Backwards

Was ich wirklich hasse beim Einkaufen, sind Leute, die sich an einem vorbeidrängen, sich herrschsüchtig vor einen klemmen und dann – abrupt langsamer gehen.
Kaum sind sie an einem vorbeigezogen, verfallen sie in einen schneckenähnlichen Kriechgang. Sie schleichen, sie schlurfen, sie schwurbeln. Sie schieben geräuschlos am Boden entlang wie gelähmte Nacktschnecken auf Schlaftabletten. Langsamer, immer langsamer, noch langsamer.
Sie gehen so langsam, dass ihre Füße den Boden nicht mehr vèrlassen. Sie verschmelzen mit ihm und zwingen einem ihr Tempo auf. Fast klebt man selbst am Boden fest, so langsam bewegen sie sich vorwärts. Windstill, geräuschlos. Und denkt man noch gerade, man kommt aber nur sehr langsam vorwärts, haben sie im nächsten Moment schon heimlich den Rückwärtsgang eingelegt und gleiten im Moonwalk dahin. Ultraslowmotion. Rückwärts. Und selber macht man mit.
Die Regale ziehen einem vorbei, die Stunden, sie zerfallen wie Felsbrocken im Meer der Zeit, sie zerbröseln zu kleinen Sandkörnern. Und seltsam, ist das nicht wieder das Regal, an dem ich vor zwei Stunden schon…? Vorbeigeschlurft? Ach, egal. Was sind schon Regale.
Die Jahre zerrinnen, der Reis, die Nudeln, alles aufgerieben im Rad der Ewigkeit. Schweinekotelett? Was soll das sein? Butter, Möhren, Oliven? Ich kenne niemanden, der so heißt.
Die Jahre vergehen, rückwärts, immer weiter rückwärts. Der letzte Sommer, der vor zehn Jahren, Studium, Auto kaputt, Umzüge, Exfreunde, Katastrophen, Glück, Trauer, ein kleiner Hund, der erste Kuss, Flaschendrehen, Schultüte,… Ich schlurfe und schlurfe. Und werde an die Kasse gespült.
Die Kasse? Da war doch noch was?!
„HABEN! Ich will aber ein Überaschungsei! Ich wiiiiiiill es! Aber haben!!!“ kreische ich, werfe mich auf den Boden, zappele mit Händen und Füßen und schlage wild um mich.
Stille.
„Meine Güte, dann kaufen Sie sich doch einfach eins!“, sagt der Mann neben mir, schiebt seinen Wagen an mir vorbei und schüttelt den Kopf.
„Ach, so. Ja, äh, stimmt. Sie haben völlig… äh, genau. Ich geh dann mal!“ sage ich, springe auf und klopfe mir den Staub aus den Kleidern.

Über Liv Maxx

I love Writing.
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33 Antworten zu Backwards

  1. crischo schreibt:

    Noch so ein Scharmör! Noch dazu von der alten Sorte ungefähr wie der hier: http://youtu.be/Oz_bFdhl24Y
    Für mich ist Frau Nühm bestenfalls knappe 25 und das schon seit mindestens 10 Jahren !

  2. Anna Nuehm schreibt:

    lautleise, genau aus diesem Grund habe ich eine Spülmaschine. :-)
    Danke fürs Kompliment! Ob Scheibe oder Schreibe, die Welt ist rund! :-)))

    crischo: Hach! Dankeeee! :-)

  3. Anna Nuehm schreibt:

    @lautleise, natürlich gab es zu meiner Zeit Ü-Eier, ich meine, ich bin ja noch nicht tot, oder?

    Mein erstes Ü-Ei.
    Ich weiß noch genau, wie ich damals auf diesem großen Schiff mitfuhr, es war eine kalte, sternklare Nacht, die Kapelle spielte einfach traumhaft und ich trug ein bodenlanges Klei mit goldenen Pailetten. Da kam der Kapitän an den Tisch und überreichte mir feierlich ein Ei.
    Ich: Oh, ist das von Fabergé?
    Er: Nein, von Ü. Ü wie Überraschung.
    Ich: Hihihi, Sie kleiner Schlingel, Sie!
    Dann plötzlich ein KLONG und dann ging dieses blöde Eisberggedöns los…
    Den Rest kennste ja.

  4. Crischo schreibt:

    Ach Du jünger Hüpfer! Du warst es also, die den Käpt’n so abgelenkt hat, dass wir anderen alle baden gingen ! Ich bekam mein erstes Überraschungsei während einer Indienreise vom Reiseveranstalter. Als Wiedergutmachung, weil der Typ das Schiff aus Versehen nach Amerika gesteuert hatte. Naja, war auch nicht schlecht. Ich blieb die nächsten 200 Jahre dort und hatte eine Menge Spass.

