Herzen und Hasen

Seit letzter Woche Freitag höre ich in Endlosschleife immer wieder diese Worte in meinem Kopf:
„The world will break your heart ten ways to Sunday, that’s guaranteed.“, gesprochen mit der Stimme von Bradley Cooper, untermalt von diesem Lied:

Natürlich, Cineasten unter den Leser haben es längst erkannt, Text und Song stammen aus „Silver Linings“, einem wirklich sehr schönen, nein, herzzerreißend schönen Film. Gesehen habe ich ihn vor Monaten, warum also ausgerechnet jetzt dieser Gehirnwäsche-Terror von meiner Muse?
Was will sie mir damit sagen? Ich soll über mein 1.000.035 Mal gebrochenes Herz schreiben? Oh, wäre mir ein Leichtes, Stoff genug hätte ich, aber: Wer will so etwas schon lesen?
Tja, jetzt gucken Sie! (Ich sehe, wie Sie gucken, mittels meiner Spezialsoftware, die ich heimlich in diesem Blog installiert habe.) Nämlich so: :-O
Okay, dann folge ich jetzt meiner Muse und versuche es trotzdem:
Gebrochene Herzen sind irgendwie so Old School. So 1980. So „Ich bin gegen den Vietnam-Krieg und verbrenne jetzt meinen BH!“. Oder?!
Außerdem ist es verflixt schwierig, über Gefühle zu schreiben.
Ich für meinen Teil bin ja der totale Kopfmensch, dessen Herz gar nicht am rechten Fleck sitzt, sondern in den Schuhen liegt und manchmal auch in der Mördergrube.
Wissen Sie auch warum? Ich ließ es mir verpflanzen, damals in den Jahren 2006-2010. Vielleicht auch schon vorher. Ja, genau, muss Anfang 2000 gewesen sein. Oder war es 1932? Und das aus gutem Grund. Eine Herzverpflanzung ist eine äußerst sinnvolle, weil praktische Angelegenheit. Denn wenn einen später jemand ins Herz treffen will, ob im positiven oder negativen Sinne, dann steht man einfach da und sagt so etwas wie: Ätschibätsch, daneben.
Nein, natürlich nicht. Dann wüsste der andere ja Bescheid.
Man sagt so etwas wie: Autsch, das tat jetzt aber weh. Hat mich jetzt echt getroffen. Oder: Hach, wie schön.
Innerlich ist man natürlich kalt wie eine Hundeschnauze, weil das Herz gut versteckt in der Nachttischschublade liegt, bei den alten Briefen oder in einem geheimen Tresor. Oder im dunklen Brunnen, wo es mal hineinfiel.
In den Schuhen sollte man sein Herz nicht aufbewahren, weil Schuhe sich abwetzen, irgendwann ist die Sohle durch und stellen Sie sich mal vor, Sie laufen dann auf Ihrem Herzen, und es wird immer dünner?! Jeden Tag. Und Sie wissen gar nicht, wie Sie mit so einem dünnen Herzen noch träumen sollen oder wünschen? Also bitte, denken Sie nach, bevor Sie so etwas Unsinniges tun. Herz in den Schuhen: Klares Nein! In der Tasche sollte man es auch nicht tragen und schon gar nicht auf der Zunge, denn dann könnte es gestohlen werden. Der beste Ort für ein Herz ist der Tresor aus Stahl mit einem Titanschloss, bester Standort des Tresors der Elfenbeinturm mit 4000 Stufen oder in einem versunkenen Schiff auf 40.000 Seemeilen unter dem Meeresspiegel. An Feiertagen kann man es ja mal kurz rausnehmen und etwas durchlüften, damit es nicht verstaubt. Abgesehen davon sollte man einfach höllisch drauf aufpassen.
Bradley Cooper hat nämlich verdammt Recht: ten ways to Sunday. Im besten Fall also zehn Mal in einer Woche, im schlimmsten Fall zehn Mal an einem Tag. Und wenn ich jetzt aufzählen sollte, wodurch, dann säße ich morgen noch hier und so viel Zeit habe ich auch wieder nicht. Unvermeidlich das Ganze, unvermeidlich. Es scheint, es ist das Wesen des Herzens, dass es immer wieder gebrochen wird und diese ganze Brecherei auch aushält. Es strebt sozusagen danach. Ob durch Liebe, Freundschaft, schlechte Frisöre, bösartige Nachbarskatzen, mieses Wetter oder abgelaufene Mindesthaltbarkeitsdaten.
Herzen sind dafür gedacht. Es ist ihre Bestimmung. Sie leben dafür. Also geben Sie alles. Aus ganzem Herzen. Immer. Verschwenden Sie sich, sparen Sie nicht, und heben Sie bloß nichts auf. Niemals. Immer wieder alles wagen, alles in die Schale legen, mit vollem Herzen leben. Es wird heute gebrochen? Prima. Morgen wird es vielleicht so gebrochen, dass Sie nicht mehr wissen, was für ein Tag ist (Dienstag), aber völlig egal. Vielleicht begegnet Ihnen am Mittwoch der wundervollste Mensch auf Erden? Am Ende zählt immer einmal mehr. Denken Sie dran: immer einmal mehr. Lieben, lachen, weinen, aufstehen, weitermachen. Naja und lieben, immer wieder. Geben Sie sich Mühe, Sie haben Ihr Herz schließlich nicht zum Spaß, sondern für die Liebe, die Freundschaft, die Hoffnung, kleine Hunde, süße Kinder, Sonnenauf- und -untergänge, Lächeln, Sex, schöne Musik, Essen mit lieben Menschen, Literatur (hört, hört!). Vergessen Sie den Blödsinn mit dem Tresor, werfen Sie ihn aus dem Fenster oder sperren Sie das Internet in ihm ein.
So, ich denke, das war jetzt ausreichend über Gefühle geschrieben. Sie merken schon: Ich kann das nicht.
Okay, ich gebe es zu: Dieser Text war ein Experiment von A bis Z und Sie das kleine, süße Versuchskaninchen mit wackelnder Nase und Schnurrbarthaaren. Und es geht sogar noch weiter:
Ich habe Ihnen meinen Ohrwurm eingepflanzt und Sie hören jetzt den ganzen Tag Bradley Cooper und Stevie Wonder in Endlosschleife:
„The world will break your heart – la la la la la la, la la la la la la – ten ways to Sunday – My Cherie Amour – that’s – lovely as a summer day – guaranteed.“

