Novemberliebe

Nachdem ich in den vergangenen  – 97, 83, 62? – ach, sagen wir einfach mal 28  Jahren meines Lebens den November stets innig, wenn nicht sogar inbrünstig gehasst habe, ihn verfluchte, jeden einzelnen verdammten Tag, von früh um sechs bis weit nach Mitternacht, Verwünschungen gegen ihn ausstieß, ihm Erpresserbriefe und Todesdrohungen schrieb, noch und nöcher, er sich aber gar nicht daran störte, kein winziges bisschen, sondern einfach fröhlich weiter vor sich hin novemberte, was Unmengen von Nebel, Eis auf Windschutzscheiben, arschkalten Nächten und grässlichen Feiertagen bedeutete, habe ich in diesem Jahr diese Gewohnheit einfach so sang- und klanglos: abgelegt.
Ich hasse den November nicht mehr.
Ich liebe ihn, heiß und innig. Mit der ganzen Kraft meiner 19 (hihi) Jahre. Ich liebe ihn wie dampfenden Sahnekakao, schmelzende Chilischokolade mit Orangenstückchen, duftende Zimtstangen in einem Topf selbstgemachten Glühweins und Spaziergänge über nebelumwallte Weinberge, an deren Weinstöcken noch die letzten Trauben hängen, die zu Eiswein verarbeitet werden.
Grund dafür ist einzig und allein der – Trommelwirbel – NaNoWriMo, der National Novel Writing Month, eine Art Schreibwettbewerb, bei dem man versucht, 50.000 Wörter in einem Monat zu schreiben, im besten Falle einen Roman. Zumindest den ersten Rohentwurf dafür.
Ich hab’s geschafft und es hat wahnsinnig Spaß gemacht. Vor allem wegen all der Verrückten, die weltweit mitmachen und einen über Twitter oder im NaNo-Forum motivieren. Das Ganze erzeugt einen richtigen „Flow“, auf dem man mitsurft, einen kreativen Schub, verbunden mit ganz viel positiver Energie, die dann in das Geschriebene hineinfließt. So hoffe ich zumindest. 55.000 Wörter habe ich bisher geschrieben, die sogar ein klein wenig Sinn ergeben. Fertig ist das Ganze natürlich noch nicht, 30.000 kommen ungefähr noch hinzu und dann geht’s ans mehrmalige Überarbeiten.
Tja, so kann man also selbst im hohen Alter von 100 Jahren noch seine Gewohnheiten ändern – wer hätte das gedacht? Sprachs, stieg aus dem Fenster und verschwand.
Ach ja, und falls Sie sich jetzt gerade fragen „Na toll und was habe ICH jetzt davon? Nur Gesülze und den Roman schreibt Frau Nuehm eh nie fertig!“ – doch, das werde ich irgendwann, aber freuen Sie sich bereits jetzt über die wundervolle im Text versteckte Botschaft:
Wenn das Leben dir November gibt, mach Eiswein draus.

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Über Liv Maxx

I love Writing.
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6 Antworten zu Novemberliebe

  1. das onlein schreibt:

    Beste Anna, ich liebe Ihren Humor und Ihren Schreibstil, immer wieder! Das musste mal gesagt werden, wo ich hier doch so selten kommentiere. Und eine Welt mit 55000 Wörtern mehr von Ihnen ist definitv eine bessere :-)
    So erhellte also Ihr jüngster und sehnlichst erwarteter Eintrag meine Novembernacht, obwohl mir der diesjährige November ganz gut gefällt: Gemütliche Abende mit viel Tee und ein wenig Rum (oder war’s anders-rum??), herrliche bunte Wälder, neblige Morgen… Und gute Bloglektüre, wie gesagt!

  2. Molgugge schreibt:

    Eine erfreuliche Entwicklung.
    Wieder ein mal verblasst ein Novemberhass, entwickelt sich eine Novemberliebe.
    Das ist schön, das habe ich auch schon hinter mir.

    Nur habe ich mir für diesen Einstellungswandel nicht die Ochsentour ausgesucht, das unbamherzige Herunterhämmern immer neuer Worte, Worte, die noch dazu in einem mehr oder weniger vernünftigen und dazu noch kreativen Zusammenhang stehen sollten, Worten mit Eigensinn im Gesamtsinn und Einzigartigkeit im Zusammenhang.
    Denn das ist ja richtiggehend Arbeit.

    Ich habe es mir damals erlaubt, den Weg über guten dunklen alten vollmundigen karibischen Rum zu gehen.
    Ein Weg, der sich gelohnt hat, Herz- und Baucherwärmend, Träumeauslösend, Bilder erzeugend, Bilder von weissen Palmenstränden, gemütlichen Bars und Restaurants, schönen Menschen, sanft-wild klingender Musik und exotischen Düften.
    Und das alles einfach im Sessel sitzend und geniesend.
    Ehrlich gesagt, ich bewundere den harten Weg, den sie gegangen sind Frau Nuehm, aber würde trotzdem wieder meinen gehen.
    :-)

    Oh, mal überprüfen, ob die Dezemberverschönerungsration noch ausreichend ist…..