  5. Anna Nuehm schreibt:

    Wow, crischo, tolle Story! :-)
    In aller Bescheidenheit wollte ich noch kurz erwähnen, dass ich mein ALLERerstes Ü-Ei zusammen mit diesen 15 Geboten überreicht bekam. Dabei ließ ich die eine Steintafel fallen und nahm mir lieber das Ü-Ei. Eine gute Entscheidung, die ich nie bereut…. AUA! *Blitz vom Himmel traf mich gerade

    lautleise, vorzüglich. Ich hatte bisher nur Kaffee. :/
    Jetzt aber: Frühstück. :-)

  6. Anna Nuehm schreibt:

    Doch, doch, lautleise, „Licht aus“ ist beendet. Wenn ein Thema zu Ende ist, steht ein großes THE END da, die Musik läuft und alle verlassen das Kino. ;-)

    Genie? Neee. Wenn ich ein Genie wäre, wäre ich nicht hier, sondern –
    woanders.
    Wo genau, weiß keiner, aber woanders halt. ;-)
    Aber thanks… *muss jetzt mal ranrauschen-Gesicht aufsetz

  7. MolGugge schreibt:

    Bezogen auf die Titelstory scheint es mir einfach, einen solchen Ifantilitätsrückfall durch Querstellen des zu schiebenden Einkaufswagens zu vermeiden, da durch Solches ein Überholen mit anschließender Ausbremsung und dadurch dann ausgelöster Zeitreversibilisierung (*schüddel*) wirksam verhindert wird.
    Ansonsten ein Geldtäschchen um den Hals hängen mit einem Zettel „Ein Ü-Ei bitte“ und abgezähltem Kleingeld für ein Solches, falls durch einen Schritt zu viel der Zeitpunkt verständlicher Verbaläußerungen unterschritten werden sollte!

  8. Anna Nuehm schreibt:

    ha, MolGugge, gut durchdacht. Hat man nämlich das Alter von zweieinhalb unterschritten, kann man gar nicht mehr sprechen, sondern kreischt einfach nur rum.
    Was ich manchmal bedauere, dass man das ab einem bestimmten Alter nicht mehr machen darf. Also dürfen schon, man muss dann halt mit den Konsequenzen leben, nech. :-)
    Es hat auch etwas Befreiendes, so ein bisschen rumkreischen. :-)

  9. MolGugge schreibt:

    Aber Frau Nuehm,
    wer sagt denn, dass man irgendetwas ab einem gewissen Alter nicht mehr dürfen soll???
    Na gut, man macht es vielleicht nicht, weil der Zwang der Konventionen das eventuell als unerwünscht erscheinen lässt.
    Aber was sind Konventionen?

    Allerdings bitte ich beim Bruch einer solchen Konvention zu bedenken, dass auf Grund Stimmvolumen und Stimmkraft eines Erwachsenen bei schrillen gellenden kreischenden lauststarken Schreien es bei ungewollten Zuhörern durchaus zu leichten Beeinträchtigungen des Hörvermögens, bis hin zu gerissenem Trommelfell und Hörsturz, führen könnte
    !!!!

  10. Anna Nuehm schreibt:

    MolGugge, stimmt!
    Außerdem bekommt man Hausverbot und wenn man das in allen umliegenden Geschäften macht, wird das Einkaufen ein bisschen umständlich.

    Konventionen brechen:
    Zuerst ist man zu jung für die ganze Scheiße.
    Dann ist man zu alt für die ganze Scheiße.
    Und irgendwann ist man zu tot für die ganze Scheiße.
    Ich prangere das hiermit an! Aber volle Kanne!

    Meine Wortwahl heute prangere ich auch gerade mal mit an!
    :-)

  11. crischo schreibt:

    Lautleise: Genau, und viele Bergsteiger sind schon überraschend verunglückt auf der Suche nach dem Ei-der-Nordwand…

    Der alte Moses ist natürlich kaum zu toppen. Wären wir louisianische Vampire müsste ich jetzt ein, „Ich bin viieeel älter als Du und kann deshalb viiiiieeeel fieser sein“, von mir geben.

    Denn, lange bevor ich die kleine Anna im Körbchen den Nil hinabtreiben ließ, habe ich das Überraschungsei erfunden. Wir nannten es damals noch Sarkophag und es war ein wenig unhandlich, auch hat es den Kindern nicht soviel Freude bereitet. Deshalb wurde es im Laufe der Jahrtausende immer wieder verändert und verbessert.

  12. MolGugge schreibt:

    Es gehört sich nicht, sich mit fremden Federn zu schmücken!!!
    Das erste Ü-Ei hatte ehr Nussform, und wurde vom SikgStB, na ja nicht erfunden, aber zumindes geöffnet!!!
    Beweis:
    http://tinyurl.com/p2c7sdy
    !!!!

  13. Anna Nuehm schreibt:

    Guter Versuch, crischo… (Lach mich weg…)
    Aber ICH bin tatsächlich VIEL älter als du… *mit Vampirstimme sprech

    Damals, vor vielen Monden, als du noch in ein flauschiges Mammutfell gehüllt in deiner Steinwiege lagst, erfand ich, als deine Clan-Anführerin, weltweit das allererste Ü-Ei:
    Es war ein Stein.
    Zerschlug man diesen Stein mit einem anderen Stein, enthüllte man damit auch, was in diesem Ü-Stein war:
    nichts.
    Aber die Idee der Überraschung war damit geboren und somit das Grundprinzip jeden Ü-Eis weltweit. * und jetzt alle so „oooooh“ und „aaaah!“

  14. Anna Nuehm schreibt:

    MolGugge, DAS ist natürlich nicht zu toppen! Der Urknall als gefallenes und zersprungenes Ü-Ei! Ich werd nicht mehr! ;-)

  15. MolGugge schreibt:

    isch sach ja, von wegen am Anfang war das Wort!

