fast nie, aber „Gott“ ist man, wenn man Figuren erschafft und da man als Gott nicht so die Übung hat, wirds eben manchmal echt kitschig oder abgedroschen..
    Gegen Schreibsperre hilft nur: Schreiben.
    Jeden Morgen Morgenseiten schreiben. Einfach zehn Minuten alles aufs Papier bringen.. Egal was… so kommt man in den Flow…

    Haha sorry, über deinen kleinen Unfall musste ich eben ein bisschen lachen. Aber ganz unschadenfroh. :-)))
    Klingt vermutlich witziger, als es war. :-))

    Boah, das Zeugs ist noch nicht gelöscht. Aber ich lege es erst mal ad acta…

  3. Anna Nuehm schreibt:

    War nur ein Test,
    @ lautleise. Es war natürlich mein Opa. Wollte sehen, ob meine Leser auch wirklich, wirklich aufmerksam mitlesen.. Du hast somit den ersten Preis gewonnen:
    einen virtuellen Keks aus dem Jahr 1788!
    Heartly Luckywish! :-)

    @Chrischo hat natürlich auch einen Preis gewonnen:
    eine Eisenstange aus Luft, die er sich überall in der Wohnung aufhängen kann, ohne sich eine Beule zu holen, wenn er dagegen läuft! :-)

  4. onlein schreibt:

    Mensch, Frau Nuehm, wenn ihre literarischen Ergüsse nur halb so gut sind wie die Blogeinträge, dann wird das der deutschsprachige Roman des 21., ach was, auch noch des 22. Jahrhunderts, übersetzt in 751 Sprachen, 3 Milliarden Dialekte, Flaggenalphabet sowie in Braille. Selbstzweifel gehören dazu und sind wichtig, aber nicht gleich die Fassung verlieren… :-)
    Ich arbeite mich jedenfalls gerade durch Ihre Blogeinträge und die meiste Zeit begeistert, und die kurze andere Zeit (< 1 sek) hab ich einen schlechte Geschmack. Nein, ich bin leider nicht Lektor bei Bertelsmann Peguin Random Holtzbrinck…

  5. Anna Nuehm schreibt:

    onlein, danke für Ihren Kommentar! :-)

    Nein, der Roman wird leider nicht halb so gut, sondern doppelt so schlecht. :-)
    Wenn es so einfach wäre, wäre es ja kinderleicht! Einfach ein paar hundert Blogeinträge aneinanderreihen, ein paar Sätze dazwischen einfügen und schon wäre der Roman fertig.
    Leider funktioniert es nicht so. Ein Blogeintrag ist in etwa wie das Werfen einer Handgranate: Zündstift ziehen, werfen, weglaufen, fertig.
    Über 300 Seiten trägt diese Vorgehensweise aber nicht. Bzw. ist der Leser nach 10 bis 20 Handgranaten erschöpft und entnervt.
    Einen Roman muss man so aufbauen wie die Landung der Alliierten in der Normandie. Von mir aus auch Napoloeons Russland-Feldzug.
    Strategisch, mit langsamem Spannungsaufbau, Höhepunkt, Wendepunkt, Spannungsabbau, Auflösung, usw.
    Leider weiß ich jetzt auch nicht, warum meine Vergleiche so martialisch ausfallen?

    Orrrr, jetzt überlege ich den ganzen Tag, warum Sie einen schlechten Geschmack beim Lesen hatten und frage mich, was zur Hölle ich falsch gemacht habe? *schluchz!
    Schöne Grüße!
    Anna :-)

  6. onlein schreibt:

    Verehrteste Frau Nuehm, ich weiß, worauf Sie hinauswollen, was die Erzählstruktur angeht. Aber Sie haben trotzdem nur halb Recht :-) Bestes und jüngstes Beispiel ist das erste Buch von Frau Freitag, einer Ihrer von mir im Prinzip hochgeschätzten Blogkolleginnen. „Chill mal, Frau Freitag“: Blogeinträge aneinander gepappt, ein paar Überleitungen geschrieben, Platz 1 Spiegel-Bestsellerliste. Das ist doch schon mal ein Anfang.
    Ob Sie das künstlerisch zufrieden stellt oder mich als Schon-den-Blog-gelesen-haber begeistert, ist eine andere Frage, aber Sie dürfen sich bei Ihrem vielseitigen Schreibstil und Einfallsreichtum einige Schwächen im Spannungsverlauf erlauben, ohne dass Sie gevierteilt würden oder das sogar selbst übernehmen müssten, weil Sie ja angeblich nicht gelesen würden ;-)
    Oder anders gesagt: Wo und unter welchem Namen kann ich das Buch baldmöglichst käuflich erwerben???
    Fragt das kleine Onlein

  7. Anna Nuehm schreibt:

    Oh, kleines Onlein, ich fühle mich von Ihrem lauschigen Kommentar gerade so freundlich berieselt wie ein Wüstenwanderer von einem lauen Frühlingsregen.. ;-)
    Thanks… :-))

    Blogeinträge aneinander kleben, ein wenig Klebstoff dazwischen, toller Name aufs Cover und dann stündlich zusehen, wie das Buch auf der Spiegel-Bestsellerliste nach oben klettert, bis es BUMMBÄNGZONGDARAZOING* macht und das Teil die Liste sprengt – hach, das wäre schön… *verträumt auf die leeren Seiten starr…
    Frau Freitag hat aber eine Thema: die Schule! Ich habe hier im Blog kein Thema, sondern wusele vom Hölzchen zum Stöckchen..
    Wenn ich da eine zündende Idee hätte, wie man das so aneinander kleistert, dass es ein Buch ergibt, dann mach ich das sofort!
    Hihihi, woher wissen Sie, dass ich mich hier und da schon mal gerne selbst vierteile.. *rhetorische Frage..