Über Liv Maxx

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9 Antworten zu Herzen und Hasen

  1. Crischo schreibt:

    Nix da! Ich lasse mir keinen Ohrwurm einsetzen. Denn ich bin selbst ein Verteiler von Ohrwürmern, die es in sich haben. Ohrwürmer, die man nie!!!!! wieder aus dem Ohr bekommt. Dauerimplantate sozusagen, schlimmer als der Babelfisch. Zum Beispiel das da, das immunisiert auch gegen Herzschmerz und andere mind bollocks – http://youtu.be/Pi6wEFew1Ec

  2. Anna Nuehm schreibt:

    Crischo, ich bin immun gegen diese subtile Form der Manipulation! Lächerlicher Versuch! Als würde ich jetzt den ganzen Tag über Körperzellen nachdenken und singen…
    Das soll ein Ohrwurm sein? Das ist schlimmer als der Beschuss mit einer Atomgranate!
    Wirkt aber nicht… haha
    *summend ins Off „Jede meiner Körperzellen ist glü-hü-hücklich.. tandaradei.. jubilei.. mmh, Körperzelle… lülülü, komm, wir tanzen, kleine Zelle.. flöt“

    Nimm dies! *mit dem Zeigefinger neckisch auf dich zeig

  3. Crischo schreibt:

    Oh Rod, lang ist es her. Sailing… ach ja, damals, na gut:
    Gebrochene Herzen gibt’s in meiner Welt keine. Deshalb nimm das: https://www.youtube.com/watch?v=VbCBJ05gdwc&feature=player_detailpage

  4. Anna Nuehm schreibt:

    Sehr schön, Crischo. :-)
    Aaaaaber: Gebrochene Herzen gibt es immer. Falls nicht, hat man was verkehrt gemacht. Man kann ein Herz auch positiv „brechen“, dann ist es halt nicht kaputt, sondern nur gerührt. Angekratzt. ;-)

    Tja, zu deinem Song sage ich nur: (Man beachte Ailton, wie er ein Hähnchen grillt, ist im Vorspann. Herzig. ♥)

  5. Crischo schreibt:

    Ja, das war jetzt aber echt ein trauriges Lied…eine Träne musste ich mir verstohlen aus dem rechten Augenwinkel wischen…
    Du magst heute also lieber traurig sein, dann probieren wir es mal mit dieser garantiert traurigsten Fassung aller Zeiten, schnief:

  6. Crischo schreibt:

    Ich mach auch keine Pause, sondern setzte noch einen drauf, erstma die Lyrics:

    Oh, my love
    Here in our darkest hour
    It is you, my desert flower
    That I am dreaming of

    We’re up to our neck in foreign soil
    We are the sacramental spoils
    And they love to choke
    The rivers with my brothers‘ blood

    We have given our bodies
    To the Mexican army
    But my heart and soul
    Belong to you my love

    So let the enemy guns
    Cut me to ribbons
    For my eternal soul
    Will know the way back home

    Sobre viviendo
    Si sangre mi cuerpo
    Para …

  7. Anna Nuehm schreibt:

    Hach, Smokie! :-)))
    nein, ich bin eigentlich gar nicht sooo traurig.
    Nach Regen kommt Sonnenschein, habe das schon öfter erlebt. Trotzdem gibt es Dinge, die schmerzen und das auch noch nach Jahren.
    Auch wenn man als Schreiber eigentlich froh darüber sein sollte, denn dann hat man immer genug zu erzählen… Oder so… ;-)

    Nummer zwei: Wow, toller Text: sehr schön. :-)

    Mag ich:

  8. Crischo schreibt:

    Hehe, da hab‘ ich doch was passendes gefunden – nach Regen kommt Sonnenschein :-)

  9. Anna Nuehm schreibt:

    Haha, der ist echt gut… Shit makes the flowers grow… ;-)
    Stimmt ja auch. :-)

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