  16. Anna Nuehm schreibt:

    Ja. QED. QED und das
    – Spannungspause –
    auf der ganzen Linie!

  17. Crischo schreibt:

    Hm, ich gebe zu, ich hätte das Ü-Ei nicht so unvorsichtig oben auf’s Regal legen sollen. War klar, dass der Kleine damit herumspielen würde. :-)

  18. Anna Nuehm schreibt:

    haha, ich hätte das Regal noch eine Etage höher bauen sollen, dann hättest du das Ü-Ei nicht drauflegen können… *hihi
    Heute im Angebot:
    Indian Summer in der Pfalz. Live unterm Pflaumenbaum. 14:37-14:38.
    Danach: Regen…

  19. Crischo schreibt:

    …ich gebe auf…und zu: Niemand ist so alt wie Anna „Methusalem“ Nuehm. Niemand. Keiner. Jemals. Niemals….das haste jetzt davon !

  20. Anna Nuehm schreibt:

    Ächz… fühle mich gerade irgendwie so ein bisschen -.. ächz…
    alt?

    ;-)

  21. MolGugge schreibt:

    Hmm, und kann jemand sagen, wie alt dieser Niemand ist?

  22. Anna Nuehm schreibt:

    Niemand ist ein paar Millionen Jahre alt. Vielleicht auch Milliarden. ;-)
    So genau weiß das Keiner. Keiner hat aber kein Internet und auch kein Telefon, also kann man den nicht befragen!

  23. MolGugge schreibt:

    womit dann nachgewiesen wäre, Keiner ist der Ältetste!
    Oder?

  24. crischo schreibt:

    Wären wir mal lieber bei „Am Anfang war das Wort“ geblieben – ist irgendwie lyrischer…trotzdem, weiter so, ich denke mal, es fehlen höchstens noch ein oder zwei klitzekleine Denkschritte und der Gottesbeweis ist erbracht!

  25. Anna Nuehm schreibt:

    Keiner ist der Älteste! Keiner weiß alles! So ist es, MolGugge! :-)

    crischo, ja, „am Anfang war das Wort klingt schöner“, aber es stimmt halt einfach nicht.
    Ist jetzt aber echt schade, bin ich gerade knapp am Gottsein vorbeigeschrammt…
    Ich hätte dann einfach ne Sekte gegründet und meine Anhänger versklavt, ausgebeutet und zum Aldi geschickt.
    Jetzt muss ich eben alles selber machen! Mist…

  26. MolGugge schreibt:

    Wolltest du zum Fliegenden Spaghettimonster/ hier befand sich ein kaputter Link ;-) in Konkurenz treten?

  27. Anna Nuehm schreibt:

    Eventuell ja. ;-)
    Ich kann den Link leider nicht öffnen, MolGugge. :-/
    Da ist ein Stückchen von abgebrochen oder so….

  28. MolGugge schreibt:

    denn so:
    http://www.venganza.info/
    und eventuell den anscheinend fehlerhaft abgekürtzten Link von oben rausnehmen.

    irgendwie hat sich da anscheinend ein „http.com“ davor geschmuggelt. Oder ich hab mal wieder den Versuch mit html zu arbeiten versiebt :-)

  29. Anna Nuehm schreibt:

    Haha, lustig… „vergib uns unsere Reiskugeln“..
    Wäre nicht schlecht, ein Fliegendes Spaghettimonster zu sein und angebetet zu werden, womöglich mit Opfergaben wie Fleischklösschen und Lasagneplatten! :-))
    Und PIZZAAAAA! :-)

  30. MolGugge schreibt:

    schau mal nach, das Ganze hat einen richtig schon rebellisch zu nennenden Hintergrund.
    Schlagen der Gegener, der Ignoranten und Irren, durch gezilten Einsatz von deren ureigensten Waffen.
    :-)

    Andererseits muss ich natürlich darauf hinweisen, dass es sich bei dem FSM um einen imitierenden Abklatsch des SikgStB handelt!!!!

    PS: Besonders gut finde ich das .gif mit dem Wasserläuferjesus

  31. Crischo schreibt:

    Keiner war gestern mit mir ein Bier trinken. Niemand hat sich dazu gesetzt. Die beiden streiten sich auch schon seit Ewigkeiten darum, wer der Ältere wäre. Keiner freut sich darüber hier im Blog zum Ältesten gekürt worden zu sein. Niemand ärgert sich.

  32. MolGugge schreibt:

    Then let´s sing a song of joy :-)))

  33. Anna Nuehm schreibt:

    crischo: Ein wahrlich passendes Wort zum verhängnisvoll über uns allen schwebenden, morgen schon beginnenden: Wochenende!

    Sing Hallelujah, singing Hallelujah! @MolGugge! :-)))

Let it flow ...

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