    Sollte mein Roman gedruckt werden, lasse ich Sie das natürlich SOFORT wissen!
    Dafür müsste ich allerdings erst die Kleinigkeit erledigen, ihn zu beenden! Und einen Verlag finden usw.. usw usw usw..
    (Ächz, stöhn, jammer, MacGyver, wo bist du…)

  8. onlein schreibt:

    Liebe Frau Nuehm, auch hier wieder ein Einwand: Sie schreiben nicht über die Zustände in den Schulen, aber natürlich haben Sie ein Thema: Ihr Leben bzw. die Welt, wie Sie sie sehen! Mein Titelvorschlag: „Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt – mein Leben in der Annanuehmität“ (der Trend geht zu ausführlichen Titeln und auf den ledergebundenen Folianten der 20-bändigen Collector’s Edition / Editor’s Collection wird ja quadratmeterweise Platz sein…) :-) Jedenfalls ist es herzerfrischend, die Welt durch Ihre Augen zu betrachten! Schwieriger dürfte die Verlagsuche für Ihren wirklichen Roman sein, aber das wissen Sie wohl besser als ich. In meiner Bekanntschaft gibt es allein zwei, die Lesenswertes zu Papier brachten – die eine fand bis heute keinen Verlag, die andere einen winzigen privaten, der in kleiner Auflage produzierte. Trotzdem: Ihrem Charme wird man sich schwerlich entziehen können, also nur Mut! :-)

  9. Anna Nuehm schreibt:

    Hey, ich hab ein Thema! JUCHHU!! :))
    Sie sehen mich gerade in begeisterten, nicht enden wollenden Jubel ausbrechen, kleines Onlein! :-)
    Ich ernenne Sie hiermit feierlich zu meinem CEO! Gestern noch Teller waschender Praktikant, heute Chief Executive Officer! Das nenn ich mal eine steile Karriere,
    ich hoffe, Sie sind darüber genauso begeistert wie ich!
    Der rote Faden, den ich schon seit Jahrzehnten suche, Sie legen ihn einfach so auf den Tisch. FABELHAFT!
    Zwanzig Bände? Ha, mit so Kleinigkeiten gebe ich mich nicht ab:
    FÜNFZIG! Besser noch: Fünfzig ein halb!
    Fifty and a half Shades of Nuehminonymity… Oder so.. ;-)
    Äh, Nuehminomity? Nuehminonymitity? :-)))
    Sehr goldig von Ihnen, really. Thanks! :D

  10. Anna Nuehm schreibt:

    Okay, lautleise, überredet: du wirst CFO.
    Zufrieden?

  11. Anna Nuehm schreibt:

    Was? So teuer? Nee, dann geht das übers Internetz:
    CFO = Chief financial officer.
    Du hast die Leitung über die durch diverse Buchprojekte entstehenden Reichtümer.
    Mit Schreiben hat das nichts zu tun. Schreiben schreib ich schon selber! ;-)
    Brauche auch noch nen Mental-Coach, nen Ernährungs-Coach und einen Personal-Coach, der mit mir Sport macht.
    Ach ja und am 20. Juli fahr ich in Urlaub, also eine Urlaubsvertretung brauch ich auch. :D

  12. Anna Nuehm schreibt:

    Hilde? Eher würde ich ein Löwenrudel bändigen! ;-)
    SPÄSSLE!
    Na, vielleicht haben die in Fronkreisch auch Internetz?
    Verstecke dann mein Phone im Schwimmflügel und schreibe von der Luftmatratze aus..

  13. Anna Nuehm schreibt:

    Haha, gut so, die Töchter. So muss das sein. ;-)

    Nein, Pin-Sec ist es nicht. An der französischen Atlantikküste, nähe Biarritz.
    *freu
    *wie ein Seehund in den Wellen herumtoll…

  14. Anna Nuehm schreibt:

    Mimimi, jetzt hab ich Angst!
    Nee, eher Respekt! Aber ich passe schon auf. Der Atlantik ist kein Babybecken. Wer einmal das Vergnügen hatte, von einer Welle zu Boden geworfen zu werden, dann noch gleich 20 Wellen hinterher, der weiß, wovon ich rede.

    Zur Not stürze ich mich in den Pool! Köpper! *DONG

  15. Anna Nuehm schreibt:

    Haha, Schwimmen mit Helm. Sieht ein bissel bescheuert aus, aber who cares?!
    Trüffelomelette, das wärs jetzt.
    Alternativprogramm: vertrockneter Toast an Nutella-Ensemble.

Let it flow ...

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