  3. Anna Nuehm schreibt:

    Hach, kleines online, Ihr Kommentar geht runter wie feinstes Gewürzöl. :-)
    Dankeeeee, ich bin jetzt ganz gerührt. Sende Ihnen virtuell mehrere Flaschen Rum, kiloweise Rumkugeln und einen Sack voller Badekugeln. Letztere bitte nicht mit den vorletzteren verwechseln!
    Äh, eine bessere Welt? Sind Sie da sicher? Es handelt sich um ein Machwerk, in dem das Blut nur so fließt, die Knochen nur so krachen und es jede Menge Tote gibt. Und einer stirbt einen seeeehr grausamen Tod. HARHAR. Aber es ist nur der Bösewicht, was soll’s, ohne den die Welt eine viel bessere ist. Somit haben Sie dann doch wieder Recht!
    Schöne Grüße und immer nen ordentlichen Schluck Tee im Rum! :-))

  4. Anna Nuehm schreibt:

    Lieber MolGugge,
    hätten Sie mir das mal vorher erzählt, hätte ich auch Ihren Weg genommen!
    Rum, Rum, alle trinken fässerweise Rum, nur mir sagt mal wieder keiner Bescheid. ;-)
    Und dann auch noch karibischer Rum! Ich kaufe meinen immer beim Aldi!
    Für den nächsten November werde ich mir ein ganzes Fass bestellen und ganz alleine aussüffeln. ha!

    Na, Sie werden staunen, es war erstens gar nicht so schwierig und
    zweitens frage ich mich, warum ich das nicht früher schon gemacht habe.
    Seltsam, oder?
    Ich habe das Dings vorher geplant, der Plot stand, denn einfach ins Blaue Schreiben führt nicht zum Ziel. Bei mir auf jeden Fall nicht.
    2000 Wörter am Tag, also gar nicht mal so schlimm das alles.
    Sie werden es nicht glauben, ich FREUE mich schon auf nächstes Jahr November!
    Kann nicht glauben, dass ich das wirklich schreibe… Und auch so meine..
    Es war stellenweise schon hart, aber nur ein paar Tage, ab dann wars einfach nur genial!
    Schöne Grüße, ich stelle gerade ein Rentier auf. Dezemberdekoration. ;-)

  5. Crischo schreibt:

    Gerade hatte ich eine Vision von Schneeflocken, so aus dem Augenwinkel, dem oberen und dem unteren…

    Wenn jemand in einem Text dieser Länge zweimal den Alterungsprozess erwähnt und das ganze mit einem vollständigen Spirituosenladen und der Novemberdepression verbindet, dann kann das nur Bedeuten, dass Frau Nuehm gerade Geburtstag hatte….

    Herzlichen Glückwunsch nachträglich! (- was die vorangegangenen 12 Monate natürlich mit einschließt!)

    Obwohl ich persönlich für eine Erweiterung der Tierkreiszeichen um Symbole wie Faultier oder Warzenschwein plädiere, um so noch detaillierter die Charaktereigenschaften der Mitmenschen kategorisieren und ihre Zukunft treffender vorhersagen zu können, stelle ich fest, dass ein Verhalten, welches das Schreiben mehrerer Bücher, um diese dann in der fernen Zukunft alle auf einmal mit großem KAWUMMM zu veröffentlichen, eindeutig eine Eigenschaft des zukunftsorientierten Schützen ist. Womöglich aber auch des großen und kleinen Bären, der Beteigeuze, des Andromedanebels und natürlich Romulus und Vulkan, in letzterem Falle allerdings nicht ganz so ausgeprägt.

    Zum Alter ist schon viel geschrieben worden. Eines aber ist klar, ärgerlich ist es doch nur solange man es hat. Auch ich hatte einst ein Alter, es war recht flexibel und hat sich meinen Erfordernissen normalerweise angepasst.

    Irgendwann aber gingen mir die Fragen meiner Mitmenschen nach der Art „Wie ist denn Dein Alter?“ so auf den Keks, dass ich das Alter nahm und in die Mülltonne steckte…
    Manchmal denke ich noch daran, wie es war mit dem Alter, aber im großen und ganzen ist der alterlose Zustand nicht zu verachten. Ich vermisse es nicht!

  6. Anna Nuehm schreibt:

    Crischo, vielen Dank für die Glückwünsche! :-)
    Natürlich hatte ich Geburtstag – im Mai. ;-)
    Ich wurde einst unter dem Sternzeichen des Stiers geboren. Wer schon einmal erlebt hat, wie ich, gutmütig bis zur Schmerzgrenze, beim wiederholten Schwenken eines roten Tuchs von null auf hundert auf jemanden zupresche, weiß, wovon ich rede.
    Haha, ich scherze nur. Stiere sind freundlich und würden so etwas nie tun… *pfeif
    Außerdem sind sie die Lieblinge von Venus und Konsorten.

    Alter? Was ist das? Man ist so jung, wie man sich fühlt. Kann schon mal schwanken zwischen 17 und 137. Manchmal auch innerhalb eines Tages.
    Abgesehen davon interessiert es mich nicht wirklich, was Leute denken, ob ich für dies oder jenes zu alt, zu jung, zu dick, zu dünn, zu schön oder zu hässlich bin, denn irgendeiner meckert immer. Darum überhöre ich das einfach. Ist mir schnuppe.
    Ha, jetzt sehe ich die Schneeflocken auch! *hicks

    Nein, die Novemberdepression ist Geschichte. Ab jetzt ist der November mein neuer Lieblingsmonat. Ich habe aber eine Art Schreibkater und nen Hang over vom NaNaWriMo davongetragen und hänge ein bisschen in den Seilen.
    Naja, egal. Am Ball bleiben, sonst wird es nie ein ordentliches „Kawumm“ geben, sondern nur ein leises „Pffft“, wenn die Romane allesamt im Rohr krepieren.
    Alle drei auf einmal. Allein der Gedanke daran… –
    KREISCH!!! ;-)

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